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Amman. - Zwei Drittel der syrischen Flüchtlinge in Jordaniens Städten lebt mittlerweile unterhalb der Armutsgrenze. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Hilfsorganisation CARE, die auf einer Umfrage von rund 6.500 städtischen Flüchtlingen basiert.

"Viereinhalb Jahre nach Beginn der Syrien-Krise dreht sich die Armutsspirale immer schneller und weiter nach unten", erklärte CARE-Generalsekretär Karl-Otto Zentel. "Finanzielle Rücklagen sind aufgebraucht, und internationale Hilfsgelder werden immer weiter gekürzt."

Laut der Studie gab die Hälfte aller befragten Flüchtlinge an, dass sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr weiter verschlechtert habe. Acht von zehn Familien können nicht ausreichend Geld für die Miete einer Unterkunft aufbringen, während mehr als die Hälfte der Flüchtlinge sich sorgt, nicht genug Nahrungsmittel kaufen zu können. Vor allem die Kürzung der Lebensmittelgutscheine des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen hat die Flüchtlinge stark getroffen.

"Familien berichten uns, dass sie Schulden aufnehmen müssen, um ihre Kinder zu ernähren. Andere essen nur noch einmal am Tag oder verkaufen das wenige Hab und Gut, das ihnen geblieben ist. Vor allem am Ende des Monats müssen viele Familien von dem leben, was Nachbarn ihnen schenken."

Die Studie ergab zudem, dass Kinderarbeit und Verheiratung von jungen Mädchen durch die Notsituation gestiegen sind. Etwa ein Drittel der schulpflichtigen syrischen Kinder geht nicht zur Schule, viele, weil sich die Eltern den Schulbus, Bücher und Schulmaterialien nicht leisten können oder weil die Kinder, besonders Jungen, arbeiten müssen.

"Vor allem alleinerziehende Mütter wissen sich nicht mehr anders auszuhelfen, als ihre Kinder zum Arbeiten auf die Straße zu schicken", so Zentel. "Es ist ein fast unmöglicher Spagat für sie, sich um ihre Kinder zu kümmern und gleichzeitig das Einkommen der Familien zu bestreiten."

Mehr als die Hälfte aller befragten Familien gab an, dass die anhaltende Notsituation sowie stark belastende Erinnerungen an Vertreibung und Gewalt zu hohem psychosozialen Stress führten. "Die Flüchtlinge können bei dem anhaltenden Kampf ums Überleben nicht zur Ruhe kommen, sie können ihre unsichtbaren Wunden nicht heilen und sorgen sich weiterhin um Freunde und Familienangehörige, die noch in Syrien sind", sagte Zentel. "Die internationale Gemeinschaft muss dringend längerfristige und nachhaltige Lösungen für die vertriebenen Menschen finden und finanzieren, damit sie sich wieder eine Existenz aufbauen können."

Foto: CARE/Mary Kate MacIsaac

Quelle: www.care.de 


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