GfbVGöttingen (epo.de). - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat eindringlich vor einem neuen großen Krieg am Horn von Afrika gewarnt. Wenn die Intervention ausländischer Truppen in Somalia nicht gestoppt werde, könne es zu einer Massenflucht von hunderttausenden Menschen kommen, sagte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius in Göttingen. Seit Januar 2006 seien bereits mehr als 32.000 Menschen aus Somalia in das Nachbarland Kenia geflohen.

Weitere 80.000 Flüchtlinge würden in den kommenden zwei Monaten erwartet, sagte Delius. Dies sei nur der Anfang einer drohenden humanitären Katastrophe. Truppen der verfeindeten Länder Äthiopien und Eritrea schickten sich an, in Somalia einen Stellvertreterkrieg zu beginnen. Dem dürfe die EU nicht länger tatenlos zusehen.

Nachdrücklich müsse die EU gegenüber Äthiopien und Eritrea auf einem sofortigen Rückzug ihrer Truppen aus Somalia bestehen, forderte die GfbV in Schreiben an die EU-Kommission und die finnische EU-Präsidentschaft. Denn diese ausländischen Soldaten schürten dort nur anti-äthiopische Gefühle. Äthiopien spiele mit seinem Militäreinsatz radikal-muslimischen Kräften in die Hände, die nun zum "Heiligen Krieg" gegen das Nachbarland aufrufen. "Äthiopiens militärisches Engagement in Somalia ist unverantwortlich, da bis zu zwölf Staaten in einen Krieg verwickelt werden könnten", warnte Delius.

Massive Kritik übte die GfbV an der EU. Im Gegensatz zur US-Regierung, die in den letzten Tagen Äthiopien mehrmals zum Rückzug seiner Truppen aufgefordert habe, bleibe Brüssel untätig. Zwar habe die EU-Kommission erst am 20. Oktober ein neues Strategiepapier zum Horn von Afrika vorgelegt, doch konkrete Initiativen zur Sicherung des Friedens seien ausgeblieben. Auch unternehme die EU nichts, um die Spannungen zwischen Äthiopien und Eritrea abzubauen.

Experten der Vereinten Nationen gehen davon aus, dass zurzeit mindestens 6.000 äthiopische Soldaten und bis zu 2.000 eritreische Armeeangehörige auf somalischem Territorium operieren. Während Äthiopien sich mit seinem Engagement an der Seite der machtlosen gemäßigten Übergangsregierung als Partner im Kampf gegen den Terror empfehlen und seine unsichere Grenze zu Somalia sichern wolle, suche Eritrea mit seiner Unterstützung radikal-muslimischer Kräfte in Somalia dem verfeindeten Äthiopien zu schaden. So drohe in Somalia eine Fortsetzung des Grenzkrieges zwischen Äthiopien und Eritrea, der von 1998 bis zum Jahr 2000 mehr als 100.000 Menschenleben kostete.

 GfbV


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