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Vilnius/Bonn (epo.de). - Das Welterbekomitee der UNESCO hat auf seiner 30. Tagung vom 8. bis 16. Juli 2006 in Vilnius (Litauen) weitere 18 Stätten aus 18 Ländern in die Welterbeliste aufgenommen. Von den Neuaufnahmen zählen 16 zum kulturellen Erbe und zwei zum natürlichen Erbe. Insgesamt verzeichnet die "Liste des Kultur- und Naturerbes der Menschheit" jetzt 830 Stätten in 138 Ländern.

Unter den neuen Stätten ist auch die Altstadt von Regensburg. Deutschland ist jetzt mit 32 Stätten auf der Liste des UNESCO-Welterbes repräsentiert.

Die 16 neuen Kulturerbestätten

Äthiopien:
Harar Jugol ist die vierte heilige Stadt des Islams und Zentrum der islamischen Religion am Horn von Afrika. Sie geht auf eine muslimische Stadtgründung aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. zurück. In der historischen Stadtanlage und am Beispiel des Harari-Hauses zeigt sich der Einfluss ursprünglicher islamischer Kultur auf die Traditionen des ansonsten christlichen Äthiopiens.

Chile:
Die Kupferminenstadt Sewell ist eine typische Ansiedlung von Minenarbeitern während der Industrialisierung im frühen 20. Jahrhundert. Die Geschichte der Stadt ist eng verbunden mit der Entwicklung der damals weltweit größten Kupfermine "El Teniente". Sewell veranschaulicht die hohe wirtschaftliche und soziale Bedeutung, die der Rohstoff Kupfer für das Land Chile hat.

China:
Yin Xu, einstige Hauptstadt der späten Shang-Dynastie (1300 bis 1046 vor Chr.), ist ein außergewöhnliches Beispiel für die Architektur der damaligen, schon hoch entwickelten chinesischen Gesellschaft. Zahlreiche archäologische Funde belegen technische und wissenschaftliche Innovationen, zu denen ein Sonnen- und Mondkalender und der älteste Nachweis der chinesischen Schriftzeichen gehören.

Deutschland:
Altstadt von Regensburg und Stadtamhof. Regensburg war im Hohen Mittelalter ein politisches Zentrum des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und ein blühendes europäisches Handelszentrum. Die Altstadt gilt als außergewöhnliches Beispiel für eine intakte mittelalterliche Großstadt. Architektonische Besonderheiten sind die Patrizierhäuser und -türme, der Dom und die alte Steinbrücke aus dem 12. Jahrhundert. Auf engem Raum reihen sich 984 Baudenkmäler, die teilweise bis auf die Römerzeit zurückgehen.

Gambia/Senegal:
Die Megalithischen Steinkreise in Gambia (Kerbatch und Wassu) und dem Senegal (Sine Ngay?ne und Wanar) sind ein einzigartiges Zeugnis der Megalithkultur und markieren eine weitläufige spirituelle Landschaft. Entlang des Flusses Gambia liegen mehr als 1000 megalithische Steinkreise und Hügelgräber. Ihre kulturelle Bedeutung über Jahrtausende hinweg dokumentieren Funde aus den Grabanlagen, die auf den Zeitraum vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis 16. Jahrhundert n. Chr. datiert werden.

Großbritannien:
Die Minen von Cornwall und Devon sind beispielhaft für eine frühindustriell geprägte Kulturlandschaft und zeugen von der industriellen Revolution im frühen 19. Jahrhundert. Damals wurden zwei Drittel des Weltbedarfs an Kupfer hier produziert, technologische Neuerungen hatten hier ihren Ursprung.

Iran:
Das Felsenrelief von Bisotun aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. an der Handelsroute zwischen dem iranischen Hochplateau und Mesopotamien ist von hoher Bedeutung für die Geschichte Südwestasiens. Die dreisprachige Inschrift des Monuments von Darius I. gilt als wichtige Quelle für die Entschlüsselung der Keilschrift.

Italien:
Die Strade Nuove ("Neuen Straßen") und die Palazzi dei Rolli (Adelspaläste der Familie Rolli) in Genua veranschaulichen die kulturelle, politische und ökonomische Blüte der Handelsstadt Genua im 16. und 17. Jahrhundert. Das Ensemble ist ein bedeutendes Beispiel für die europaweite Entwicklung von Architektur und Städtebau im Manierismus und Barock.

Malawi:
Die Felsmalereien in Chongoni sind Zeugnis der Begegnung zweier Lebensformen. Sie zeigen neben Szenen des Jäger- und Sammlervolkes der Batwa auch die Entwicklung bäuerlicher Lebensweisen der Chewa, dem größten Volksstamm in Malawi. Die Malereien sind Meisterwerke menschlicher Kreativität und spielen bis heute eine Schlüsselrolle in der Chewa-Kultur.

Mauritius:
Das historische Lager Aapravasi Ghat in Port Louis bezeugt die Geschichte von über einer halben Million indischer Vertragsarbeiter auf den Zuckerplantagen, die der britische Kolonialstaat zwischen 1834 und 1920 nach Mauritius importierte. Das historische Gebäude dokumentiert die erste kolonialstaatlich geregelte Arbeitsmigration, die den Sklavenhandel ablöste, und markiert den frühen Beginn der Globalisierung des Arbeitsmarktes. Mauritius ist damit erstmals in der Welterbeliste vertreten.

Mexiko:
Die Agavenlandschaft und die Tequila-Produktionsstätten prägen seit dem 16. Jahrhundert kulturell und landschaftlich die Region zwischen dem Vulkan Tequila und dem Rio Grande. Die Verbindung mesoamerikanischer und europäischer Traditionen in Kultur und Technik hat außergewöhnliche Formen von Architektur, Literatur, Film, Musik und Tanz hervorgebracht.

Oman:
Das Aflaj-Bewässerungssystem im Sultanat Oman ist ein weit verzweigtes, teilweise unterirdisch verlaufendes Kanalsystem, das über 2500 Jahre die Wasserversorgung im iranischen Hochland regelte und heute noch Bedeutung für die Landwirtschaft hat. Zum Welterbe wurden fünf ausgewählte Aflaj-Kanäle erklärt, die insgesamt etwa 3.000 noch funktionierende Kanalsysteme im Oman repräsentieren.

Polen:
Die Jahrhunderthalle in Breslau von Max Berg zählt zu den Vorbildern der architektonischen Moderne. Sie wurde 1913 in Stahlbeton errichtet und war mit einer Kuppelspannweite von 65 Metern zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung die weltweit größte Halle dieser Art.

Spanien:
Die älteste bekannte Schwebefähre "Portugalete" (Vizcaya-Brücke) an der Bucht der Biskaya beeinflusste seit ihrer Errichtung 1887 bis 1893 die Entwicklung von Stahlseilkonstruktionen weltweit. Das originelle technische Meisterwerk ist zudem ein besonderes Beispiel für die ästhetische Bereicherung der Landschaft durch ein industrielles Bauwerk.

Syrien:
Die mittelalterlichen Burgen in Syrien gehören zu den am besten erhaltenen Befestigungsanlagen aus der Zeit der Kreuzzüge (11. bis 13. Jahrhundert) im Nahen Osten. Die Festung der Johanniter "Crac de Chevalier" und die byzantinische Residenzburg "Festung Saladin" sind architektonische Zeugnisse der über drei Jahrhunderte andauernden Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen.

Tansania:
Die Felsenmalereien in Kondoa geben ein einzigartiges Zeugnis über den Wandel der Lebensweise von Jägern und Sammlern hin zur Agrargesellschaft. Die mehr als 150 Darstellungen von Jagdszenen, Sternbildern und abstrakten Mustern werden bis heute als spirituelle Orte besucht und dokumentieren auf einzigartige Weise die kulturelle Identität der dort lebenden Völker.

Die zwei neuen Naturerbestätten

China:
Das Panda-Naturreservat in Sichuan beheimatet fast ein Drittel der weltweiten Population des Großen Panda und ist damit das bedeutendste Schutz- und Zuchtgebiet für die bedrohte Tierart. Das Reservat weist eine außergewöhnliche natürliche Vielfalt auf.

Kolumbien:
Das Naturreservat Malpelo ist das größte und einzige unbefischte Naturreservat im Ostpazifischen Ozean. Das intakte maritime Ökosystem ist die Heimat seltener Arten von Haien und Riesenbarschen.

Erweiterungen

Finnland/Schweden:
Mit der Erweiterung der Welterbestätte Schärenküste (seit 2000) um den finnischen Kvarken-Archipel ist eine grenzüberschreitende Naturerbestätte "Schärenküste ? Kvarken-Archipel" entstanden. Erweiterungen beschloss das Welterbe-Komitee auch für die Welterbestätten Vall del Madriu-Perafita-Claror in Andorra und das Kathmandu-Tal in Nepal.

Serbien und Montenegro:
Die Welterbestätte Kloster De?ani wurde um drei weitere Sakralbauten (Klöster Pe? und Gra?iana, Kirche der Jungfrau von Ljevi?a) erweitert und in "Mittelalterliche Denkmäler im Kosovo" umbenannt. Gleichzeitig wurde die Stätte in die Liste des gefährdeten Welterbes aufgenommen.

Die "Rote Liste" des gefährdeten Welterbes

Außer den Mittelalterlichen Denkmälern im Kosovo wurde das Dresdner Elbtal wegen der Gefährdung durch einen geplanten Brückenbau in die so genannte "Rote Liste" aufgenommen. Das Welterbekomitee forderte Deutschland dringend auf, das Bauvorhaben "Waldschlösschenbrücke" in Dresden zu stoppen und nach alternativen Lösungen zu suchen, um den Schutz der Kulturlandschaft Dresdner Elbtal sicherzustellen.

Der Kölner Dom wurde von der Roten Liste gestrichen. Die Stadt Köln habe den Forderungen des Komitees weitgehend entsprochen. Damit sei die Gefährdung des Doms abgewendet. Vier weitere Welterbestätten konnten dank erfolgreicher Rettungsmaßnahmen ebenfalls aus der Roten Liste gestrichen werden: die Ruinenstadt Tipasa in Algerien, der Tempelbezirk von Hampi in Indien, das Vogelschutzgebiet Djoudj im Senegal und der Nationalpark Ichkeul in Tunesien.

Die Rote Liste verzeichnet jetzt insgesamt 31 gefährdete Welterbestätten. In der Roten Liste führt das UNESCO-Welterbekomitee Stätten des Weltkultur- und -Naturerbes, die durch Kriege, Naturkatastrophen oder durch menschliche Eingriffe besonders bedroht sind. Weiterhin auf der Roten Liste stehen unter anderem die Ruinen von Jam in Afghanistan, die Altstadt von Jerusalem und der Nationalpark Everglades in den USA. Für ihre Erhaltung sind umfangreiche Maßnahmen erforderlich.

www.unesco.de


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