Rheinmünster/Hamburg (epo). - Anlässlich des 20. Jahrestages des größten Industrieunfalls der Geschichte in Bhopal/Indien haben Greenpeace-Aktivisten auf der Mole eines Industriehafens bei der Firma Dow Chemical bei Rheinmünster ein Mahnmal aufgebaut. Das Mahnmal am Oberrhein ist eine Kopie des "Bhopal Memorial" - die Skulptur einer Frau mit zwei Kindern, die sich vor dem Erstickungstod zu retten versucht. Auf einem Banner am Verladekran steht "Bhopal stirbt - Dow schweigt!"

Die Umweltschützer werfen dem Chemiekonzern vor, sich bis heute nicht seiner Verantwortung für die Opfer der Giftgaskatastrophe im indischen Bhopal zu stellen. An den Folgen des Unfalls in der US-Firma Union Carbide starben seit 1984 rund 20.000 Menschen. Die Folgen der Katastrophe seien bis heute nicht bereinigt, das verseuchte Gelände nicht saniert, so Greenpeace.

"Dow muss sich als heutiger Eigentümer von Union Carbide endlich zu seiner Verantwortung für die Schäden in Bhopal bekennen und dafür sorgen, dass dort nicht immer weiter Menschen vergiftet werden", sagte Greenpeace-Sprecher Andreas Bernstorff. "Als erstes müssen das Gelände und das Grundwasser saniert werden, damit es nicht ständig zu Neuerkrankungen kommt. Die Kosten können für den Konzern kein Problem sein."

Am 3. Dezember 1984 waren in Bhopal aus einem Tank einer Pestizidfabrik 40 Tonnen eines hochgiftigen Gasgemischs mit Methylisocyanat entwichen. 8.000 Menschen starben unmittelbar an Atemlähmung und Herzstillstand oder erlitten Verätzungen der Augen und Lungen. "Union Carbide verließ die Stätte fluchtartig und hinterließ eine monströse Altlast: Hunderte Tonnen Giftmüll und 27.000 Tonnen verseuchtes Erdreich. Die Luft in Bhopal ist beißend, das Brunnenwasser vergiftet. Heute müssen die Ärzte neben den Gasopfern immer mehr Menschen behandeln, die sich neu mit Wasser vergiftet haben. Bei den Nachgeborenen häufen sich Missbildungen", konstatierte Greenpeace.

Union Carbide habe mit indischen Behörden 470 Millionen US-Dollar Schadenersatz ausgehandelt. 2001 wurde das Unternehmeb von Dow Chemical Company gekauft. Dow betrachte sich als völlig unbeteiligt und verweigere jede Hilfe für die Opfer, kritisiert die Umweltorganisation.

"Dow kann mit der Übernahme aller Vermögenswerte von Union Carbide nicht gleichzeitig das Bhopal-Erbe ausschlagen", erklärte Bernstorff. Greenpeace fordert neben den ersten Sanierungsmaßnahmen langfristige medizinische Versorgung und bessere Entschädigungen. Die bisher gezahlten Gelder reichten oft nicht einmal für Medizin. Greenpeace hatte eine Machbarkeitsstudie zur Sanierung in Auftrag gegeben und die Ergebnisse letzten Monat in Bhopal vorgestellt. Die Experten schlagen eine Beseitigung der Anlagenteile und Abfälle und einen Austausch des Erdreichs vor. Von der Politik fordert Greenpeace internationale Haftungsregeln, um die Verantwortlichkeit multinationaler Konzerne zu erhöhen.

Auf der Website bhopal.com verweist das "Union Carbide Corporation Bhopal Information Center" hingegen darauf, Union Carbide habe die Verantwortung fünf Jahre nach der "schrecklichen Tragödie" übernommen und alle Forderungen von Opfern erfüllt. Die Regierung des indischen Bundesstaates Madhya Pradesh habe 1998 "die volle Verantwortung" für die Unglücksstelle übernommen.

Greenpeace


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