Verbreitung der TuberkuloseBasel (epo.de). - Ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit dem Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis infiziert, fast zwei Millionen Menschen sterben jährlich an der Infektionskrankheit. Ein Forscherteam am Biozentrum der Universität Basel hat nun einen Weg erkannt, auf dem das tödliche Bakterium seine Zerstörung durch die menschliche Immunabwehr verhindert. Die Forschungsergebnisse eröffnen neue Perspektiven zur Bekämpfung von Tuberkulose.

Der Tuberkuloseerreger M. tuberculosis besitzt die aussergewöhnliche Fähigkeit, sich innerhalb von Fresszellen (so genannten Makrophagen) zu verstecken, ohne vernichtet zu werden. Dort kann sich das Bakterium über lange Zeit unbehelligt verbergen, und die Krankheit bricht erst aus, wenn der Gesundheitszustand des Wirts beeinträchtigt ist. Diese Persistenz ist mit ein Grund, weshalb durch Tuberkulose mehr Menschen sterben als durch jeden anderen bakteriellen Krankheitserreger.

Normalerweise, so die Forscher der Universität Basel, werden Bakterien im Inneren der Makrophagen von so genannten Phagosomen aufgenommen und an bestimmte Zellorganellen (Lysosomen) weitergereicht, die die Erreger verdauen. M. tuberculosis habe indes eine sehr effektive Strategie entwickelt, um gegen diese Immunabwehr zu bestehen, indem es seine Auslieferung an die Lysosomen verhindert und in den einigermassen komfortablen Phagosomen überlebt.

Bereits 1999 hatten Prof. Dr. Jean Pieters und sein damaliger Forschungsassistent Giorgio Ferrari ein Protein namens TACO identifiziert (heute als coronin 1 bezeichnet), von dem sie vermuteten, dass es die Auslieferung der Krankheitserreger an die Lysosomen verhindert. "Nun ging es um den Nachweis, dass TACO/coronin 1 der entscheidende Faktor für das Überleben von M. tuberculosis war", erläuterte Pieters. Denn andere Forschungsergebnisse legten nahe, dass dieses Protein vielmehr die Regulierung der Zellstruktur beeinflusst.

Mit ausgefeilten Experimentanlagen gelang dem Basler Forscherteam jetzt der Nachweis: Wenn coronin 1 fehlt, hat M. tuberculosis keine Chance. Die Bakterien werden unverzüglich zu den Lysosomen transportiert und zerstört.

Die Forschungsergebnisse eröffnen neue Perspektiven zur Bekämpfung von Tuberkulose, auch wenn es bis zu Präparaten für eine Behandlung der Krankheit noch ein weiter Weg ist. "Was wir jetzt in der Hand haben, ist ein komplett neuer und unerwarteter Pfad, von dem wir wissen, dass wir über ihn kleine Moleküle zu den Zielzellen hin schleusen können. Eine unserer künftigen Herausforderungen wird es sein, die einzelnen Prozesse besser zu verstehen und zu begreifen, welche Elemente sie in Gang setzen und stoppen", so Pieters.

[Grafik: In den rot hervorgehobenen Ländern treten 80 % aller Tuberkulose-Erkrankungen weltweit auf. Quelle: Wikipedia/WHO]

www.biozentrum.unibas.ch


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