Konfliktregionen in Uganda (c) UNOFriedrichsdorf/Kampala (epo). - Die Kinderhilfsorganisation World Vision hat mit finanzieller Unterstützung des Amtes der Humanitären Hilfe der Europäischen Union (ECHO) im Norden Ugandas ein neues Kinderschutzprogramm aufgebaut. Es soll in den nächsten neun Monaten mehr als 23.000 Kindern und Heranwachsenden zugute kommen und kostet rund 600.000 Euro. Unter anderem werden Bildungsmaßnahmen für Betreuer, Häuser für ehemalige Kindersoldatinnen sowie Ausbildungsprogramme in Hauswirtschaft und in handwerklichen Berufen finanziert.

Nach Einschätzung von internationalen Beobachtern geht der fast zwanzigjährige Bürgerkrieg im Norden Ugandas dem Ende zu. Gegen die Generäle der Widerstandsarmee des Herrn (Lord's Resistance Army, LRA) und deren Anführer Joseph Kony hatte der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag (ICC) unlängst Haftbefehle erlassen. Bei der Festnahme der LRA-Spitze hofft der ICC auf die Zusammenarbeit mit den Regierungen von Uganda, Kongo und des Sudan.

UN-Vermittler Lars Erik Skaansar, der vom nördlichen Gulu aus operiert, erklärte nach Angaben von World Vision: "Wenn diese Männer festgenommen worden sind, zerfällt auch die Struktur ihrer Armee. Anfang 2006 sind Wahlen in Uganda. Bis dahin will der Präsident, dass der Spuk vorbei ist. Er wird versuchen, die Nachbarländer davon zu überzeugen, sich kooperativ zu verhalten."

Michael Oruni, Chef des World Vision Rehabilitationszentrums für ehemalige Kindersoldaten in Gulu, sieht zwar Hoffnung für Hunderte von Kindersoldaten, die zum Teil bereits vor Jahren von der LRA in den Busch verleppt wurden, ist aber über die derzeitige Situation beunruhigt: "Auch wir hoffen, dass der Krieg bald vorbei ist, aber im Moment lassen die Haftbefehle uns und viele andere Hilfswerke im unklaren, wie die Rebellen darauf reagieren werden. Werden sie versuchen Rache zu nehmen? Sind unsere Leben noch mehr gefährdet als vorher?"

Immer wieder gibt es World Vision zufolge Angriffe auf Hilfsorganisationen. In der vergangenen Woche seien zwei lokale Nothelfer von Heckenschützen getötet und weitere Mitarbeiter schwer verletzt worden. Die UNO warne die internationalen Hilfswerke, sich nicht aus Gulu herauszubewegen.

Trotz der möglichen Gefahr stellen Michael Oruni und sein Team ihre Arbeit nicht ein. Die neue Herausforderung lautet: die ehemaligen Kindersoldaten nachhaltig in die Gesellschaft zu integrieren.

Für die so genannten "Night Commuters" (Nachtwanderer), die aus Angst vor Verschleppung in der Nacht Schutz suchen, wurden im Rahmen des World Vision Kinderschutzprogramms Lern- und Leseräume eingerichtet. "Ganz spannend sind auch unsere lokalen Radioprogramme, wo ehemalige Kindersoldaten den Menschen in der Region über ihr Schicksal berichten können. Augenblicklich sind es Talkshows, zu denen Gemeindevertreter eingeladen werden", erklärte Bettina Bäsch von World Vision, die das ECHO/World Vision-Programm leitet. "Ehemalige Kindersoldaten sprechen über ihre Erfahrungen, Anrufer können zu den Schilderungen Stellung beziehen."

Auf diese Weise würden die ersten Berührungsängste genommen", so Bäsch. Denn meist werden die Jungen und Mädchen nicht als Opfer, sondern als Täter angesehen.

Laut UNICEF hat der Bürgerkrieg im Norden Ugandas zu der Entführung von über 25.000 Kindern geführt. Mehr als 1,8 Millionen Menschen - 90 Prozent der Bevölkerung - sind von ihrem Land vertrieben worden und befinden sich auf der Flucht. "Auch wenn der Krieg bald vorbei sein sollte, für uns geht die Arbeit weiter. 20 Jahre Terror und Gewalt, man kann nur ahnen, was das aus den Menschen hier hat werden lassen", sagte Bäsch.
 
WORLD VISION Deutschland


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