LibanonBeirut/Berlin (epo.de). - Deutsche Hilfswerke und nichtstaatliche Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit (NRO) haben erste Hilfsmaßnahmen im Libanon gestartet. Das Bischöfliche Hilfswerk MISEREOR stellte 50.000 Euro bereit. Medico international will auf Bitten seiner libanesischen Partner 10.000 Euro Soforthilfe in den Libanon senden. Medico und der Attac-Koordinierungskreis riefen zu Spenden für die kriegsgeschädigte Zivilbevölkerung im Libanon auf. Einhellig wurden die Angriffe auf Zivilisten durch die libanesische Hisbollah-Miliz und die israelische Armee verurteilt.

MISEREOR unterstützt die von den kriegerischen Auseinandersetzungen betroffene Zivilbevölkerung im Südlibanon mit 50.000 Euro Soforthilfe. Die Mittel sollten angesichts einer wachsenden Zahl von Flüchtlingen Projektpartner in die Lage versetzen, bei der Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser, Nahrungsmitteln, Medikamenten und Unterkünften zu helfen, teilte das katholische Hilfswerk am Donnerstag in Aachen mit.

"Wir stehen in Kontakt mit unseren langjährigen Partnern im Südlibanon. Sie bitten uns eindringlich um Hilfe in einer Situation, die sich von Tag zu Tag verschlimmert", berichtete MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Josef Sayer. "Über 500.000 Menschen befinden sich inzwischen im Libanon auf der Flucht. Diesem Leiden der Zivilbevölkerung können wir nicht tatenlos zusehen. Wir verurteilen die Angriffe auf die Zivilbevölkerung und die Zerstörung von überlebenswichtiger Infrastruktur im Libanon ebenso wie in Israel und Gaza. Zugleich unterstützen wir die Forderungen des Vatikans und des G8-Gipfels: Die Konfliktparteien und die Internationale Gemeinschaft müssen alles dafür tun, damit sowohl die Terrorakte gegen Israel als auch die israelischen Militärschläge aufhören und erneuten Bemühungen um einen Friedensprozess im Nahen Osten weichen."

"Wir gehen durch schwierige Tage, erneut stehen wir im Krieg", schrieb Nabila Espanioly aus Nazareth. Die MISEREOR- Partnerin und Trägerin des Aachener Friedenspreises initiiert Projekte zur Friedenserziehung mit der arabischen Bevölkerung Israels. "Mit den Kindern und Familien unter diesen Bedingungen zusammenzuarbeiten, ist sehr schwierig. Viele Eltern wissen nicht, wie sie mit den Ängsten und Alpträumen ihrer Kinder umgehen sollen. In einer solchen Situation ist die Arbeit einer Friedensinitiative sehr wichtig, aber wir können sie nicht ohne Hilfe von außen bewältigen."

Robert Caracache, Leiter einer von MISEREOR geförderten Einrichtung für gefährdete Jugendliche in Beirut, berichtete: "Jeden Tag hört man die Einschläge. Man fühlt sich wie in einer Mausefalle, gefangen durch die Blockade zu Wasser, zu Land und in der Luft. Die Situation der Flüchtlinge ist katastrophal. Der Bischof von Tyros hat alle Türen seines Bischofssitzes für diese Menschen geöffnet. Er hat kaum noch Mittel, sie zu ernähren und mit dem Nötigsten zu versorgen."

AUFRUF VON MEDICO UND ATTAC

Die Frankfurter Hilfsorganisation medico international und der Koordinierungskreis des globalisierungskritischen Netzwerks Attac haben wenden sich angesichts des Krieges zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz mit einem gemeinsamen Aufruf an die bundesdeutsche Öffentlichkeit gewandt. "Es hilft nicht, das Versagen der Politik durch Bombardements zu kaschieren", heißt es in dem gemeinsamen Text, "da mit jedem Bombardement Beiruts. mit jeder Rakete, die in Haifa einschlägt, Ohnmacht, Hass und der Wunsch nach Vergeltung in der gesamten Region zu wachsen drohen".

Beide Organisationen erklärten, dass "die gesamte Zivilbevölkerung im Südlibanon und in Galiläa die Leidtragenden einer ausweglosen militärischen Konfrontation sind, die niemandem Sicherheit bringt, sondern allen mit 'irakischen Verhältnissen' droht."

Für den Koordinationskreis von Attac betonte Peter Wahl, Friedenchancen lägen allein in internationalen Verhandlungen, nicht in einem "militärischen Diktat". "Auch im Nahen Osten", so Wahl, " geht es um gleiche Rechte für alle, gegenseitige Anerkennung, Sicherheit und die Zurückweisung jeglichen national geschürten Hasses".

medico international unterstützt mit seinen Gesundheitsprojekten die demokratische Zivilgesellschaft im Libanon, in Israel und den palästinensischen Gebieten. "Unsere Partner aus Beirut berichten uns in verzweifelten Telefonaten von einer immensen Zerstörungen der zivilen Infrastruktur des Landes", sagte Martin Glasenapp, Nahost-Koordinator von medico international. Es fehlten schon jetzt Lebensmittel, Wasser und Babynahrung in den armen und von den Luftangriffen besonders heimgesuchten Ortschaften des Südlibanons. medico international hat auf Bitten seiner libanesischen Partner 10.000 Euro Soforthilfe bereitgestellt und ruft gemeinsam mit Attac zu weiteren Spenden auf.

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