WBBerlin (epo). - In Führungsgremien der Weltbank wird derzeit über einen Einstieg in die Förderung von Atomkraftwerken diskutiert. Katherine Sierra, Vizepräsidentin für Infrastruktur bei der Weltbank, zählte  Presseberichten zufolge bei einem Gespräch bei deutschen Entwicklungsagenturen die Atomkraft neben den Erneuerbaren Energien zu den sauberen Energieträgern. Die deutsche Bundesregierung müsse in dieser Sache "lautstark und deutlich reagieren", forderte am Mittwoch Knud Vöcking von der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald. "Sie muss dafür sorgen, dass die Atomkraft ein Tabu für die Weltbank bleibt."

Bereits im August 2005 hatte der neue Weltbank-Präsident Paul Wolfowitz einen Kurswechsel in der Energiepolitik angedeutet. Auf einer Pressekonferenz in Indien äußerte er sich laut urgewald vorsichtig positiv zur Atomkraft: "Wenn Sie die Reduktion der CO2-Emissionen betrachten, dann ist vermutlich Atomkraft der richtige Weg. Und ich denke, das sollte in Betracht gezogen werden."

"Bei der Jahrestagung der Weltbank im September 2005 habe ich Mrs. Sierra auf Wolfowitz' Äußerungen angesprochen," sagte Knud Vöcking. "Damals hat sie mir gesagt, dass Atomkraft kein Thema sei."

Jetzt wird laut Sierra in der Weltbank über das Thema diskutiert, wenn auch noch keine Entscheidungen getroffen worden seien. Für urgewald ist die Förderung der Atomenergie in Ländern des Südens völlig unvertretbar. "Atomenergienutzung birgt immer und überall unüberschaubare Risiken, zusätzlich sind jedoch die Rahmenbedingungen besonders in Entwicklungs- und Schwellenländern  noch schlechter als in Deutschland. Dazu gehören fehlende Konzepte für die Endlagerung und Unfallmanagement, mangelnde Überwachungskapazitäten sowie die besorgniserregende Verschuldungswirkung von AKW-Bauten."

Hinzu komme die Gefahr der militärischen Nutzung" so Vöcking. "Wer ein Atomkraftwerk hat, kann auch die Bombe bauen. Zivile und militärische Nutzung der Atomkraft sind zwei Seiten der gleichen Medaille."

Transskript der Pressekonferenz von Wolfowitz
Auszüge aus dem Technical Paper #154 der Weltbank zur Atomkraft
urgewald


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