careBerlin. - Armut, extreme Wetterbedingungen und politische Instabilität: Nirgendwo auf der Welt leiden laut dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen mehr Menschen unter chronischer Unterernährung als in Burundi. Im Bericht "Suffering in Silence" der internationalen Hilfsorganisation CARE führt das ostafrikanische Land die Rangliste von zehn Krisen an, die 2020 die wenigste mediale Aufmerksamkeit erhielten. Der jährlich erscheinende Bericht macht auf solche Krisen aufmerksam, die weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit stattfinden.

"Die COVID-19-Pandemie hat globale Ungleichheiten und menschliches Leid auf unerträgliche Weise verschärft", erklärte Karl-Otto Zentel, Generalsekretär von CARE Deutschland. "Die Vereinten Nationen schätzen, dass in diesem Jahr rund 235 Millionen Menschen humanitäre Hilfe benötigen werden. Das ist ein Anstieg um fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und damit ein Negativrekord." Doch in der öffentlichen Wahrnehmung sei kaum Raum für Regionen und Gemeinden, die schon vor der Pandemie ums Überleben kämpften. "Mediale Aufmerksamkeit ist eine starke Waffe im Kampf gegen das Vergessen, und daran möchte CARE mit dem Bericht 'Suffering in Silence' erinnern."

COVID-19 ist für die Ärmsten der Armen schlicht eine weitere Gefahr neben vielen. Insbesondere Frauen und Mädchen leiden an Einschränkungen, Nahrungsengpässen und Unsicherheit: "Wenn wir nicht an COVID-19 sterben, sterben wir an Hunger oder Gewalt", so berichten viele Frauen und Mädchen den CARE-Teams in Krisengebieten. CARE-Chef Zentel betonte: "Um Leid zu lindern, braucht es Aufmerksamkeit. Und die ist leider häufig andernorts zu finden: Über den Eurovision Song Contest wurde 2020 weltweit fast fünfmal mehr berichtet als über alle zehn im Bericht genannten Krisen zusammengenommen."

Dass Berichterstattung über humanitäre Krisen auch in Ausnahmesituation wie einer Pandemie möglich ist, zeigen Journalistinnen und Journalisten aus aller Welt, die im Bericht zu Wort kommen. Um mehr Aufmerksamkeit für humanitäre Krisen zu schaffen, fordert CARE eine enge Zusammenarbeit von Politik, Medien, humanitären und weiteren Akteuren:

- Regierungen müssen Journalistinnen und Journalisten sicheren Zugang zu Krisenregionen garantieren, um Medienberichterstattung zu ermöglichen.
- Geberländer müssen mit ihren finanziellen Zusagen den gestiegenen humanitären Bedarf abdecken.
- Medien sollten übliche Narrative hinterfragen und Menschen in Krisengebieten eine Plattform bieten, um selbst über ihre Situation berichten zu können.
- Geldgeber sollten anerkennen, dass Berichterstattung über humanitäre Themen Geld kostet. Die Projektfinanzierung sollte dies berücksichtigen. Von Frauen geführte, lokale Hilfsorganisation sowie einheimische Medien sollten verstärkt in ihrer Berichterstattung unterstützt werden.
- Die Zivilgesellschaft sowie eine freie, unabhängige Medienlandschaft müssen konsequent unterstützt und geschützt werden.
- Hilfsorganisationen sollten Medienschaffende weiterhin unterstützen, indem sie qualitativ hochwertige Recherchen, Einblicke und Hintergrundinformationen zur Verfügung stellen, um weniger bekannte, aber wichtige Themen ins Rampenlicht zu rücken.

Die zehn humanitären Krisen, die 2020 keine Schlagzeilen machten:

  • Burundi – 2,3 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe
  • Guatemala – 10 Millionen Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze
  • Zentralafrikanische Republik – Ein Viertel der Bevölkerung wurde vertrieben
  • Ukraine – 3,4 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe
  • Madagaskar – Fast die Hälfte der Kinder leidet wegen Mangelernährung unter Wachstumsverzögerungen
  • Malawi – 2,6 Millionen Menschen brauchen Nahrungsmittelhilfe
  • Pakistan – 49 Millionen Menschen fehlt es an ausreichend Nahrung
  • Mali – 1,3 Millionen Menschen leiden Hunger
  • Papua-Neuguinea – 4,6 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe
  • Sambia - 2,6 Millionen Menschen brauchen Nahrungsmittelhilfe

Quelle: www.care.de 


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