ifc iconBerlin. - Es vergeht kaum ein Tag, ohne daß sich die Presse mit dem Thema Frauen in der Privatwirtschaft auseinandersetzt. Öffentliche und privatwirtschaftliche Organisationen in entwickelten und Entwicklungsländern bringen innovative Initiativen hervor, aber nicht nur weil es richtig ist, sondern auch weil die Förderung von Unternehmerinnen gut für die Ökonomie und gut fürs Geschäft ist. Und dies kulturellen und behördlichen Hindernissen zum Trotz. Carmen Niethammer, Gender-Beraterin bei Odebrecht S.A. in Brasilien und Gender Advisor der International Finance Corporation (IFC), einer Weltbank-Tochter, stellt einige Methoden vor, die maßgeblich zur Beschäftigung von Frauen, Geschäftseinnahmen und ökonomischem Wachstum beitragen können.

Die Zahl der Unternehmen von Frauen wächst in einem höheren Maße als die von Männern - mit keinerlei Hinweis darauf, dass Unternehmen von Frauen schneller scheitern. International vergleichbare Zahlen über weibliches Unternehmertum in OECD Ländern zeigen, dass die "Geburtsraten" von Unternehmen von Frauen höher sind als die von Männern. Klein- und mittelständische Unternehmen von Frauen stellen einen beachtlichen Anteil an der Beschäftigungsrate und am Wachstumspotenzial dar: Geschätzte 31-38 % (8-10 Millionen) der klein- und mittelständischen Unternehmen in Entwicklungsländern.

DER BESCHÄFTIGUNGSFAKTOR

Unternehmen von Frauen tragen maßgeblich zu Entwicklung jenseits von Unternehmenswachstum und Umsatzzahlen bei. In Indien fand die Agentur für kleinste, kleine und mittlere Unternehmen heraus dass, wenn man ähnliche Unternehmen von Frauen und Männern vergleicht, Unternehmen von Frauen mehr Menschen beschäftigen. Forbes zufolge werden Unternehmen von Frauen bis 2018  mehr als die Hälfte der neuen Jobs im US Sektor der klein- und mittelständischen Unternehmen schaffen. Neue Studien in Schottland belegen auch, dass von Frauen geführte Unternehmen maßgeblich zur Schottischen Wirtschaft beitragen.

Wenn die Anzahl der von Frauen geführten Unternehmen der von Männern entsprechend würde, würde nach Ansicht des Enterprise Research Centre der Beitrag zum Schottischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Basispreis um 7.6 bis zu 13 Milliarden BIP ansteigen, was einem Equivalent von 5,3 % des Schottischen Wachstums entspricht. Auf der anderen Seite schätzte der IWF die Verluste des BIP pro Kopf auf bis zu 27 % in bestimmten Regionen, welche der Kluft zwischen den Geschlechtern auf dem Arbeitsmarkt zurechenbar sind. Wenn das allgemeine Beschäftigungsniveau der Frauen dem der Männer entsprechen würde, könnte das BIP in Ägypten um so viel wie 34 %, in Japan um 9 %, in Südafrika um 10 % und in den Vereinigten Arabischen Emiraten um 12 % ansteigen.

DAS SCHLIESSEN DES GESCHLECHTSSPEZIFISCHES LOHNGEFÄLLES

Unternehmerinnen führen den Zugang zu Finanzierung eher als die erste oder zweite Hürde bei der Entwicklung ihres Geschäftes an. Tatsächlich erhalten Firmen, die von Frauen gemanagt werden, weniger oft einen Kredit gegenüber denjenigen, die von Männern geführt werden. Frauen in jeder Region, vor allem in Entwicklungsländern haben weniger formalen Zugang zu einem Bankkonto als Männer bestätigt Global FINDEX, die bewerten, wie Menschen in 148 Ländern sparen, leihen, bezahlen und Risiken begegnen.

Ein vor kurzem veröffentlichter Bericht der IFC schätzt, dass das von Frauen insgesamt benötigte Finanzvolumen in Indien in 2012 allein 158 Milliarden US Dollar betrug, dass sie jedoch nur Zugang zu rund 42 Milliarden US Dollar von offiziellen Kreditgebern hatten. Goldman Sachs bestätigt, dass das BIP pro Kopf um 12% in BRIC Ländern und 11 anderen Schwellenländern mit hohem Wachstumspotenzial in den kommenden Dekaden wachsen könnte, wenn diese Kreditkluft für weibliche Geschäftsinhaber geschlossen würde.

GESCHÄFTSFRAUEN AKTIV FINANZIEREN

In den letzten zehn Jahren ist unter kommerziellen Banken sowohl in entwickelten als auch Entwicklungsmärkten die zunehmende Erkenntnis gewachsen, dass es profitabel ist Frauenmärkte anzusteuern. Zum Beispiel hat die Banque Libanaise pour le Commerce (BLC) 2012 ihre Initiative zur Stärkung der Frauen ins Leben gerufen und bietet eine Bandbreite an Dienstleistungen speziell für frauengeführte Unternehmen an. Die Initiative, die neben Krediten auch Nicht-Finanzdienstleistungen wie zum Beispiel geeignete Webseiten anbietet, die es Unternehmerinnen ermöglichen professionelle Herausforderungen zu meistern sowie juristischen Rat einzuholen, macht es den Unternehmen von Frauen leichter zu expandieren, indem sie ihnen Zugang zu dem benötigten Kapital ermöglicht.

Die Initiative zeigt bereits vielversprechende Resultate: In einem Jahr hat die BLC die Anzahl an Krediten für klein- und mittelständische Unternehmerinnen um 55 % und die Anzahl an Sparkonten von Frauen um 17 % erhöht. In Brasilien hat die größte nicht staatliche Bank (laut Marktpreis) 2013 ein Programm für Unternehmerinnen aufgelegt. Mit 50 % Frauenanteil unter den 40 Millionen Itaú Kunden und mindestens einer Anteilseignerin in jedem zweiten klein- und mittelständischen Unternehmen, das durch die Bank bedient wird, sieht Itaú in diesem Programm einen starken Geschäftsvorschlag.

Sowohl BLC wie Itaú sind Mitglieder der Global Banking Alliance for Women (GBA), einer Organisation von Finanzinstitutionen bestehend aus 39 Mitgliedern, die 135 Länder umfassen, die das Fallbeispiel zu 'banking on women' beachten. Durch technische Hilfe und Expertenlernen dient die GBA als weltweite Zentrale für vorbildliche Praxis. Sie tritt auch für mehr Bewusstsein für die wesentliche ökonomische Bedeutung von Frauen ein, die als Unternehmerinnen Arbeitsplätze schaffen.

INITIATIVEN DER PRIVATWIRTSCHAFT FÜR FRAUEN

Unternehmen der Privatwirtschaft haben ebenfalls begonnen, Firmen von Frauen als Teil ihrer Bemühungen um vielfältige Versorgungswege zu verstehen und neue Märkte für diese Unternehmen zu eröffnen. WEConnect zufolge, einer NGO, die Chancen für Unternehmen von Frauen in den globalen Wertschöpfungsketten erhöht, existiert ein gutes Fallbeispiel für diese Praxis: Firmen, die ihr Interesse besonders auf ihre Versorgervielfalt richten, erzielen im Bereich von Beschaffungsinvestitionen 133% mehr Umsatz als typische Geschäfte.

Die Untersuchung des US Women's Business Enterprise National Council bestätigte, dass die Loyalität der Konsumenten zu einer Marke verstärkt werden kann durch das Bekenntnis einer Firma bei Unternehmen von Frauen einzukaufen. Das ist insbesondere wichtig für Unternehmen in den Vereinigten Staaten, in denen 51% des persönlichen Wohlstandes von Frauen gehalten und 83% der Kosumentenentscheidungen von Frauen getroffen werden. Über 80 % der US Großkonzerne verlangen nun Versorgervielfalt von ihren tier one und tier two Versorgern.

Wissend, dass sechs von zehn der am schnellsten wachsenden Märkte der Welt in Afrika zu finden sind, hat die Firma Coca-Cola ein Programm geschaffen, das Frauen als Herzstück ihrer Geschäftsstrategie versteht. Die innovative Initiative "5by20” zielt darauf, bis 2020 weltweit fünf Millionen Unternehmerinnen in die Wertschöpfungskette von Coca-Cola einzubeziehen (Obstbauern, Großhändler, Einzelhändler und Konsumenten).

Coca-Cola, die mit NGOs zusammenarbeiten, versehen diese Frauen mit speziellen Ausbildungen, um deren geschäftlichen Fähigkeiten auszubauen und verschaffen ihnen Zugang zu Mentoren. Um die Zugangsprobleme von Frauen zu Finanzierungen anzugehen, haben Coca-Cola und die IFC eine gemeinsame dreijährige Initiative von über 100 Millionen US-Dollar für Tausende von Geschäftsfrauen in Afrika gestartet (angefangen mit Access Bank in Nigeria, die seit 2006 erfolgreich auf Frauen setzt).

WIE REGIERUNGEN DEN UNTERSCHIED MACHEN KÖNNEN

Während der Privatsektor die größte Quelle für die Schaffung von Arbeitsplätzen darstellt, haben auch Regierungen eine Schlüsselrolle in der Förderung von Frauen als Unternehmerinnen einzunehmen. Heute haben nur 15 von 143 Ökonomien gleiche Rechte für Frauen und Männer in Schlüsselbereichen wie z.B. der Eröffnung eines Bankkontos, das Annehmen einer Stelle ohne erforderliche Zustimmung des Ehemannes, das Besitzen und Verwalten von Eigentum geschaffen. Dort, wo die Gesetzgebung geschlechtsneutral gehalten ist, können Regierungen helfen sicherzustellen, dass Nicht-Diskriminierung praktiziert wird, gerade auch in Zeiten der Rezession, in denen Zurückziehung oder ein Mangel an Durchsetzung auftreten können.

Weltweit haben nur die Regierungen der USA und Südafrikas eine Gesetzgebung zur Versorgervielfalt, die sich speziell auf die Unternehmen von Frauen konzentrieren. Indien ist eine der wenigen Regierungen, die im Handelsregister eingetragene Firmen auffordern offenzulegen, ob sie von Frauen geführt werden.

Dem IWF zufolge ist der andere Bereich, in dem Regierungen einen großen Unterschied machen können, die Steuerordnung, indem sie die Steuerlast für den Zweitverdiener (vornehmlich Frauen) durch individuelle Besteuerung statt Familienbesteuerung mindern.

Heute gibt es zunehmend Beispiele aus privaten und öffentlichen Bereichen, die erfolgreich zusammenarbeiten, um Firmen von Frauen zu fördern: Initiativen für Geschäftsfrauen zum Kapazitätsaufbau; die Anbindung von Firmen an Finanzierung und Märkte; die Einführung von alternativen behördlichen Sicherheitsanforderungen; oder der Aufbau von Systemen, die Bonitätsgeschichten sammeln und verzeichnen, die es erleichtern an Frauen zu verleihen.

Das Unternehmertum von Frauen wird zunehmend sowohl für die Wirtschaft als auch für die Entwicklung eine Rolle spielen. Während sich Frauen immer noch Hindernissen beim Aufbau und der Erweiterung ihrer Firmen ausgesetzt sehen, ist die gute Nachricht, dass es inzwischen zahlreiche dokumentierte Beispiele für erfolgreiche Ansätze gibt, wie man den Zugang von Frauen zu Finanzierung, Ausbildung und Märkten und wie man weltweit die Verbreitung von guter Praxis fördern kann. Aufbauend auf dieser guten Praxis, haben sowohl der private als auch der öffentliche Bereich eine Gelegenheit zur Zusammenarbeit, um diese Initiativen zu  fördern und den Einfluss zu erhöhen.

Dieser Artikel wurde zum ersten Mal in BEPA (Monthly Brief of the Bureau of European Policy Advisors) in Englischer Sprache publiziert (Issue 72, March 2014, pages 4-5).

Carmen Niethammer ist Expertin für Gleichberechtigung bei der International Finance Corporation (IFC) der Weltbank Gruppe. Derzeit arbeitet sie als Gender Advisor bei Odebrecht S.A., "a Brazilian conglomerate consisting of diversified businesses in construction, chemicals & petrochemicals, bioenergy, real estate, and more." On secondment from IFC and based out of São Paulo, Carmen advises Odebrecht on the development and expansion of women-targeted programs.

Die in dem Artikel geschilderten Ansichten geben nicht notwendigerweise die Ansichten der Weltbank Gruppe und von Entwicklungspolitik Online wider.

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