CO2 BarometerFrankfurt (epo.de). - In Europa entwickelt sich ein dynamisch wachsender Markt für CO2-Zertifikate. Davon sind die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) überzeugt, die jetzt erstmals das "KfW/ZEW CO2-Barometer" veröffentlicht haben. Das CO2-Barometer soll durch die Befragung deutscher emissionshandelspflichtiger Unternehmen und internationaler CO2-Handelsexperten eine Informationslücke schließen. Denn die Datenbasis zur Entwicklung von Angebot und Nachfrage sowie von Preisen für Emissionszertifikate sei "noch sehr lückenhaft", räumen die Institute ein.

Grundlage für den wachsenden Markt für CO2-Zertifikate ist das Emissionshandelssystem der EU (EU ETS), das erste groß angelegte, länderübergreifende Handelsprogramm für Treibhausgase weltweit. Das CO2-Barometer, das von der KfW Bankengruppe und vom ZEW gemeinsam entwickelt wurde, solle durch eine jährliche Studie Marktentwicklungen und Unternehmensstrategien erkennen und diese empirische Grundlage zur Weiterentwicklung der Wirtschaftspolitik und von neuen Förderinstrumenten nutzen, erklärte der Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe, Norbert Irsch.

Dem KfW/ZEW CO2-Barometer 2009 zufolge nehmen drei Viertel der emissionshandelspflichtigen Unternehmen in Deutschland bereits am Handel mit CO2-Zertifikaten teil oder planen, dies zu tun. Allerdings sei in einzelnen Marktsegmenten bisher "aufgrund von Unsicherheiten und hohen Transaktionskosten nur eine geringe Handelsaktivität festzustellen". Dies betreffe zum einen den Handel mit Zertifikaten für die Zeit nach 2012, also nach Abschluss der derzeit laufenden Handelsperiode. Zum anderen betreffe es die Nutzung von Emissionsminderungsgutschriften aus den projektbasierten Kyoto-Mechanismen.

" Obwohl drei Viertel aller Unternehmen aktiv am CO2-Markt teilnehmen, handelt nur ein kleiner Anteil (13 %) auf regelmäßiger Basis – darunter überwiegend größere Unter­nehmen", heißt es im CO2-Barometer 2009.

Die Handelsaktivitäten der Unternehmen konzentrieren sich angesichts der Unsicherheiten bezüglich eines zukünftigen Kioto-Folgeabkommens bisher auf die Spot- und Terminmärkte (Gegenwarts- und Zukunftsmärkte) der Handelsperiode 2008-2012. Dagegen sind es weniger als 17 Prozent der deutschen Unternehmen, die eine aktive Teilnahme an den post-2012 Märkten planen oder hier bereits aktiv sind.

PLANUNGSSICHERHEIT WICHTIG

Um längerfristige Planungssicherheit zu erhalten, so die Studie von KfW und ZEW, ist die Verlängerung der Regulierungszeiträume für die überwiegende Mehrheit der Markteilnehmer außerordentlich wichtig. Eine frühzeitige Festlegung der rechtlichen Grundlagen für den Emissionshandel nach 2012 sei daher von zentraler Bedeutung für die weitere Marktentwicklung. Im Bereich der Kyoto-Mechanismen könnte die Marktaktivität zudem von einer Reduktion der Transaktionskosten und Risiken profitieren.

Die Mehrheit der deutschen Unternehmen und internationalen Experten erwarten in der aktuellen Umfrage, dass der Preis für ein EU-Emissionszertifikat (EUA) die Schwelle von 18 Euro pro Tonne CO2 im Dezember 2009 und 30 EUR/tCO2 in den Jahren 2013-2020 nicht übersteigen wird. Der Preis von Emissionsminderungsgutschriften aus Entwicklungs- und Schwellenländern (sCERs) werde leicht niedriger eingeschätzt: 16 EUR/tCO2 im Dezember 2009 und 26 EUR/tCO2 in den Jahren 2013-2020. Die CO2-Preiserwartungen sollen im Rahmen des KfW/ZEW CO2-Indikators künftig vierteljährlich aktualisiert und veröffentlicht werden.

CO2-MINDERUNG NOCH KEIN INVESTITIONSANREIZ

Obwohl die ausgegebenen Emissionszertifikate in der aktuell laufenden zweiten Handelsperiode des EU ETS verknappt wurden, belegen die Ergebnisse des KfW/ZEW CO2-Barometers 2009, "dass die monetären Anreize für CO2-Minderungsmaßnahmen noch keine deutlichen Auswirkungen auf die Investitionsstrategien der Unternehmen haben". Umweltorganisationen hatten wiederholt kritisiert, dass selbst großen CO2-Verschmutzern unter den Konzernen die Emissionszertifikate praktisch geschenkt wurden.

"Auch wenn mehr als 55 Prozent aller Unternehmen bereits Vermeidungsmaßnahmen realisiert haben, war bei der großen Mehrheit (88 Prozent) von ihnen die CO2-Reduktion nur ein Nebeneffekt. Lediglich bei 6 Prozent stand die Emissionsminderung im Vordergrund der Investition", so die KfW.

Aufgrund der sinkenden Emissionsobergrenzen sei jedoch in Zukunft von höheren Zertifikatepreisen auszugehen. Ihr Einfluss auf Investitionsentscheidungen werde dadurch wachsen. Andreas Löschel, Umweltökonom am ZEW, machte deutlich: "Der EU- Emissionshandel bekommt immer höhere Bedeutung für deutsche Unternehmen. Er wird voll in Schwung kommen, wenn die CO2-Preise, wie im KfW/ZEW CO2-Barometer erwartet, nach 2012 stark ansteigen."

Das KfW/ZEW CO2-Barometer 2009 ist im Internet verfügbar unter www.kfw.de im Bereich Research.

www.kfw.de
www.zew.de

 

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