Waldzerst?rung in Brasilien. Foto: epo ArchivBerlin (epo). - Zeitgleich mit der Veröffentlichung des Waldzustandsberichts der Bundesregierung haben Umweltorganisationen den ersten "Alternativen Waldschadensbericht" in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Schäden, die Deutschland an den Wäldern in anderen Ländern der Erde hervorrufe, kämen im offiziellen Waldschadensbericht der Bundesregierung nicht vor, kritisierten die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald und die Arbeitsgemeinsschaft Regenwald und Artenschutz (ARA). Diese Lücke schließe der Alternative Waldschadensbericht, indem er die Folgen des deutschen Konsums, der deutschen Finanzierung und der deutschen Politik für die Wälder weltweit exemplarisch beschreibe.

Der Bericht enthält unter anderem eine aktuelle Analyse der deutschen Entwicklungspolitik im Bereich Wald. In kaum einem Rohstoffsektor sei die Nachfrage in den letzten Jahrzehnten so gravierend gestiegen wie im Papierbereich, so die Umweltorganisationen. "Deutschland ist weltweit der viertgrößte Verbraucher für Papier. Wir verbrauchen mehr Papier pro Jahr als Afrika und Südamerika zusammen", erklärte Lydia Bartz, Waldreferentin bei urgewald.

Aus insgesamt 130 Ländern gelangt dem Alternativen Waldschadensbericht zufolge Papier und Zellstoff nach Deutschland. Allein für die deutschen Papier- und Zellstoffimporte werde weltweit eine Fläche von rund 590.000 Hektar Wald pro Jahr eingeschlagen. Dies entspricht der doppelten Größe des Saarlandes. Dabei stamme der Zellstoff für deutsches Papier nicht nur aus Natur- und Wirtschaftswäldern, sondern zunehmend auch aus schnellwüchsigen Plantagen.

"Die Produktion des 'Wegwerfproduktes' Papier hat für Mensch und Natur in den Lieferregionen gravierende Folgen", so die Umweltorganisationen. "Urwälder werden zerstört und große Landflächen für schnellwüchsige Zellstoffplantagen vereinnahmt. Oft werden die Rechte der lokalen und indigenen Bevölkerung missachtet, Böden und Gewässer verschmutzt und artenreiche Ökosysteme durch Monokulturen ersetzt." Die Studie zeigt diese Problematik anhand von  Fallbeispielen aus Südafrika, Rußland, Brasilien, Kanada, Indonesien und anderen Ländern auf.

"Verbraucher, Handel und Papierindustrie müssen auf eine Reduzierung des Papierverbrauchs in Deutschland hinarbeiten und verstärkt umweltfreundliches Recyclingpapier anbieten und nutzen. Sie dürfen keinen Zellstoff aus Quellen beziehen, dessen Produktion zu ökologischen oder sozialen Problemen führt", forderte urgewald-Gründerin Heffa Schücking. "Deutsche Banken wie Dresdener Bank, Deutsche Bank oder WestLB, die Kredite für Zellstoff- und Papierunternehmen vergeben, müssen sich auf Umwelt- und Sozialstandards festlegen, die die Finanzierung von  Urwaldzerstörung und Landrechtsverletzungen ausschließen."

Auch die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) im Waldbereich haben die Umweltorganisationen unter die Lupe genommen: Über Jahrzehnte habe die deutsche EZ im Waldbereich vor allem Naturwälder in Nutzwälder umgewandelt. Änderung versprach das 2002 verabschiedete Sektorkonzept "Wald und nachhaltige Entwicklung". "Gut drei Jahre später sei jedoch eine verbindliche Festlegung auf nachhaltige Waldbewirtschaftung und eine größere Beteiligung der von Projekten Betroffenen "nicht festzustellen", kritisieren die Umweltschützer. "Die deutsche EZ im Waldsektor scheint wenig engagiert und oft ideenlos," sagte Wolfgang Kuhlmann von ARA. "Dagegen engagiert sich Deutschland zunehmend in der multilateralen Entwicklungszusammenarbeit und stimmt auch ökologisch und sozial problematischen Weltbankprojekten zu."

Auch Hermesbürgschaften, die zu Waldzerstörung führten, erhielten bis heute die Zustimmung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), "obwohl sie den Vorgaben des Waldsektorkonzeptes widersprechen", so urgewald und ARA. Zudem sei Deutschlands politisches Engagement für den globalen Waldschutz extrem lückenhaft. "Fast ein Drittel der europäischen Holzeinfuhren stammt aus illegalem Handel, der zu den wichtigsten Zerstörungsursachen für Naturwälder weltweit zählt. Die neue Bundesregierung muss sich ihrer Verantwortung stellen und das  Urwaldschutzgesetz, das vom Umweltministerium der Schröder-Regierung vorgelegt wurde, weiterverfolgen", forderte ARA-Mitarbeiter Jürgen Wolters.

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