?rzte ohne GrenzenBerlin/Genf (epo.de). - Mit den gängigen Tests und Medikamenten lassen sich die zunehmenden Fälle der oft tödlich verlaufenden multi- und extremresistenten Tuberkulose (MDR-TB und XDR-TB) nicht bekämpfen. Zu diesem Ergebnis kommt Ärzte ohne Grenzen nach mehrjährigen Behandlungsprogrammen in verschiedenen Ländern Asiens und Afrikas. Anlässlich des Welt-Tuberkulose-Tages am 24. März forderte die internationale Hilfsorganisation größere Anstrengungen zur Forschung und Entwicklung neuer Diagnostika und Medikamente.

Jährlich gibt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 420.000 neue Fälle von MDR-TB. Ärzte ohne Grenzen hat seit 1999 insgesamt 570 Patienten mit dieser gegen die gängigen Tuberkulosemedikamente resistenten Form der Krankheit in Armenien, Abchasien, Georgien, Kambodscha, Kenia, Thailand, Uganda und Usbekistan behandelt. Nur 55 Prozent der Patienten hätten die 18- bis 24-monatige Behandlung erfolgreich abgeschlossen, so die Organisation. Die anderen seien an den Folgen der Krankheit gestorben, hätten auf die Medikamente nicht angesprochen oder die Behandlung wegen starker körperlicher und psychischer Nebenwirkungen abgebrochen.

"Wenn sich Resistenzen gegen die wichtigsten TB-Medikamente entwickeln, müssen wir auf ältere Wirkstoffe zurückgreifen", erklärte Jessica Adam, Ärztin der Hilfsorganisation in Usbekistan. "Das bedeutet eine längere Behandlung, für die wir wesentlich giftigere Medikamente einsetzen müssen. Außerdem ist die Therapie deutlich teurer: Sie kann mehr als 11.000 Euro kosten."

Für Tido von Schön-Angerer, Leiter der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen, sind die internationalen Strategien zum Umgang mit Tuberkulose gescheitert. "MDR-TB und die noch gefährlichere XDR-TB, die zusätzlich zu den gängigen Tuberkulosemedikamenten auch gegen fast alle Formen der derzeit üblichen Antibiotika resistent ist, sind nur die Spitze des Eisbergs", sagte er. "Wir brauchen unbedingt neue Instrumente und zwar sofort."

Nach Untersuchungen von Ärzte ohne Grenzen wird keiner der derzeit in Erprobung befindlichen Wirkstoffe die Therapiemöglichkeiten in naher Zukunft deutlich verbessern. Die zurzeit entwickelten Testverfahren seien für die Bedingungen in ärmeren Ländern nicht geeignet. Insgesamt würden anstelle der jährlich benötigten 700 Millionen Euro derzeit weltweit nur rund 150 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung investiert.

Eine große Verantwortung bei der Erforschung der Tuberkulose sieht von Schön-Angerer auch für Deutschland. "In Deutschland gibt es große Kapazitäten, hervorragende Pharmaforschung durchzuführen. Dennoch stammt nur ein verschwindend kleiner Teil der Mittel für die Tuberkuloseforschung weltweit aus Deutschland. Robert Koch würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, wie wenig die Bundesregierung zur Förderung der Tuberkuloseforschung unternimmt."

www.aerzte-ohne-grenzen.de


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