oxfamBerlin. - Covid-19-Überlebende aus 37 Ländern haben in einem offenen Brief an führende Vertreterinnen und Vertreter der pharmazeutischen Industrie gefordert, einen möglichen Impfstoff patentfrei allen Menschen zugänglich zu machen. Im Vorfeld einer hochrangig besetzten Veranstaltung zur Pandemie am Rande der UN-Generalversammlung wiesen sie auf die milliardenschwere öffentliche Finanzierung der Impfstoffforschung hin und äußerten die Befürchtung, bei der Vermarktung eines künftigen Impfstoffes könnten Profitinteressen im Vordergrund stehen.

Zu den Unterzeichner*innen des Briefes gehören 242 COVID-19 Überlebende aus Ländern wie Südafrika, Finnland, Neuseeland oder Brasilien. Gleichfalls unterzeichnet haben 190 Menschen, die Angehörige durch das Virus verloren haben, und 572 Menschen, die zu einer der COVID-19-Hochrisikogruppen zählen.

In dem Brief heißt es: "Einige von uns haben durch diese tödliche Krankheit Angehörige verloren. Einige von uns sind selbst dem Tod nur knapp entkommen. Einige von uns leben weiterhin in der Angst, zu erkranken und schwere Folgen davonzutragen. Wir sehen keine Rechtfertigung dafür, warum Ihr Profit oder Ihre Monopole ein Grund dafür sein sollten, dass jemand anderes dies durchmachen muss."

Die Überlebenden werfen in dem Brief Pharmakonzernen vor, "weiterzumachen wie bisher - Monopole zu verteidigen und sich gleichzeitig zu weigern, Forschung und Know-how zu teilen". Zugleich fordern sie die Branchenführer auf, "dafür zu sorgen, dass COVID-19-Impfstoffe und -Behandlungen jeden erreichen, der sie braucht".

Pharmamonopole könnten die Produktion wirksamer Impfstoffe und Behandlungen auf eine kleine Zahl von Herstellern beschränken und damit die Massenproduktion verhindern, die zur Deckung der weltweiten Nachfrage erforderlich ist. Deshalb fordern die Unterzeichner*innen des Offenen Briefes, dass die Unternehmen sofort Lizenzen für Impfstofftechnologie und geistige Eigentumsrechte an den WHO COVID-19 Technology Access Pool (C-TAP) vergeben.

Bei einer Veranstaltung am Rande der UN-Generalversammlung werden neben anderen hochrangigen Persönlichkeiten Bill Gates und der britische Premierminister Boris Johnson über den Zugang zu Impfstoffen diskutieren. Oxfam hatte bereits im Vorfeld eines gemeinsamen Treffens der G20 Finanz-und Gesundheitsminister kritisiert, dass sich die reichen Nationen schnell ihre eigenen Vorräte an vielversprechenden Impfstoffen gesichert haben. Es sei ihnen aber nicht gelungen, Druck auf die Pharmakonzerne auszuüben, damit sie Technologien gemeinsam nutzen und die weltweite Versorgung mit Impfstoffen und Behandlungen maximieren.

Initiiert hat den Offenen Brief die People's Vaccine Alliance, ein Bündnis aus Nichtregierungsorganisationen und Aktivist*innen, das sich für einen frei verfügbaren Impfstoff einsetzt. "Pharmazeutische Unternehmen müssen die Bedürfnisse von Menschen aus aller Welt achten. Sie müssen ihre Monopole beenden und sich verpflichten, ihr Herstellungs-Know-how zu teilen. Solche Maßnahmen sind entscheidend, um die Impfstofflieferungen auszuweiten, damit alle Länder erschwinglichen Zugang zu wirksamen Impfstoffen haben", sagte Heidi Chow von Justice Now und Mitglied der Allianz.

"Das Recht auf Gesundheit ist ein Menschenrecht - es sollte nicht von Vermögen oder Hautfarbe abhängen, geimpft zu werden oder nicht. Ein Impfstoff sollte ein globales öffentliches Gut sein und für alle kostenlos zur Verfügung stehen", betonte Winnie Byanyima, Direktorin von UNAIDS.

Das Bündnis rief die Regierungen zudem dazu auf, die öffentliche Finanzierung von Forschung und Entwicklung von Diagnostika, Impfstoffen und Behandlungen für COVID-19 davon abhängig zu machen, dass die Pharmaunternehmen ihr Wissen und ihre Technologie patentfrei weitergeben. Wenn ein wirksamer Impfstoff zur Verfügung steht, fordert das Bündnis, dass die Dosen gerecht verteilt werden, wobei Gesundheitspersonal und andere Risikogruppen in allen Ländern Vorrang haben sollten.

Quelle: www.oxfam.de 


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