buckelwal_wwfMünchen. - In Panama City tagt vom 2. bis 6. Juli zum 64. Mal die Internationale Walfangkommission. Zentrale Themen werden neue Quoten für den Walfang der Ureinwohner und ein neues Walschutzgebiet im Südatlantik sein. "Wir wollen verhindern, dass manche Länder durch die Hintertür wieder den kommerziellen Walfang einführen", erklärte die Biologin Sandra Altherr, die für Pro Wildlife an der Tagung teilnehmen wird. Auf der Agenda steht zudem eine Resolution Deutschlands zur Giftigkeit von Walfleisch, die auf einer Studie von Pro Wildlife basiert.

Die USA, Russland, Dänemark sowie St. Vincent und die Grenadinen haben Ausnahmegenehmigungen für ihre Ureinwohner beantragt. Umstritten ist Pro Wildlife zufolge der dänische Antrag, noch mehr Großwale in den Gewässern um Grönland töten zu dürfen, darunter einen zusätzlichen Buckelwal sowie neun weitere Finnwale, die als bedroht gelten. Indigene Völker sind vom Walfangmoratorium ausgenommen und dürfen ein festgelegte Anzahl an Großwalen fangen, allerdings nur zur Selbstversorgung.

Bereits bei der letzten Verhandlungsrunde 2010 gab es Zweifel daran, ob die grönländischen Quoten gerechtfertigt sind. "Denn mehr als die Hälfte des Fleisches von Zwergwalen und bis zu 81 Prozent der gefangenen Finnwale landen auf dem Müll", so Pro Wildlife. Zudem werde Walfleisch in Grönland kommerziell verarbeitet und in Restaurants und Supermärkten verkauft.

"Wir erkennen das Recht der Ureinwohner an, Wale zu fangen – doch wir wollen auch verhindern, dass Grönland dieses Recht dazu missbraucht, wieder kommerziellen Walfang einzuführen", sagte Altherr. Der in diesem Jahr vorgelegte Bedarfsnachweis ignoriere darüber hinaus die Gesundheitsrisiken für die Inuit: Walfleisch sei sehr hoch mit Quecksilber und giftigen Chlorverbindungen belastet.

Alarmierende Studien wie der Bericht "Toxic Menu" von Pro Wildlife belegen die enormen Gesundheitsrisiken von Walfleisch. Denn die langlebigen Tiere häufen in ihrem Gewebe hohe Konzentrationen an Quecksilber und PCB an. Pro Wildlife nennt als Folgen für die Konsumenten: Konzentrationsstörungen, Immunschwächen und Parkinson-Risiko, Spermienrückgang bei Männern. In diesem Jahr hat die deutsche Regierung eine Resolution eingereicht, die die Walfangländer auffordert, ihre Bevölkerung über die Risiken aufzuklären. "Anstatt bei der Bevölkerung Walfleisch als gesunde, traditionelle Nahrung zu propagieren, müssen die Behörden der Walfangländer endlich dazu verpflichtet werden, auf die Giftstoff-Belastung hinzuweisen", forderte Pro-Wildlife-Sprecherin Altherr.

Brasilien, Argentinien und Uruguay beantragen gemeinsam ein Schutzgebiet für Wale – dies wäre das dritte Schutzgebiet neben der Antarktis und dem Indischen Ozean. Einen solchen Antrag habe Brasilien seit 1999 alljährlich gestellt, berichtete Pro Wildlife, und sei bislang an der erforderlichen Dreiviertelmehrheit gescheitert. "Wir unterstützen ein neues Schutzgebiet, befürchten aber, dass Japan als "Gegenleistung" Fangquoten vor seiner Küste durchsetzen möchte. Einen solchen Deal wollen wir verhindern", kündigte Altherr an.

Auch Norwegen zieht wieder den Unmut der Artenschützer auf sich. Das skandinavische Land fordert die Erlaubnis, "freien Walfang" betreiben zu dürfen, also die gesamte eigenmächtig gesetzte Quote frei auf alle Gebiete verteilen zu können. "Norwegen hat sich damit anscheinend vom Nachhaltigkeitsprinzip verabschiedet und tritt die Vorgaben der IWC erneut mit Füßen", kritisierte Altherr.

www.prowildlife.de
www.iwcoffice.org

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