aids2012_100Washington. - Zum Abschluss der Welt-Aids-Konferenz in Washington haben Experten die Erfolge im Kampf gegen die Pandemie hervorgehoben. So sank die Zahl der Neuinfektionen im Jahr 2010 erstmals - auf 2,7 Millionen. Acht Millionen Infizierte in ärmeren Ländern hatten 2011 Zugang zu Therapien - so viele wie nie zuvor. Hilfsorganisationen appellierten an die Regierungen, die vorgestellten wissenschaftlichen Fortschritte im Kampf gegen HIV/Aids schnell in konkrete Programme umzusetzen.

"Wir wissen heute besser als je zuvor, wie wir HIV/Aids besiegen können. Wir wissen, welche Medikamente gebraucht werden, mit welchen Modellen die Therapie auch in das entlegenste Dorf gebracht werden kann und wie wir mit frühzeitiger Behandlung Neuinfektionen verhindern können", erklärte Oliver Moldenhauer von der Medikamentenkampage von Ärzte ohne Grenzen in Washington. "Jetzt muss gehandelt werden – vor allem die Regierungen sind gefordert. Wir brauchen die notwendigen finanziellen Mittel und einen flexibleren Umgang mit Patenten, damit die lebensnotwendige Behandlung nicht an zu teuren Medikamenten scheitert."

Noch immer haben Millionen Menschen in ärmeren Ländern keinen Zugang zu einer HIV-Behandlung. In der Demokratischen Republik Kongo etwa werden nur 12 Prozent der 430.000 HIV-Infizierten behandelt, die dringend eine lebensnotwendige Therapie benötigen. "Für die meisten Patienten im Kongo ist HIV noch immer ein Todesurteil", sagte Anja de Weggheleire, medizinische Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen im Kongo. "Was wir in unseren Projekten sehen, erinnert an die Zeit, bevor es antiretrovirale Medikamente gab. Die Situation ist verheerend."

Für weitere Fortschritte im Kampf gegen HIV/Aids werden die Preise für neuere HIV-Medikamente immer wichtiger. Neue Arzneimittel werden immer öfter benötigt, weil das HI-Virus gegen die bisherigen Medikamente zunehmend Resistenzen bildet. Ein in Washington vorgestellter Bericht von Ärzte ohne Grenzen zeigt, dass Patentmonopole HIV-Medikamente massiv verteuern.

Umso beunruhigender sei es, so die Organisation, dass die neueren Arzneien wesentlich häufiger patentiert werden als die alten. Medikamente der dritten Therapielinie, die nötig werden, wenn Resistenzen gegen die Medikamente der ersten und zweiten Wahl auftreten, seien in den Ländern südlich der Sahara mit mindestens 2.486 US-Dollar pro Patient und Jahr fast 15 Mal so teuer wie die der ersten Behandlungslinie. In einigen Ländern, wie etwa in Indien, seien sie sogar noch weitaus teurer.

"Deswegen unterstützen wir es ausdrücklich, wenn Länder die Regelungen im Patentrecht nutzen, um die Produktion von Generika auch ohne Zustimmung der Originalhersteller zu ermöglichen. Diese sogenannten Zwangslizenzen sind ein wichtiges Instrument, wenn lebenswichtige Medikamente sonst nicht bezahlbar sind", erklärte Moldenhauer. Ärzte ohne Grenzen behandelt derzeit 220.000 HIV/Aids-Patienten in 23 Ländern.

"In der Prävention müssen Maßnahmen besser auf die jeweilige Epidemie ausgerichtet sein. Zudem muss den Menschen Zugang zu medizinischer Behandlung ermöglicht werden, ohne stigmatisiert und diskriminiert zu werden", sagte Gisela Schneider, Direktorin des Difäm – Deutsches Institut für Ärztliche Mission. Dies kann aber nur geschehen, wenn weltweit der Einsatz gegen HIV und Aids nicht nachlässt, sondern unvermindert weitergeht. Zugang zu lebensrettenden Medikamenten und die Sicherung lebenslang notwendiger Therapien gibt es nur dann, wenn Einrichtungen wie der Globale Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria und die Gesundheitssysteme weltweit gestärkt werden."

Dank neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse sei die internationale Gemeinschaft in der Lage, HIV/Aids wirksam einzudämmen, betonte Astrid Berner-Rodoreda, Sprecherin des Aktionsbündnisses gegen AIDS: "Wir können Millionen Menschenleben retten, wenn wir alle Präventionsstrategien implementieren und möglichst frühzeitig die Behandlung mit anti-retroviralen Medikamenten anbieten. Diese Handlungsansätze müssen jetzt konsequent umgesetzt werden!"

Ein wesentliches Hindernis stellt nach Auffassung des Aktionsbündnisses noch immer die gesellschaftliche Diskriminierung dar, der vor allem die besonders von HIV betroffenen Gruppen, wie Männer, die Sex mit Männern haben, SexarbeiterInnen und Drogennutzende ausgesetzt seien. Berichte von Betroffenen zeigten klar auf, dass jegliche Form der Diskriminierung beseitigt werden muss. "Nur wenn die Menschenrechte der Betroffenen geschützt werden, erhalten sie auch Zugang zu HIV-Präventions- und Behandlungsdiensten", so Berner-Rodoreda. "Dabei müssen die gefährdeten Gruppen selbst zu Wort kommen."

www.aids2012.org

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