mutter_kind_unicef_sudan_200Hannover. - Die Müttersterblichkeit hat sich in den vergangenen 20 Jahren weltweit fast halbiert: Zwischen 1990 und 2010 sank die Zahl der Frauen, die infolge von Komplikationen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt starben, von jährlich 543.000 auf 287.000. 99 Prozent der Todesfälle ereignen sich in Entwicklungsländern. Das belegen neue Daten, die die Vereinten Nationen am Mittwoch veröffentlicht haben.

Die Zahlen wurden vom Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA), der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Weltbank und vom UN-Kinderhilfswerk (UNICEF) erhoben. Die meisten Länder haben die Müttersterblichkeit deutlich gesenkt, weil sie in freiwillige Familienplanung, in die Ausbildung von Hebammen und anderem Gesundheitspersonal sowie in die Notfall-Geburtshilfe investiert haben.

Beispielsweise sei in Ostasien, das die größten Fortschritte gemacht hat, die Verwendung von Verhütungsmitteln mit 84 Prozent inzwischen besonders hoch, berichtete die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW). Die neuen Zahlen zeigten zugleich, dass die Müttersterblichkeit in Afrika südlich der Sahara weiterhin dramatisch hoch ist: 85 Prozent aller Fälle von Müttersterblichkeit gehen auf diese Region zurück. Hier ist das Risiko einer Frau, bei der Geburt zu sterben, 1 zu 39. Zum Vergleich: In Industrieländern beträgt das Risiko 1 zu 3.800. In vielen Ländern Afrikas südlich der Sahara sei das Millennium-Entwicklungsziel, die Müttersterblichkeit bis zum Jahr 2015 um drei Viertel zu senken, kaum noch erreichbar, wenn nicht massiv in Familienplanung und in die Gesundheit von Müttern investiert wird, so die DSW.

"Ich begrüße die rückläufigen Zahlen und freue mich sehr, dass die zahlreichen Maßnahmen, die Gesundheit von Müttern zu verbessern, Früchte tragen", sagte Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung. "Die neuen Zahlen beweisen: Familienplanung rettet Leben. So können Frauen, die Zugang zu Familienplanung haben, die Abstände zwischen ihren Geburten strecken. Das kommt sowohl der Gesundheit der Mütter als auch ihrer Kinder zugute."

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung weist darauf hin, dass noch immer 215 Millionen Frauen in Entwicklungsländern nicht verhüten können, obwohl sie dies gern möchten. "Ich hoffe, dass die neuen Zahlen ein Signal an die internationale Geberkonferenz zu Familienplanung im Juli sind und die Entwicklungsgelder für Familienplanung deutlich erhöht werden", sagte Bähr. "Die Bundesregierung hat hier schon Wichtiges geleistet, indem sie die Mittel für Familienplanung und Müttergesundheit für die Jahre 2011 bis 2015 auf jährlich 80 Millionen Euro verdoppelt hat."

"Die Halbierung der Müttersterblichkeit innerhalb von zwanzig Jahren ist ein großer Erfolg und ein sehr ermutigendes Signal", kommentierte Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) die neuen UN-Zahlen. "Sie zeigt aber auch, dass unsere Kooperationsländer ihre Anstrengungen noch weiter stärken müssen. Wir dürfen nicht nachlassen. Die deutsche Entwicklungspolitik steht weiter bereit, sie hierbei zu unterstützen. Unser Ziel ist die Verringerung der Müttersterblichkeit um 75 Prozent bis 2015."

Niebel verwies darauf, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) habe im Mai 2011 eine eigene Initiative zur selbstbestimmten Familienplanung und Müttergesundheit ins Leben gerufen. "Schon 2011 haben wir unseren Kooperationsländern mit nahezu 100 Millionen Euro für Vorhaben in diesem Bereich dreimal so viel Mittel zugesagt, wie in den Jahren zuvor", erklärte Niebel. "Wir werden diese Anstrengungen fortsetzen und darauf drängen, dass alle Frauen Zugang zu Familienplanung und einer medizinischen Betreuung ihrer Schwangerschaft haben."

Foto: Mutter und Kind im Sudan © UNICEF

www.unfpa.org
www.weltbevoelkerung.de
www.bmz.de

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