jacobs uni bremen logoBremen. - Jährlich werden weltweit rund 120 Milliarden Euro öffentliche Gelder in die Entwicklungszusammenarbeit investiert. Doch Armut bleibt und die Fortschritte in den Zielregionen sind oft anders, als von der internationalen Gemeinschaft erhofft. Ein Grund könnte sein, dass ländliche Regionen und die lokale Bevölkerung nicht in die Prozesse einbezogen werden – obwohl sie Adressaten der Bemühungen sind. Den konkreten Zusammenhängen wollen Prof. Dr. Unger von der Jacobs University Bremen und Prof. Dr. Frey von der Universität der Bundeswehr München mit ihrem interdisziplinären Team auf den Grund gehen.

Gestartet wurde das Projekt in Bremen mit einem Auftaktworkshop. Das Forschungsvorhaben wird von der VolkswagenStiftung in ihrem Förderprogramm "Offen für Außergewöhnliches" mit rund 540.700 Euro für einen Zeitraum von drei Jahren unterstützt. Als unabhängige Institution fördert die VolkswagenStiftung junge und zukunftsweisende Forschungsfelder mit globalem Bezug.

Entwicklungszusammenarbeit wird vielfach mit einem Fokus auf Industrialisierung und Urbanisierung betrachtet. Landwirtschaftliche Themen und die Perspektive der ländlichen Bevölkerung finden in der alltäglichen Praxis sowie in Analysen der internationalen Organisationen und wissenschaftlichen Instituten häufig weniger Berücksichtigung. Dies sei erstaunlich, so die Forscher, da die Menschen in ländlichen Regionen direkt von entwicklungspolitischen Maßnahmen betroffen sind – von ihnen profitieren, sie akzeptieren und mittragen sollten.

Das internationale Team aus Historikerinnen, Kultur- und Sozialwissenschaftlerinnen um Prof. Dr. Unger und Prof. Dr. Frey will die entwicklungspolitische Geschichte neu betrachten, um die internationale Zusammenarbeit besser verstehen zu können. Das Besondere daran ist, dass die Stimme der ländlichen Bevölkerung gleichberechtigt zu der von internationalen Akteuren aus Politik und Wirtschaft einfließt.

"Dadurch werden wertvolle Eindrücke, Erfahrungswissen und Perspektiven aus dem Alltag vor Ort einbezogen und nicht nur zentrale, staatliche Strukturen und die Themen der Elite in den Blick genommen. Internationale Zusammenarbeit sowie ländliche Entwicklung müssen auch aus Sicht der Betroffenen gedacht werden – sie müssen in die Gestaltung ihres Lebensumfeldes einbezogen werden," erklärt Corinna Unger, Professorin für Moderne Europäische Geschichte an der Jacobs University in Bremen. "Wir wollen einen Beitrag leisten, wie internationale Zusammenarbeit mit mehr Wirksamkeit gestaltet werden kann."

Die VolkswagenStiftung ist die größte private Wissenschaftsförderin in Deutschland – über 30.000 Projekte wurden seit 1962 mit rund 4,2 Milliarden Euro unterstützt. Mit dem Fördervolumen von etwa 150 Millionen Euro jährlich werden wissenschaftliche Einrichtungen mit dem Ziel gefördert, Wissenschaft und Technik in Forschung sowie Lehre in zukunftsweisenden und globalen Bereichen zu ermöglichen.

Das Zusammenspiel unterschiedlicher sozialer Gruppen, die an entwicklungspolitischen Prozessen beteiligt sind, steht im Fokus des neuen Forschungsprojektes. Insbesondere Kommunikation und gegenseitige Wahrnehmung von internationalen Organisationen wie der Weltbank und anderen globalen Politik und Wirtschaftsakteuren einerseits sowie der lokalen Bevölkerung mit persönlichen Erfahrungen und Alltagswissen andererseits werden betrachtet.

=> Weitere Informationen: http://ruraldevelopment.user.jacobs-university.de

Quelle: www.jacobs-university.de 


Kommentare   

0 #1 Gerhard Karpiniec 2015-08-24 12:24
Ein aus meiner Sicht sehr interessanter Beitrag welcher noch mehr im Detail beleuchtet/erforscht werden sollte. Generell kann gesagt werden, Theoretiker schreiben für Theoretiker und wollen, oder nicht - das sich in der Praxis etwas ändert. Die Theorie in der EZA Arbeit, gibt vor, die Armut zum verschwinden bringen zu wollen.Wenn man mit Ökonomen spricht ist klar – wenn die die Allerärmsten “nur den Standard von Armut” haben, z.B. alle Familien können ihre Kinder ohne Probleme ernähren, aber noch nicht die Schulutensilien beschaffen. Bereits dann sagen Ökonomen beginnen die Rohstoffpreise zu steigen. Kurz - funktionierende EZA-Arbeit sind Unkontrollierbare Preissteigerungen in den reichen Ländern. Wird dies bei diesem Forschungsprojekt beachtet – bekommen wir zu diesem Aspekt auch ausführliche Informationen. Es besteht bereits der Verdacht (nicht Verschwörungstheorie) nicht optimal helfen, hält unseren Lebensstandart.
Gerhard Karpiniec
Laxenburg/Österr.
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