dedBerlin. - Scharfe Kritik  an der "massiv betriebenen Kommerzialisierung der deutschen Entwicklungspolitik" von FDP-Bundesminister Dirk Niebel haben die Organisatoren eines Treffens geübt, zu dem sich mehr als 750 ehemalige Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer am Wochenende am Werbellinsee versammelt hatten. Die ehemaligen Angehörigen des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) feierten das 50jährige Gründungsjahr "ihres" DED - obwohl es diesen seit zweieinhalb Jahren nicht mehr gibt.

Der DED-Freundeskreis, neben der Berliner Initiative ded50 einer der beiden Organisatoren des Treffens in Werbellin, erklärte: "Niebel und das von ihm geführte Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) verbiegt die Entwicklungspolitik mit ihrem solidarischen Auftrag und funktioniert sie zur Außenwirtschaftspolitik um."

So habe die Ende 2010 neu gegründete Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) auf Weisung des BMZ viele erfolgreiche Bereiche der DED-Arbeit gestrichen. Die GIZ praktiziere, wie die frühere GTZ, ihren sogenannten "Top-down-Beratungsansatz": Entwicklung werde per Weisung "von oben nach unten" dekretiert. Die GIZ messe ihren Erfolg in erster Linie an der Steigerung ihres Umsatzes ("Auftragsgeschäft"). Der kleinteilige und kleinvolumige Arbeitsansatz des DED, demzufolge sich Entwicklung "von unten nach oben" vollzieht, werde hingegen als "Gutmenschentum" denunziert. Der DED-Arbeitsansatz "von unten nach oben" habe in der GIZ keinen Platz mehr: Entwicklungsprogramme, die nicht GIZ-konform seien, würden konsequent gestrichen.

Der DED-Freundeskreis kritisiert auch, dass das mit BMZ-Finanzierung erst 2008 begonnene "weltwärts"-Programm, das jungen Menschen zwischen 18 und 28 die Möglichkeit eines einjährigen Arbeitsaufenthalts in einem Land der Dritten Welt bietet, innerhalb der GIZ nicht mehr fortgeführt werde. Die frühere Möglichkeit, Entwicklungshelferinnen und -helfer aus Partnerländern in Projekten, die im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) unterstützt werden, mitarbeiten zu lassen, sei genauso gestrichen worden wie das Nachwuchsförderungsprogramm des DED.

Der DED-Freundeskreis weist darauf hin, dass die Zahl der für die GIZ tätigen Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer (EH) stark rückläufig sei. Grund dafür sei unter anderem, dass EH-Arbeitsplätze heute durch exorbitant hohe Verwaltungskosten belastet würden und entsprechend teurer geworden seien.

Entwicklungsminister Niebel habe den DED Ende 2010 mit fadenscheinigen Einsparungsargumenten zerschlagen und die Reste in die neu gegründete Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) überführt – ungeachtet der Tatsache, dass der DED "fast fünf Jahrzehnte für seine Arbeit überall große Anerkennung" gefunden habe, so der Freundeskreis. Die DED-Entwicklungshelfer und -helferinnen "leisteten Hilfe zur Selbsthilfe" und brachten, so der Freundeskreis, "ihre interkulturellen Erfahrungen in Deutschland ein".

In den fast 50 Jahren seines Bestehens hatte der DED mehr als 16.000 Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer in Partnerländer entsandt. Durch die Vereinnahmung des DED durch die GIZ habe der DED in den Augen vieler aktiver und ehemaliger Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer, so der frühere DED-Geschäftsführer Willi Erl, "seine Identität verloren". Deutschland habe "eine Chance vertan, qualifizierten und engagierten Menschen die Möglichkeit zu geben, sich in einer zunehmend globalisierten Welt für gerechtere Strukturen zu engagieren und internationale Kompetenz zu erwerben". Sehr viele frühere DED-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter seien sich einig: "Im Unternehmen GIZ kann ein EntwicklungsDienst nicht überleben."

Der DED-Freundeskreis erinnerte daran, dass der amerikanische Präsident John F. Kennedy vor 50 Jahren, am 24. Juni 1963, nach Bonn gekommen sei, um zusammen mit Bundespräsident Heinrich Lübke und Bundeskanzler Konrad Adenauer den DED aus der Taufe zu heben. Das Motto sei von Anfang an "Lernen und Helfen in Übersee" gewesen. Dieser Kerngedanke der personellen Entwicklungsdienste habe in einer Organisation wie der GIZ "weder strukturell noch ideell eine Chance".

Ein Appell zur Gründung eines neuen zivilgesellschaftlich getragenen Entwicklungsdienstes, der auf dem "DED-Geburtstagstreffen" in Werbellin vorgestellt wurde, ist auf der Website des DED-Freundeskreises abrufbar.

www.ded-freundeskreis.de

 


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