Sachalin 2Berlin/Prag (epo). - Internationale Umweltorganisationen halten die erweiterte Umweltverträglichkeitsprüfung, die Shell für sein Öl- und Gasprojekt Sachalin 2 vorgelegt hat, für völlig unzureichend. Auf der Grundlage der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) will die Osteuropabank entscheiden, ob sie den Bau des 20 Mrd. US$ Projektes mit öffentlichen Geldern unterstützen wird.

Die Umweltorganisation CEE (Central and Eastern Europe) Bankwatch Network erklärte, die UVP sei gezeichnet von unklaren Daten und Analysen und lasse wichtige Aspekte vollkommen aus. Weder liege bisher ein Ölunfallplan vor, noch untersuche die UVP die Auswirkungen, die sich aus dem Betrieb und schließlich dem Rückbau des Projekts ergeben. Umweltmanagement- und Monitoringpläne seien völlig unzureichend.

Petr Hlobil, Energieexperte von CEE Bankwatch Network, sagte: "Im Dezember hat die Osteuropabank erklärt, die Umweltdokumentation für Sachalin 2 sei nun gut genug, um die öffentliche Konsultation zu beginnen. Die tatsächlich enorm schlechte Qualität der Dokumente beweist, wie starken Druck Shell auf die Bank ausgeübt haben muss. Wenn die Osteuropabank ihren Ruf bewahren und nicht ihre eigenen Umweltregeln ad absurdum führen will, muss sie das Projekt ablehnen."

Die Energieexpertin der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald, Regine Richter, sagte dazu, Sachalin 2 "hat mit extremen Eismeer Bedingungen zu kämpfen, deshalb ist es verantwortungslos gegenüber den Menschen auf Sachalin, dass Shell bis heute nicht in der Lage ist, einen Plan zu präsentieren, wie es auf einen Ölunfall reagieren würde. Dabei hat es schon bei den Bauarbeiten einen ersten Ölunfall gegeben."

Das Sachalin 2 Projekt bedroht nach Angaben der NGOs den Lebensraum der letzten 100 westlichen Grauwale, in dessen unmittelbarer Nähe eine Plattform gebaut werden soll. Zudem sollen über 800 km Pipelines gebaut werden, die das Öl und Gas vom Norden in den Süden der Insel transportieren. Die Pipelines gefährdeten die reiche Tierwelt der Insel, allen voran die verschiedenen Lachsarten, die die Lebensgrundlage von über 30% der Bevölkerung darstellen.

Durch illegal begonnene Bauarbeiten an den Pipelines seien bereits mehr als 100 Flüsse geschädigt worden, so die NGOs. Die Osteuropabank halte noch bis Ende April Konsultationen über das Projekt ab. Im Mai werde sie voraussichtlich über die Finanzierung entscheiden. Dabei stimmt die deutsche Bundesregierung mit ab, da sie zu den Anteilseignern der Osteuropabank gehört.

"Ein breites Bündnis von Umweltorganisationen fordert wegen der großen Umweltbedenken die Bundesregierung auf, sich gegen das Projekt auszusprechen", erklärte Richter.

Analyse der UVP
CEE Bankwatch Network 
urgewald


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