erlassjahr 100Düsseldorf. - Bis zum Freitag (22. Mai) muss Argentinien eine Einigung mit seinen Privatgläubigern erzielen, sonst droht der Zahlungsausfall. Das Entschuldungsbündnis erlassjahr.de kritisiert, dass auch die öffentlichen Gläubiger Argentiniens wenig Kooperationsbereitschaft zeigen. Insgesamt geht es um 65 Milliarden US-Dollar Staatsschulden.

An diesem Freitag verstreicht für Argentinien die Frist für eine Zahlung in Höhe von 503 Millionen US-Dollar auf drei Dollar-Anleihen. Kann Argentinien bis dahin keine Einigung mit seinen Gläubigern erzielen, droht die neunte Staatspleite in der Geschichte des Landes.

Argentinien hat seinen Anleihegläubigern am 17. April ein Angebot unterbreitet, bei dem diese auf 62 Prozent ihrer Ansprüche aus Zinsen und Tilgungen verzichten sollen. Die Zeit der Illusionen sei vorbei, Argentinien könne nicht zahlen, erklärte der argentinische Finanzminister Martín Guzmán in der Financial Times. Die Covid-19-Pandemie verschärfe die ohnehin angespannte Situation in Argentinien.

Drei Zusammenschlüsse privater Gläubiger, einer davon unter der Führung des weltweit größten Anlegers BlackRock, haben Gegenangebote gemacht: Sie bieten Erleichterungen zwischen 35 und 48 Prozent an.

Jürgen Kaiser, Politischer Koordinator des deutschen Entschuldungsbündnisses erlassjahr.de, erklärte: "Argentinische Staatsanleihen wurden Mitte April zwischen 31 und 37 Cent auf den Dollar gehandelt. Eine tragfähige Lösung der argentinischen Verschuldung darf nicht unrealistischen Forderungen der Gläubiger zum Opfer fallen. Kommt es zu einer Staatspleite verlieren am Ende alle."

Außerdem orientiere der argentinische Vorschlag sich an dem vom Internationen Währungsfonds festgestellten Entlastungsbedarf. Dabei rechne dieser noch mit einer geringeren Schrumpfung der argentinischen Wirtschaft, als aktuell durch die Entwicklung der Covid-19-Pandemie zu befürchten sei, so Kaiser.

Erlassjahr.de und mehr als fünfzig zivilgesellschaftliche Organisationen weltweit fordern zudem von den Gläubigerregierungen des sogenannten Pariser Clubs Unterstützung für den Vorschlag Argentiniens. Kaiser: "Mit einer Zwei-Drittel-Reduzierung seiner eigenen Forderungen hätte der Pariser Club ein starkes Signal der Unterstützung für die argentinische Position gegenüber den Privatgläubigern senden können. Stattdessen legten die Mitglieder dem Land einen Strafzins von 9 Prozent auf – und das mitten in der Corona-Krise."

Das deutsche Entschuldungsbündnis "erlassjahr.de – Entwicklung braucht Entschuldung e. V." setzt sich dafür ein, dass den Lebensbedingungen von Menschen in verschuldeten Ländern mehr Bedeutung beigemessen wird als der Rückzahlung von Staatsschulden. Erlassjahr.de wird von derzeit über 600 Organisationen aus Kirche, Politik und Zivilgesellschaft bundesweit getragen und ist eingebunden in ein weltweites Netzwerk nationaler und regionaler Entschuldungsinitiativen.

Quelle: www.erlassjahr.de 


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