oxfamBerlin. - In der Region Diffa im westafrikanischen Niger droht eine ernste Nahrungsmittelkrise. Davor hat die internationale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam am Freitag in einem aktuellen Bericht gewarnt. Ein Grund ist die radikalislamische Gruppierung Boko Haram aus Nigeria, die auch auf der anderen Seite der Grenze in Niger operiert. Entscheidend sei jedoch der Ausnahmezustand, den die nigrische Regierung 2015 über die südöstliche Region Diffa verhängt hat. Seitdem sind die Haushaltseinkommen in der Region um bis zu neunzig Prozent eingebrochen.

Markus Nitschke, Referent für Krisen und Konflikte bei Oxfam Deutschland, erklärt: "Der Ausnahmezustand untergräbt die Lebensgrundlage der Menschen in Diffa. Er behindert das Wirtschaftsleben der gesamten Region. Deswegen breitet sich der Hunger immer weiter aus. Viele Menschen sind inzwischen von humanitärer Hilfe abhängig. Andere gehen erhebliche Risiken ein, damit ihre Familien überleben können. Zudem stellen die Menschen, die ihre angestammte Umgebung verlassen mussten, eine zusätzliche Belastung für diejenigen Dörfer dar, in denen sie Zuflucht gefunden haben. Der Preis, den die Bevölkerung für den Kampf gegen Boko Haram zahlt, ist zu hoch. Darum muss die Regierung den Ausnahmezustand lockern: Die Bevölkerung muss wieder in die Lage versetzt werden, ihren eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten."

GRENZÜBERSCHREITENDER HANDEL KOMMT ZUM ERLIEGEN

Der aktuelle Oxfam-Bericht „Red gold and fishing in the Lake Chad Basin“ beschreibt, welche Folgen der Ausnahmezustand auf den Alltag der Menschen in der Region hat: Im Zuge der Notstandsregelung wurden in Diffa Märkte geschlossen, die Fischerei im Tschadsee untersagt und der Nachschub an Düngemitteln und Treibstoff  beschränkt. Damit fehlen dringend benötigte Ressourcen für den Anbau von Pfeffer, der wegen seiner wichtigen Rolle für die regionale Exportwirtschaft auch als "rotes Gold" bezeichnet wird. Der grenzüberschreitende Handel zwischen Niger und Nigeria ist fast völlig zum Erliegen gekommen.

ZUGANG ZU ACKERFLÄCHEN EINGESCHRÄNKT

Massiv eingeschränkt wurde auch die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung in Diffa. Familien mussten vorübergehend ihre Dörfer und ihr Ackerland verlassen. Weite Teile der Region wurden militärisches Sperrgebiet, einschließlich des Tschadsees, und sind für die Zivilbevölkerung gesperrt.

Laut einer von Oxfam für den Bericht durchgeführten Umfrage ist der Anteil der Bevölkerung, der vom Pfefferanbau lebt, seit Beginn des Konflikts um 96 Prozent gesunken. Diejenigen, die weiterhin Pfeffer anbauen, können damit heute nur noch gut die Hälfte des Einkommens erwirtschaften, die sie vor dem Konflikt hatten. Kleinbauern und Farmpächter sagten, sie könnten heute im Schnitt nur noch ein Fünftel der Ackerfläche nutzen, die ihnen früher zur Verfügung stand.

Wer trotz Ausnahmezustand und Verbot weiterhin an der Fischerei festhält, muss sich nicht nur vor Boko-Haram-Angriffen fürchten, sondern auch davor, vom Militär aufgegriffen und angeklagt zu werden. Diese Sorge teilen auch viele kleinbäuerliche Produzent/innen, die die Grenze zu Nigeria überqueren, um sich dort Treibstoff und Düngemittel zu beschaffen, was zurzeit illegal ist.

=> Oxfam Bericht "Red gold and fishing in the Lake Chad Basin"

Quelle: oxfam.de


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