venro 200Berlin. - Das Jahr 2015 ist nach Angaben des Verbands Entwicklungspolitik und humanitäre Hilfe deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) entscheidend für die zukünftige Entwicklungspolitik. Die Millenniumsentwicklungsziele (MDG) laufen aus und sollen im September durch neue globale Entwicklungs-und Nachhaltigkeitsziele (SDG) ersetzt werden. Deutschland hat die G7 Präsidentschaft inne. Und im Dezember findet die Klimakonferenz in Paris statt. Das sind nur drei der Veranstaltungen, die laut VENRO das Jahr 2015 zu einer großen Chance machen, "um zukunftsfähige Antworten auf die globalen Herausforderungen" wie Klimawandel, Hunger und menschenwürdige Arbeit zu finden. Das hat die stellvertretende Vorsitzende des Verbandes, Renate Bähr am Montag in Berlin erklärt.

Ein wichtiger Meilenstein für VENRO ist der G7 Gipfel, bei dem neben Fragen der Weltwirtschaft, der Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik auch über die 2015 anstehenden UN-Konferenzen zum internationalen Klimaschutz und zur Post 2015-Agenda gesprochen wird. VENRO erhofft sich, dass die Punkte, die in der Zukunftscharta genannt werden Gehör finden. Besonders wichtig sind dem Verband auch die Themen Handels-und Lieferketten, sowie Empowerment von Frauen. "Da haben wir bisher nicht so viel gesehen", sagte Bähr.

Bezüglich der Sustainable Development Goals erwartet VENRO eine "grundlegende Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft hin zu Nachhaltigkeit und globaler Gerechtigkeit. Mithilfe der SDG muss auf die auf Wachstum ausgerichtete Wirtschaft auf einer vorsorgeorientierte, auf Effizienz und Suffizienz gerichtete Wirtschaftsweise umgestellt werden", heißt es in dem VENRO-Positionspapier "Auf dem Weg zu neuen globalen Entwicklungszielen".

Deswegen müssten die neuen Ziele auch auf Menschenrechten basieren und globale Gerechtigkeit, genauso wie Ungerechtigkeit innerhalb und zwischen Staaten angehen, sagte Claus Körting von VENRO.

Das aktuelle Dokument der Open Working Group Sustainable Development wird von VENRO unterstützt, allerdings dürfe die tatsächliche post-2015-Agenda, die im September verabschiedet wird, nicht schlechter werden als aktuell angedacht. Besonders in Fragen der Finanzierung von Entwicklung und kontroversen Themen wie reproduktive Rechte erwartet Renate Bähr "noch einen harten Kampf".

Die alten Millenniumsentwicklungsziele waren noch auf Armutsbekämpfung fokussiert, die neue Agenda soll dagegen Nachhaltigkeit und globale Gerechtigkeit fördern. Dabei sollen alle Staaten gemeinsame, aber unterschiedliche Verantwortung tragen. Mit diesem Ansatz werden dann auch die Industriestaaten angesprochen. „Auch Deutschland ist ein Entwicklungsland. Wir müssen unser Konsumverhalten und unseren Ressourcenverbrauch ändern,“ so Körting.

VENRO macht es sich zur Aufgabe diesen Paradigmenwechsel in die Öffentlichkeit zu tragen. Während des G7 Gipfels soll wahrscheinlich eine Veranstaltung des zuvor genutzen Formats "Music & Message" stattfinden. Die zweite Jahreshälfte soll vor allem der Klimakonferenz in Paris gewidmet werden. 

VENRO hat in einem Positionspapier "Acht Kernpunkte einer neuen globalen Entwicklungs-und Nachhaltigkeitsagenda für die Zeit nach 2015" die wichtigsten Themenfelder zusammengefasst:

  1. Überwindung extremer Armut und Bekämpfung von Ungleichheit
  2. Gerechtigkeit und menschenwürdiges Leben für alle
  3. Funktionsfähige Ökosysteme und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen
  4. Bekämpfung des Hungers und Ernährungssouveränität
  5. Verantwortungsvolle Regierungsführung und Global Governance verankern
  6. Frieden und menschliche Sicherheit
  7. Nachhaltiges Wirtschaften
  8. Gerechte Umsetzung – ausreichende Entwicklungs-und Nachhaltigkeitsfinanzierung sichern und innovative Finanzierung schaffen

Weitere wichtige entwicklungspolitische Termine im Jahr 2015


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