Sonnenkollektoren in Almeria/Spanien. Foto: DLR

München/Hamburg (epo.de). - Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung plant ein Konsortium großer Konzerne die Versorgung deutscher Haushalte mit Solarstrom aus Afrika. Geplant sei, 400 Milliarden Euro in den Bau von Solarkraftwerken in afrikanischen Wüsenregionen zu investieren, schreibt das Blatt. Das "Desertec"-Projekt solle am 13. Juli in München gegründet werden. Die Umweltorganisation Greenpeace lobte das Vorhaben als "eine der klügsten Antworten auf die globalen Umwelt- und Wirtschaftsprobleme dieser Zeit".

Der Süddeutschen Zeitung zufolge soll "Desertec" in zehn Jahren den ersten Strom liefern. Zu den beteiligten Firmen gehörten die Münchener Rück, Siemens, die Deutsche Bank und RWE. Die SZ zitiert den Münchener-Rück-Vorstand Torsten Jeworrek mit den Worten, rund 15 Prozent des europäischen Strombedarfs ließen sich damit abdecken.

GREENPEACE BEGRÜSST PROJEKT

Andree Böhling, Energie-Experte von Greenpeace, sagte zu den Plänen: "Die Initiative der Unternehmen ist eine der klügsten Antworten auf die globalen Umwelt- und Wirtschaftsprobleme dieser Zeit. Ein wichtiger Teilder deutschen Wirtschaft hat endlich verstanden, dass die Zeit reif ist für eine umfassende Nutzung der Erneuerbaren Energien und den Abschied von fossilen Energieträgern und der Atomkraft."

Greenpeace hatte kürzlich eine Studie zu Solarkraftwerken in Afrika vorgestellt (Wüstenstrom könnte ein Viertel des weltweiten Strombedarfs decken). Die Umweltorganisation errechnete, dass solarthermische Kraftwerke bis 2050 den Ausstoß von 4,7 Milliarden Tonnen klimaschädlichem CO2 verhindern könnten. Diese Einsparung entspricht dem sechsfachen Volumen des derzeitigen CO2-Ausstoßes in Deutschland.

Jetzt seien die Politiker in Berlin und Brüssel gefordert, den Investoren sichere Rahmenbedingungen zu schaffen, erklärte Greenpeace. Dazu gehöre eine Anschubfinanzierung sowie eine Einspeisevergütung für Wüstenstrom. "Bundeskanzlerin Angela Merkel muss das Thema Wüstenstrom endlich auf die Agenda des G8-Gipfels im Juli bringen. Die Chance auf weltweit über zwei Millionen neuer Arbeitsplätze darf jetzt nicht verspielt werden."

EUROSOLAR-GRÜNDER SCHEER RÄT AB

Der Gründer von EUROSOLAR und SPD-Bundestagsabgeordete Herrmann Scheer hingegen rät von "voreiligen übertriebenen Erwartungen an dieses Projekt und diesbezügliche Subventionsentscheidungen" ab. Zum einen werde bis zur Projektreife die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Deutschland "zu niedrigeren Kosten und Preisen möglich sein als der Solarstromimport aus Nordafrika", erklärte Scheer am Mittwoch in Kassel. Weiter heißt es in der Erklärung Scheers:

"Es gäbe nur einen einzigen Grund für dieses Projekt; wenn das Potential Erneuerbarer Energien hierzulande nicht ausreichen würde. Mit diesem Argument werden auch die Laufzeitverlängerung der Atomenergie und neue Kohle-Großkraftwerke empfohlen. Doch diese Argumentation ist eine Potentiallüge, die gerade heute auf der Kasseler Konferenz "100 %-Erneuerbare-Energie-Regionen" überzeugt widerlegt wird. Dort haben bereits 99 deutsche Kommunen und Landkreise ihre konkreten Konzepte vorgestellt, wie sie innerhalb von 20 Jahren zu einer Vollversorgung mit Strom aus Erneuerbaren Energien kommen können.

Die DESERTEC-Befürworter übersehen, dass die Investitionsdynamik für Erneuerbare Energien gerade darin liegt, dass es bei dezentraler Anwendung Millionen Investoren und nicht nur wenige Stromkonzerne gibt. Übersehen wird auch, dass mit der Dezentralisierung der Stromerzeugung überall regionale Wertschöpfung stattfindet statt nur in der Hand weniger Stromkonzerne, die unbedingt ihr Anbietermonopol erhalten wollen.

Solarstromerzeugung in Nordafrika ist eine wichtige Option - und zwar für die nordafrikanischen Länder selbst. Aber auch für diese ist die verbrauchsnahe Erzeugung - also die dezentrale - das sehr viel naheliegendere und schneller realisierbare. Wer etwas von Solarenergie versteht, der weiß, dass es massive - und nicht zuletzt wirtschaftliche - Gründe gibt, nicht die Struktur von atomaren und fossilen Großkraftwerken zu kopieren. Diese Struktur war und ist das größte Hindernis gegenüber der Einführung Erneuerbarer Energien. Es ist merkwürdig, dass selbst Greenpeace das noch nicht verstanden hat."

Greenpeace-Energieexperte Andree Böhling sagte dazu, der dezentrale Ausbau erneuerbarer Energien habe auch bei Greenpeace "absoluten Vorrang". Angesichts der weltweiten Ausbaupläne für Kohle- und Atomkraftwerke treffe die Kritik Scheers aber allenfalls für die Situation in Deutschland zu. Ein Übergang zur globalen Versorgung mit erneuerbaren Energien sei deshalb mit zusätzlichen Optionen wie Solarkraftwerken in Wüstenregionen schneller zu erreichen. 

Foto: Sonnenkraftwerk in Almeria/Spanien © DLR

www.desertec.org
www.greenpeace.de
www.eurosolar.org


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