TransFairKöln (epo). - Nach den Diskussionen um den Ticketverkauf für die Fußball-WM 2006 ist jetzt auch eine Debatte darüber entbrannt, welche Bälle die FIFA bei den WM-Spielen einsetzen soll. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und die Fairhandelsorganisation TransFair Deutschland haben die FIFA aufgerufen, bei allen WM-Spielen ausschließlich Fußbälle aus fairem Handel einzusetzen. "Wenn man an die Arbeitsbedingungen denkt, unter denen Profi-Fußbälle häufig hergestellt werden, kann einem die Lust am Fußball vergehen", sagte vzbv-Vorstand Edda Müller.

In einem Brief an FIFA-Chef Sepp Blatter rufen der vzbv und TransFair die FIFA dazu auf, Sponsoring-Partner adidas-Salomon zu verpflichten, bei der WM 2006 ausschließlich solche Bälle einzusetzen, die den TransFair-Standards für faire Produktions- und Handelsbedingungen entsprechen.

Die Bälle bei der Fußball-WM 2006 werden von adidas-Salomon kommen, einem der zehn offiziellen Sponsoring-Partner der FIFA. Zwar habe sich adidas-Salomon in einem eigenen Kodex dazu verpflichtet, nur mit solchen Zulieferern zusammenzuarbeiten, "die ihre Mitarbeiter in bezug auf Löhne, Sozialleistungen und Arbeitsbedingungen fair und gesetzeskonform behandeln". Der faire Handel setzt jedoch höhere Standards. "Langfristigkeit, Vorfinanzierung, Stärkung der Angestellten und eine Sozialprämie sind die Säulen einer nachhaltigen Entwicklung in den Nähzentren", so Dieter Overath, Geschäftsführer von TransFair.

70 Prozent aller handgenähten Fußbälle des Weltmarktes kommen TransFair zufolge aus Pakistan, wo sie häufig unter miserablen Arbeitsbedingungen hergestellt würden. Allerdings gebe es seit einiger Zeit auch Initiativen, um die Lebensbedingungen der von der Fußballproduktion abhängigen Menschen zu verbessern. So sind auch in Deutschland Bälle erhältlich, die mit dem TransFair-Siegel ausgezeichnet sind.

Mit ihrem Projekt Green Goal hat sich die FIFA erstmals offiziell dazu bekannt, bei der Fußball-WM ökologische Aspekte in den Vordergrund zu stellen. Mindestens ebenso wichtig ist die Frage, unter welchen sozialen Bedingungen diejenigen Produkte hergestellt werden, die im Mittelpunkt des weltweiten Medieninteresses stehen: Sportbekleidung, Fußballschuhe und Bälle. "Mit der WM haben wir die einmalige Chance vor der Weltöffentlichkeit ein klares Zeichen für Fairness zu setzen. Die FIFA könnte mit der Auswahl der Spielbälle eine Vorbildfunktion übernehmen", so Overath.

Die Fußballproduktion ist eine aufwändige und anstrengende Handarbeit. Die Näherinnen und Näher der pakistanischen Hersteller benötigen rund zwei Stunden, um das Kunststück aus 32 Waben mit über 700 Stichen anzufertigen. Einen festen Lohn erhalten die Beschäftigten TransFair zufolge dort selten, sie werden pro abgeliefertem Ball bezahlt. Hierbei richte sich der Stückpreis nach der Ballqualität. Die Arbeiter müssten mit dem Entgelt ihre Familien ernähren, die aus durchschnittlich sechs bis sieben Personen bestehen. Der normale tägliche Arbeitslohn decke meist nicht die Lebenshaltungskosten von vier bis fünf Euro.

Um dieser Situation entgegenzuwirken, gibt es inzwischen Fußbälle, die das TransFair-Siegel tragen. Nur wer sich vertraglich verpflichtet, die Kriterien des Fairen Handels einzuhalten und dies auch von TransFair beziehungsweise der internationalen Dachorganisation FLO kontrollieren lässt, darf seine Produkte mit dem Fairtrade-Siegel auszeichnen. Bei den Partnern des Fairen Handels sind Zwangs- und illegale Kinderarbeit verboten. In den Fabriken sind eigenständige, unabhängige Vertretungen der Arbeiter/Innen zugelassen. Alle Beschäftigten sind berechtigt, sich einer unabhängigen Gewerkschaft anzuschließen und kollektiv über Löhne und Arbeitsbedingungen zu verhandeln.

Ein Komitee aus Arbeitervertretern, Gewerkschaftern und Firmenbesitzern, das Joint-Body, bestimmt gemeinsam über die Verwendung des Fairtrade-Sozialfonds. Die Importeure sind verpflichtet, langfristige Lieferverträge abzuschließen und auf Wunsch eine Vorfinanzierung zu gewähren. Die Kaufverträge werden je nach Ballqualität zu den jeweils nach Fairhandelskriterien vereinbarten Einkaufspreisen abgeschlossen. Zusätzlich wird eine Fairtrade-Prämie von 15 Prozent des Importpreises für Sozialprojekte vor Ort bezahlt. Die Joint-Bodies bestimmen selber, wie sie die Fairtrade-Prämien nutzen, zum Beispiel für Gesundheitsvorsorge, Kinderbetreuung oder Kleinkredite.

TransFair



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