gfbvGöttingen. - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat am Donnerstag die Freilassung des in Mauretanien inhaftierten Parlamentsabgeordneten und Sklaverei-Kritikers Biram Dah Abeid gefordert. Der Träger des Weimarer Menschenrechtspreises und der höchsten Auszeichnung für Menschenrechtler der Vereinten Nationen ist seit fast fünf Monaten in Haft.

"Birams Haft ist unverhältnismäßig und willkürlich. Es liegt der Verdacht nahe, dass man den unbequemen Sklaverei-Kritiker politisch isolieren und mundtot machen will", erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius in Göttingen.

Der Menschenrechtler war am 7. August 2018 festgenommen worden, weil er von einem Journalisten beschuldigt wurde, ihn bedroht zu haben. Die Anschuldigung wiege zwar schwer, rechtfertige aber keine monatelange Inhaftierung eines gewählten Parlamentsabgeordneten, erklärte die Menschenrechtsorganisation. Biram Dah Abeid bestreitet die Vorwürfe.

Die GfbV kritisierte die mangelnde politische Unabhängigkeit von Mauretaniens Strafverfolgungsbehörden und Justiz, die den Fall zu einer Gerichtsposse mache. So würden Mauretaniens Gerichte den politisch heiklen Fall immer wieder zwischen den Instanzen hin- und herschieben, um Staatspräsident Mohamed Ould Abdel Aziz nicht zu verärgern. Aus Justizkreisen wird über direkte Einflussnahmen der Staatsführung berichtet, um eine längere Inhaftierung des unbequemen Politikers und Menschenrechtlers zu erreichen.

Biram Dah Abeid gilt in Mauretanien als einer der prominentesten Feinde des Staatspräsidenten Aziz, der trotz massiver Proteste in der Bevölkerung eine dritte Amtszeit und eine Wiederwahl bei den Präsidentschaftswahlen im April 2019 erwägt. Seit Jahren prangert Biram Dah Abeid den Machtmissbrauch und den Fortbestand der Sklaverei trotz gesetzlicher Verbote öffentlich an.

Zwar konnte der charismatische Menschenrechtler laut GfbV bei den Parlamentswahlen im September 2018 ein Abgeordnetenmandat erringen, wegen seiner Inhaftierung konnte er das Mandat aber nicht antreten und wurde bei der Besetzung bedeutender Posten im Parlament übergangen. In den letzten Wochen appellierten immer mehr führende Oppositionspolitiker an die Regierung, den Sklaverei-Kritiker endlich freizulassen.

Biram Dah Abeids Engagement gilt der Abschaffung der Sklaverei. Zwar wurde die Leibeigenschaft schon 1981 in Mauretanien offiziell verboten, doch in ländlichen Regionen besteht sie weiter fort. Erst im Dezember 2018 wurden neue Fälle der Sklaverei in abgelegenen Regionen an der Grenze zum Nachbarland Mali bekannt.

Quelle: www.gfbv.de 


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