gfbvGöttingen. - Im Westen des Sudan droht eine Flüchtlingstragödie, wenn die internationale Gemeinschaft ihre humanitäre Hilfe und den Schutz der Zivilbevölkerung nicht verstärkt, warnte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Mittwoch in Göttingen. "In den vergangenen zehn Jahren des Darfur-Konflikts ging es den Flüchtlingen noch nie so schlecht wie heute", kritisierte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius.

In vielen Lagern fehlt es der GfbV zufolge an Zelten, Nahrungsmitteln, Trinkwasser und Medikamenten, da immer neue Flüchtlinge dort Zuflucht suchen. Allein in der vergangenen Woche hätten 17.000 Menschen vor Kämpfen in der Region East Jebel Marra (Nord-Darfur) die Flucht ergriffen. Seit Januar 2013 seien bereits mehr als 350.000 Darfuris vor der eskalierenden Gewalt im Westen des Sudan geflohen, 50.000 suchten im Nachbarland Tschad Sicherheit.

"Dringend muss die UNAMID-Friedenstruppe der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union ihre Patrouillen in und außerhalb der Flüchtlingscamps wieder aufnehmen, um den hilflosen Flüchtlingen Schutz zu bieten", forderte Delius. Denn auch in den Lagern komme es zu immer mehr Übergriffen und Vergewaltigungen, so dass viele Zivilisten nicht in den Camps bleiben, sondern weiterfliehen. Dies sei bei einsetzender Regenzeit aber lebensgefährlich, denn nirgendwo gebe es Vorbereitungen, so viele neue Flüchtlinge aufzunehmen.

"Die UNAMID wurde ausdrücklich mit dem Schutz der Zivilbevölkerung beauftragt", sagte Delius. "Nun muss sie dieses Mandat auch ernst nehmen und wenigstens in den Lagern Sicherheit garantieren." Die UNAMID rechtfertige die Einstellung der Patrouillen mit Engpässen bei Fahrzeugen und Treibstoff. "Das ist ein Armutszeugnis für eine der teuersten und größten Friedensmissionen in der Geschichte der Vereinten Nationen."

Darfur sei heute ein vergessener Konflikt, nachdem der Völkermord jahrelang die Schlagzeilen der Weltpresse bestimmte, konstatierte die GfbV. Die Darfuris müssten vor inter-ethnischen Auseinandersetzungen ebenso fliehen wie vor Kämpfen zwischen sudanesischer Armee und Freiheitsbewegungen und vor Luftangriffen der sudanesischen Luftwaffe. "Die anhaltende Bombardierung der geschwächten Zivilbevölkerung in der Region Jebel Marra ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das von der internationalen Gemeinschaft nicht tatenlos hingenommen werden darf", erklärte Delius. Denn mit den Bombardements werde auch die Lebensgrundlage der Zivilbevölkerung zerstört. Die Luftangriffe dezimierten die Viehherden, die das Rückgrat der traditionellen Wirtschaft in der Region bilden. 

Rund 1,7 Millionen Menschen, so die GfbV, leben als Binnenflüchtlinge im Westen des Sudan. 300.000 Darfuris haben im benachbarten Tschad Zuflucht gesucht.

www.gfbv.de

 


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