germanwatchBerlin/Herne (epo). - Der jahrelange Streit zwischen dem deutschen Reifenhersteller Continental und der Gewerkschaft des Euzkadi-Werkes in Guadalajara ist beigelegt. Wie die Menschenrechtsorganisation FIAN und die Nord-Süd-Initiative Germanwatch berichteten, erreichten die Arbeiter nach dreijährigem Streik gegen die widerrechtliche Schließung ihres Werkes durch Continental ihre wichtigsten Ziele: die Wiedereröffnung des Euzkadi-Werkes und die Erhaltung ihrer Arbeitsplätze. Sie sollen nun zu 50 Prozent Miteigentümer des Reifenwerkes werden.

"Für die Arbeiter und alle, die sie im Kampf für ihre Rechte unterstützt haben, ist diese Lösung ein großer Erfolg", sagte Cornelia Heydenreich von der Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch. Continental habe nach der nicht genehmigten Schließung des Werkes im Dezember 2001 eine Wiedereröffnung der Fabrik strikt abgelehnt. Möglich wurde die jetzige Lösung laut Germanwatch durch vier Faktoren: Erstens hatte Continental mehrere Niederlagen vor mexikanischen Gerichten erlitten. Zweitens wuchs in Deutschland und auf europäischer Ebene der öffentliche und politische Druck auf die Unternehmensleitung. Drittens interessierte sich in Mexiko das Unternehmen Llanti Systems, einer der wichtigsten Geschäftspartner von Continental, für die Übernahme des modernen Reifenwerkes. Nicht zuletzt schwenkte die mexikanische Regierung nach einem Urteil des mexikanischen Arbeitsgerichtshofes im Februar 2004 um und erkannte den Streik der Arbeiter als rechtmäßig an. Die Regierung will die Wiedereröffnung des Werkes finanziell unterstützen.

Das am 17. Januar in Mexiko-Stadt unterzeichnete Abkommen sieht vor, dass die Gewerkschaft und Llanti Systems das Werk in einer gemeinsamen Gesellschaft übernehmen. Die Arbeiter erhalten neben den Abfindungen, die Continental bislang angeboten hatte, die Eigentümerschaft über die Hälfte des Werkes, dessen Wert auf insgesamt 80 Mio. US-Dollar geschätzt wird. "De facto zahlt Continental damit den Arbeitern den Großteil der seit drei Jahren ausstehenden Löhne", erklärte Martin Wolpold-Bosien von der internationalen Menschenrechtsorganisation FIAN. Darüber hinaus habe sich die mexikanische Regierung verpflichtet, mit Investitionsbeihilfen die Wiederinbetriebnahme des Werkes zu erleichtern.

In Deutschland hatten sich neben Germanwatch und FIAN die Deutsche Menschenrechtskoordination Mexiko, der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, die Heinrich-Böll-Stiftung, der Evangelische Entwicklungsdienst, attac Hannover, das Dritte-Welt-Forum Hannover, weitere Initiativen in Berlin und Hannover sowie zahlreiche Stimmen aus gewerkschaftlichen Kreisen für die Erhaltung des Werkes eingesetzt. Die Chronologie des Konfliktes findet sich unter www.germanwatch.org/tw/continental.htm.

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