caritasFreiburg. - Für deutlich stärker regionalisierte und lokal angepasste Wege im Kampf gegen das Corona-Virus hat sich Caritas international ausgesprochen. Acht Wochen nach Ausrufung der Corona-Pandemie und der Einführung entsprechender Mobilitäts-Beschränkungen bedrohe der Hunger das Leben verarmter und marginalisierter Menschen in immer mehr Ländern weltweit mittlerweile stärker als das Corona-Virus, stellte das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes fest.

"Viele Länder des globalen Südens haben sehr schnell auf die medizinischen Herausforderungen reagiert. Das war angemessen und lebensrettend. Wir erleben jetzt jedoch von Tag zu Tag in vielen unserer Projektländer, dass die aus medizinischer Sicht notwendigen Restriktionen insbesondere in den verarmten Bevölkerungsschichten großes Leid verursachen", sagte Oliver Müller, Leiter von Caritas international.

Für Länder mit marodem Gesundheitssystem seien die medizinisch gebotenen Restriktionen nur schwer über Monate durchzuhalten. Das gelte etwa im Südsudan, wo nur vier Beatmungsgeräte im ganzen Land vorhanden seien, zugleich aber hunderttausende Menschen hungerten, weil insbesondere die sozial und ökonomisch benachteiligte Bevölkerung keiner Arbeit mehr nachgehen könne und Bauern die Felder nicht bestellen könnten. Ähnliches gelte für Länder wie Nepal, Bangladesch, Brasilien, Nigeria und Irak.

Als erschwerender Faktor komme hinzu, dass immer mehr Menschen an anderen Epidemien wie Malaria oder Masern erkrankten, weil Impfkampagnen aufgrund der Mobilitätsbeschränkungen gestoppt werden müssten, unter anderem 117 Millionen Masern-Impfungen für Kinder. "Alte Krisen“ wie die Heuschreckenplage in Ostafrika schließlich gerieten gänzlich in Vergessenheit, obwohl die Auswirkungen auf die Menschen unverändert verheerend seien. "Es ist an der Zeit“, so Müller, "lokale Antworten auf die globale Bedrohung zu, entwickeln. Es gibt nicht die eine Lösung, die für alle passt."

Erfahrungen aus der Ebola-Epidemie zeigen, dass den Bauern Ernteausfälle um bis zu 50 Prozent drohen. Die ohnehin schon angespannte sozio-ökonomische Lage vieler Menschen wird zudem dadurch verschärft, dass die für viele Familien lebenswichtigen Geldtransfers von Arbeitsmigranten eingebrochen sind; allein von Europa nach Afrika bislang um mehr als 20 Prozent. Oliver Müller von Caritas international: "Wir versuchen weiterhin, wo immer möglich sowohl Reis wie auch Seife zu verteilen. Angesichts der Vielzahl von Herausforderungen, vor die wir gestellt werden, müssen wir jedoch immer öfter eine Entweder-oder-Entscheidung fällen, weil die begrenzten Mittel nicht für beides reichen."

Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, hat seit Ausrufung der Corona-Pandemie mehr als 40 Hilfsprojekte in Afrika, Asien und Lateinamerika gestartet.

Quelle: www.caritas-international.de 


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