rsfBerlin. - Zum internationalen Tag der Pressefreiheit hat Reporter ohne Grenzen (RSF) gemeinsam mit einer internationalen Koalition aus mehr als 80 Menschenrechts- und Medienorganisationen eine Solidaritätskampagne für Maria Ressa gestartet. Der preisgekrönten philippinischen Journalistin droht eine lebenslange Haftstrafe.

Auf einer für die Kampagne eingerichteten Webseite werden Hunderte Videos prominenter Unterstützerinnen und Unterstützer ununterbrochen so lange zu sehen sein, bis alle Vorwürfe gegen Ressa und die von ihr gegründete Nachrichtenseite Rappler fallengelassen werden, so RSF. Zudem sei die Öffentlichkeit aufgerufen, eigene Beiträge über die Webseite einzureichen, die dann der Video-Dauerschleife hinzugefügt werden.

"Seit mehreren Jahren mobilisiert Reporter ohne Grenzen, um Maria Ressa zu unterstützen. Heute rufen wir die Öffentlichkeit auf der ganzen Welt auf, sich uns anzuschließen, um die mutige Journalistin zu verteidigen", sagte RSF-Geschäftsführer Christian Mihr. "Die massiven Angriffe des Duterte-Regimes gegen Maria Ressa sind nicht nur Angriffe auf den Journalismus, sondern auch auf die Demokratie."

Unter den prominenten Unterstützerinnen und Unterstützern, die bereits Videos eingereicht haben, sind Menschenrechtsverteidiger, Journalistinnen, Künstler, Anwältinnen und Politiker aus aller Welt, darunter die südafrikanische Juristin und ehemalige UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, der Nobelpreisträger für Wirtschaft, Joseph Stiglitz, der Tiananmen-Aktivist und Dissident Wu’er Kaixi, der zwischenzeitlich in Ägypten inhaftierte australische Journalist Peter Greste, der britische Historiker und Autor Timothy Garton Ash, der Channel-4-Nachrichtensprecher Jon Snow, die Guardian-Chefredakteurin Katharine Viner, der britische Abgeordnete Damian Collins, die Intendantin des Gorki-Theaters, Shermin Langhoff, und der Ressortleiter im Investigativressort der Süddeutschen Zeitung, Bastian Obermayer.

Gegen Ressa laufen derzeit mindestens neun Verfahren auf den Philippinen. In weniger als zwei Jahren wurden zehn Haftbefehle gegen sie ausgestellt. Die Behörden werfen ihr unter anderem Verleumdung und Steuerhinterziehung vor. Im Juni 2020 wurde die Journalistin bereits wegen eines Artikels über einen Geschäftsmann aus dem Jahr 2012 der Verleumdung für schuldig befunden. Grundlage war ein Cyberkriminalitätsgesetz, das erst nach Erscheinen des Artikels in Kraft trat. Bis zu einem Berufungsverfahren darf Ressa gegen Kaution auf freiem Fuß bleiben. Wird das Urteil nicht im Berufungsverfahren aufgehoben, drohen ihr alleine in diesem Fall sechs Jahre Gefängnis. Sollte Ressa in allen Anklagepunkten für schuldig befunden werden, droht ihr eine lebenslange Haftstrafe.

Ressa berichtete zwei Jahrzehnte lang für CNN aus Südostasien und gründete dann die mehrfach preisgekrönte Nachrichtenseite Rappler. Die Journalistin ist zu einem Symbol für den Kampf der philippinischen Medien gegen die Einschüchterungen durch Präsident Rodrigo Duterte geworden. Das Time Magazine kürte Ressa 2018 zusammen mit weiteren Journalistinnen und Journalisten zur "Person des Jahres". In diesem Jahr erhält die Journalistin den UNESCO/Guillermo Cano World Press Freedom Prize.

Quelle: www.reporter-ohne-grenzen.de 


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