pro wildlifeMünchen. - Zollbehörden in Malaysia haben in dieser Woche rund 1.500 Stoßzähne von Elefanten beschlagnahmt. Selten wurde bislang mehr Elfenbein auf einen Schlag entdeckt. Mit diesem Negativ-Rekord geht eines der schlimmsten Jahre für Elefanten seit dem Höhepunkt der Wilderei-Krise in den siebziger Jahren zu Ende. Schätzungen von Pro Wildlife zufolge werden derzeit jährlich mehr als 30.000 Elefanten Opfer von Wilderern.

Die in Containern mit Tropenholz versteckten Stoßzähne wurden aus dem westafrikanischen Togo über Spanien nach Malaysia verschifft und waren für den chinesischen Markt bestimmt. "Mehr als 750 Elefanten haben Wilderer allein für diese Lieferung abgeschlachtet –  das sind viele, viele Herden. Vermutlich haben die Massaker in Zentral- oder Ostafrika stattgefunden, denn in Togo selbst leben fast keine Elefanten. Das Land ist aber ein beliebter Umschlagplatz für illegale Wildtierprodukte", sagte Daniela Freyer, Elefantenexpertin von Pro Wildlife.

Pro Wildlifes Partnerorganisation LAGA hat jetzt ein Projekt in Togo gestartet, mit dem Artenschutzkriminalität zukünftig besser geahndet werden soll. Auf dem chinesischen Markt hätten die Stoßzähne etwa 15 Millionen Euro erzielt. "1989 wurde der Handel mit Elfenbein verboten. Doch seither gab es zwei Ausnahmegenehmigungen. 2008 wurde legales Elfenbein nach China importiert. Das hat den Schwarzhandel dort angeheizt und die Wilderei in Afrika befeuert", so Daniela Freyer. "Elfenbein gilt in Asien mittlerweile als Anlageobjekt. In Afrika werden Bürgerkriege damit finanziert. Nur ein umfassendes Verbot und konsequente Strafen für Elfenbeinschmuggler können den blutigen Handel stoppen".
 
Der Elfenbeinhandel steht auch auf der politischen Agenda: Trotz der Eskalation der Wilderei soll auf der 16. Tagung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (englisch CITES) im März 2013 über einen "Entscheidungsmechanismus" für die Freigabe zukünftiger Elfenbeinverkäufe entschieden werden. Zudem hat Tansania beantragt, den Schutz seiner Elefanten zu lockern und 101 Tonnen Elfenbein zu verkaufen. "Tansania ist bereits jetzt eines der Zentren von Wilderei und illegalem Elfenbeinexport. Nicht auszudenken, wie es mit den Elefanten weitergeht, wenn Tansania nun legales Elfenbein auf den Markt werfen darf", warnte Freyer.
 
Erst im November 2012 seien in Hong Kong 1.330 Kilogramm Elfenbein aus Tansania aufgegriffen worden, berichtete Pro Wildlife. Im August sei in Vietnam eine aus Mosambik stammende Lieferung mit 2.400 Kilogramm Elfenbein beschlagnahmt worden, im Mai 1.500 Kilo aus Kenia in Sri Lanka. Der Fund am Dienstag in Malaysia von 1500 Stoßzähnen mit einem noch unbekannten Gewicht von vielen Tonnen übertrifft diese großen Schmuggelsendungen bei weitem.

Die Elfenbeinwilderei halbierte Afrikas Elefantenbestände nach Angaben von Pro Wildlife zwischen 1979 und 1989 von etwa 1,2 Millionen auf 600.000. Nachdem das Washingtoner Artenschutzübereinkommen 1989 ein Verbot des internationalen Elfenbeinhandels beschlossen hatte, ging die Wilderei deutlich zurück. Doch bereits acht Jahre später genehmigte das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA) den Abverkauf von 50 Tonnen Elfenbein aus dem südlichen Afrika nach Japan. Im Jahr 2008 wurden erneut 108 Tonnen nach Japan und diesmal auch nach China verkauft. In China ist seither der illegale Handel mit Stoßzähnen dramatisch angestiegen, weil eine Unterscheidung zwischen legalem und illegalem Elfenbein nicht möglich ist.

www.prowildlife.de


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