Thomas Dix, Apocalypse Now

Foto: "Apocalypse Soon" by Thomas Dix. Copyright © by epo.de/Thomas Dix Fotodesign | Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

updated  "Emissions Gap Report - Uno prognostiziert auch bei Einhaltung der Pariser Klimaziele gefährliche Erderwärmung". So lautet die Schlagzeile des SPIEGEL. Wenig später ist die Nachricht auf der Website nach unten gerückt, unter ferner liefen. Das ist - gelinde gesagt - verrückt und zeugt von völliger Unwissenheit und Ignoranz. Der UNO-Bericht ist niederschmetternd, für die Menschheit und für die UNO selbst. Knapp 3 Grad Temperaturzunahme bis zum Ende des Jahrhunderts --  das könnte das Ende von Milliarden Menschen bedeuten. Der "Emissions Gap Report" bedeutet auch das Eingeständnis, dass die Menschen jahrzehntelang belogen worden sind -- und Politiker und Wissenschaftler weltweit gehören zu den Lügnern, meint epo.de-Herausgeber Klaus Boldt, der als Reporter für eine Nachrichtenagentur beim ersten Weltklimagipfel 1992 in Rio de Janeiro dabei war und seither an diesem Thema arbeitet.

Um 2,5 bis 2,9 Grad Celsius könnte die globale Temperatur bis Ende des Jahrhunderts ansteigen, so die Prognose des UN-Umweltprogramms (UNEP). Selbst wenn die Zusagen aus dem Pariser Klimaabkommen eingehalten würden, die Erderhitzung auf unter 2 Grad zu begrenzen und möglichst das 1,5 Grad-Ziel nicht zu überschreiten, könnten es bis zu 2,9 Grad werden!

Die vom Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) regelmäßig herausgegebenen Berichte und Prognosen sind aber deswegen nicht Makulatur. Die Wissenschaftler hatten ein solches Szenario in ihren Rechnern. Aber es war eben der worst case. Jeder der Berichte musste von den Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsländer der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) abgesegnet werden, ehe er veröffentlicht werden durfte. Da wurden die Reports eben ein bisschen aufgehübscht.

Das 1,5-Grad-Ziel sei "keine willkürlich ausgehandelte Zahl", sagt Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) . "Das ist etwas, das nicht verhandelbar ist und wir müssen wirklich versuchen, diese Grenze so gut wie möglich einzuhalten." Rockström ist Mitautor einer Studie, die die Auswirkungen eines globalen Temperaturanstiegs über 1,5 °C hinaus untersucht. Doch um diesen Grenzwert einzuhalten, müssten nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) die weltweiten Emissionen bis 2030, also in den nächten sechs Jahren, halbiert werden. (Siehe auch: Die Folgen der Erderwärmung - Wikipedia).

Viele Wissenschaftler haben das mitgemacht, wohl aus der Befürchtung heraus, dass die Politik sonst gar nichts gegen die Erderhitzung unternimmt -- und in der Hoffnung, dass wir doch noch die Kurve kriegen. In den Talkshows wiesen altgediente Wissenschaftler wie Mojib Latif immer wieder darauf hin, dass das 1,5-Grad-Ziel mit etwas gutem Willen, technischem Fortschritt und einer Portion Glück doch noch zu schaffen sei.

Der Autor dieser Zeilen hat als junger Reporter vom ersten Weltklimagipfel -- der United Nations Conference on Environment and Development (UNCED) 1992 in Rio de Janeiro -- für die Nachrichtenagentur epd, die Frankfurter Rundschau und die Fachzeitschrift epd-Entwicklungspolitik etliche Zeilen abgesetzt. Wir Journalisten waren damals euphorisch, dass die bis dahin größte Zusammenkunft von Staats- und Regierungschefs es geschafft hatte, die Rio Deklaration (deutsch), die Agenda 21, die Klimarahmenkonvention etc. zu beschließen.

Die imposante Statur des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU) füllte damals die Flure der Messegebäude in Rio. Er und später der grüne Umweltminister Jürgen Trittin mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz und viele fleißige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Behörden, Wirtschaftsunternehmen, nichtstaatlichen Organisationen und Kommunen haben viel dafür getan, die Ziele von Rio und Paris in Deutschland erreichen zu können. In 16 Jahren Angela Merkel (CDU), Physikerin, Umweltministerin und Bundeskanzlerin ("Wir schaffen das"), wurde der Vorsprung leichtfertig verspielt, den die deutsche Industrie im Bereich Erneuerbare Energien hatte.

Ja, es gab Krisen wie die Startup-Pleiten, die Weltwirtschaftskrise 2008 und die Ukrainekrise 2014, Corona -- und vor allem die Einbildung unter deutschen Parlamentariern, es werde auch ohne den Verlust an Lebensstandard schon gutgehen. "Et hätt noch immer jutjejangen", wie der Rheinländer sagt. Dahinter stand die Absicht der jeweiligen Partei, um jeden Preis an der Macht zu bleiben.

Jetzt steht die Menschheit vor dem menschengemachten Untergang -- was dem Planeten Erde ziemlich schnuppe sein kann --, und den Herrschern auf der Erde fällt nichts Besseres ein, als Kriege zu führen und weiter Treibhausgase in den Himmel zu blasen. Die üblichen Ablenkungsmanöver eben.

COP28

Die Conference of the Parties (COP28) in den Vereinigten Arabischen Emiraten wird das moralische Ende der Klimagipfel sein. Denn die Öl- und Gasindustrie und ihre zahllosen Lobbyisten sind dabei, die bislang ohnehin erfolglose Klimadiplomatie zu kapern. Es wäre nicht schade um den alljährlichen Wanderzirkus, denn Zehntausende Delegierte auf einer sinnentleerten Weltkonferenz braucht kein Mensch.

Derzeit (Dienstag, 21. November, seit 10:00 Uhr) läuft ein Journalistenseminar von Germanwatch zur Vorbereitung der COP28. Martin Kaiser von Greenpeace spricht über die Anpassung des Globalen Südens an die Klimakatastrophe. "Global Stocktaking", die Globale Bestandsaufnahme, ist das Thema derzeit. Er berichtet auch aus einem persönlichen Gespräch mit Ex-Kanzlerin Angela Merkel.

Germanwatch schreibt auf der eigenen Website: "Wir schauen auf mehr als 30 Jahre und über 650 erfolgreich abgeschlossene Projekte zurück. In dieser Zeit haben wir uns als wirkungsvoller Akteur der Zivilgesellschaft etabliert. So mancher klima- und entwicklungspolitische Meilenstein wäre ohne Germanwatch später oder vielleicht auch gar nicht erreicht worden. An unseren Standorten Bonn und Berlin arbeiten mehr als 100 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter:innen sowie Praktikant:innen und junge Menschen, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr oder ein Freiwilliges Soziales Jahr im Politischen Leben bei Germanwatch machen. Hinzu kommt ein wachsendes Netzwerk, das aus Engagierten, Honorarkräften und internationalen Organisationen besteht."

Auch NGOs wie Greenpeace und Germanwatch, die an den Klimagipfeln teilnehmen, sind inzwischen aber näher an den Politikern als an den Opfern der Klimakrise. Nüchtern betrachtet haben sie an 28 Klimagipfeln teilgenommen -- und in der eigentlichen Sache, der Begrenzung der Erderwärmung - nicht viel erreicht. Ohne NGOs, Umweltverbände oder kritische Stimmen aus den besonders betroffenen Ländern des Globalen Südens lägen die zu erwartenden Temperatursteigerungen jedoch bei fünf oder sechs Grad, meinen einige der Referenten auf dem Podium des Presseseminars.

Germanwatch hat den Klimaschutz-Index (KSI) entwickelt, mit dessen Hilfe die Klimaschutzleistungen der für 90% der Treibhausgas-Emissionen verantwortlichen Staaten seit 2005 bewertet werden. Auf den Plätzen vier bis acht lagen für das Jahr 2022 Dänemark, Schweden, Norwegen, das Vereinigte Königreich (UK) und Marokko] Die ersten drei Plätze bleiben vakant, da laut Germanwatch keiner der Staaten im Index genug tut, um eine gefährliche Erderhitzung zu verhindern.

Es ist Zeit sich einzugestehen, dass die hierzulande als "Ökoterroristen" verteufelte "Letzte Generation" zurecht zum letzten Mittel greift: mit spektakulären und mitunter für einige Bürger schmerzhaften Aktionen die Leute aufzurütteln. Aber den Berufsverkehr zu blockieren, geht natürlich gar nicht in einer Auto-Nation. 200.000 Euro Schaden sollen die selbsternannten Weltenretter bereits angerichtet haben, und die Politiker schreien nach Kompensation. Na gut, der Berliner Flughafen Schönefeld und das Berliner Stadtschloss waren etwas teurer. Mal sehen, ob es sie nach der nächsten Sintflut noch gibt.

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