UNICEF-BerichtBerlin (epo). - Während die Weltöffentlichkeit auf die großen Krisen schaut, spielen sich auf dem afrikanischen Kontinent stille Katastrophen ab. Dabei kann rasche Hilfe Leben retten und ist langfristig auch noch kostengünstiger. Darauf weist der Jahresbericht "Zur Lage der Kinder in Krisengebieten" des UN-Kinderhilfswerkes UNICEF hin. "Ich teile die Einschätzung von Unicef, dass wir unsere Aufmerksamkeit insbesondere auch den Katastrophen zu wenden müssen, die nicht im Fokus der Medien stehen", sagte die deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul in Berlin.

Am Horn von Afrika sind nach Angaben der Bundesregierung gegenwärtig rund 1,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren von extremer Dürre und Nahrungsmangel bedroht. Die mangelernährten Kinder sind besonders anfällig für gefährliche Infektionskrankheiten wie Masern. Impfkampagnen könnten diese Infektionskrankheiten verhindern, die ansonsten nur mit großem Aufwand zu behandeln seien.

Doch die "stillen Tsunamis" erreichen die westlichen Industrieländer häufig nicht. Die Bundesregierung engagiert sich auch in Gebieten, die nicht im Fokus der Öffentlichkeit stehen, so zum Beispiel in Somalia. "Wir haben bereits Anfang Januar dem Welternährungsprogramm für Somalia 750.000 Euro für Nahrungsmittelhilfe zur Verfügung gestellt", sagte die Ministerin. 

Auch im Nordosten Kenias beginnt die Bundesregierung gerade ein Nothilfeprojekt. Wieczorek-Zeul forderte auch die Verantwortung
der nationalen Regierungen ein: "Es ist schwer zu ertragen, dass es in Teilen Kenias sehr gute Ernten gibt, während in anderen Teilen des Landes die Menschen hungern. Wenn es um Fragen von Leben und Tod geht, tut die internationale Gemeinschaft alles nur mögliche, um zu helfen. Die strukturellen Ursachen von Hunger müssen aber auch von den nationalen Regierungen angegangen werden."

Während in den 90er Jahren die Katastrophen insbesondere aus kriegerischen Konflikten folgten, seien heute in erster Linie Naturereignisse ursächlich, so das Entwicklungsministerium (BMZ). Durch Wüstenbildung und Bodenerosionen entsteht beispielsweise Nahrungsmittelmangel. Hier gehe es vor allem darum, vorzubeugen, sagte Wieczorek-Zeul. Unterstützung dabei sei auf lange Sicht effektiver, billiger und besser als jedes Katastrophenprogramm nach einer weiteren Dürre.

Der UNICEF-Bericht gibt einen Überblick über die dramatische Situation von Kindern in 29 Ländern, davon allein 20 auf dem afrikanischen Kontinent. In zehn besonders stark vernachlässigten Ländern Afrikas sterben nach neuesten Schätzungen von Unicef jedes Jahr über eine Million Kinder vor ihrem fünften Geburtstag - meist an vermeidbaren und behandelbaren Krankheiten.

? UNICEF-Bericht "Zur Lage der Kinder in Krisengebieten 2006"
? BMZ


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