Sakhalin ?lprojekt. Foto: NROBerlin (epo). - Internationale Umweltorganisationen und Bewohner der Insel Sakhalin im russischen Osten sind enttäuscht von der Entscheidung der Osteuropabank (EBRD), die offizielle Konsultationsphase des Öl- und Gasprojekts Sakhalin II zu beginnen. Das Bank Management und der Verwaltungsrat hatten am Mittwoch trotz großer Umweltbedenken entschieden, die Konsultationsphase zu beginnen. Nun wird die Umweltverträglichkeitsstudie des Projektes veröffentlicht. Sie kann 120 Tage lang kommentiert werden.

"Damit setzt die Osteuropabank ihre Reputation auf Spiel", kommentierte Dimitry Lisitysn, Vorsitzender der lokalen Umweltorganisation Sakhalin Environmental Watch, die Entscheidung der EBRD. "Schlüsselprobleme des Projektes sind so schwerwiegend, dass sie nicht gelöst werden können und brechen die Umweltrichtlinien der Osteuropabank. Daran lässt sich auch in der Konsultationsphase nichts mehr ändern, die Bank hätte bei ihrer Einschätzung bleiben müssen, dass das Projekt unakzeptabel ist und sich davon trennen sollen. Mit ihrer jetzigen Entscheidung verlängert sie nur den Konflikt."

Das Sakhalin II Projekt ist nach Angaben der deutschen Umwelt-NRO "urgewald" deshalb so umstritten, weil es den Lebensraum der letzten 100 westlichen Grauwale bedroht, in dessen unmittelbarer Nähe eine Plattform gebaut werden soll. Ein vom Ölkonzern Shell geführtes Konsortium wolle zudem Pipelines bauen, die das Öl und Gas auf die Insel Sakhalin transportieren sollen. Die Pipelines bedrohten die reiche Tierwelt der Insel, allen voran die verschiedenen Lachsarten, die die Lebensgrundlage von mehr als 30% der Bevölkerung darstellen.

"Durch illegal begonnene Bauarbeiten an den Pipelines wurden bereits über 100 Flüsse beschädigt. Die indigene Bevölkerung von Sakhalin hat schon mehrmals laufende Bauarbeiten blockiert, da es bisher keine hinreichenden Pläne gibt, wie ihnen durch das Projekt entstehende Schäden vermieden, oder sie kompensiert werden können", so urgewald. Internationale Umweltorganisationen wie Greenpeace, WWF, Pacific Environment und urgewald fordern schon lange, dass das Projekt keine öffentliche Finanzierung erhalten solle.

Am Ende der Konsultationsphase wird der Verwaltungsrat der Osteuropabank über die Finanzierung von Sakhalin II entscheiden. "Grundsätzlich muss man sich fragen, warum die EBRD als öffentliche Bank ein solches Öl- und Gasprojekt fördern soll, schliesslich ist ihr Auftrag die Förderung der Demokratisierung im ehemaligen Ostblock. Ölprojekte sind der Demokratie hingegen selten zuträglich", sagte Regine Richter von der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald. "Man mag sich fragen, ob das Finanzministerium, das die Bundesregierung im Verwaltungsrat vertritt, das richtige Ministerium ist, um Umwelt- und Demokratieprobleme hinreichend zu berücksichtigen, Trotzdem erwarten wir von der Bundesregierung, dass sie den Umweltbedenken Rechnung trägt und sich gegen das Projekt ausspricht."

Interaktiver Fotoführer über die Umweltprobleme Sakhalin
urgewald


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