kfsk_150Berlin (epo.de). - Die am Samstag beginnende Weltmeisterschaft der Leichtathleten in Berlin ist auch ein Schaufenster für die Hersteller moderner Sportbekleidung. Doch Sportartikel-Firmen wie Adidas oder Puma lassen ihre Waren in Fabriken in Asien, Lateinamerika und Osteuropa produzieren, "in denen es nachweislich zu massiven Arbeitsrechtsverletzungen kommt", kritisiert die Kampagne für Saubere Kleidung. Trotz freiwilliger Initiativen der Unternehmen habe sich die Lage nicht verbessert.

Die "Clean Clothes Campaign" (CCC) prangert besonders den Hauptsponsor der Leichtathletik-Weltmeisterschaft an. "Adidas stattet die Sportler und Helfer mit Sportbekleidung aus, die unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt wird", sagte Julia Thimm von der Kampagne für Saubere Kleidung/INKOTA-netzwerk am Mittwoch in Berlin. "Trotz Verhaltenskodex und einer Abteilung für Unternehmensverantwortung hat sich die Situation für die Arbeiter in den Zuliefererbetrieben nicht verbessert."

In der weltweiten Sportbekleidungsindustrie leiden die Arbeiter aus der Sicht der CCC unter vier Kernproblemen: extreme Niedriglöhne, Missbrauch von Kurzzeitverträgen und andere unsichere Beschäftigungsformen, Verstöße gegen die Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Tarifverhandlungen sowie kurzfristige Betriebsschließungen aufgrund von Umstrukturierungen.

Neben diesen strukturellen Problemen prangert die Kampagne für Saubere Kleidung Adidas auch in Einzelfällen an. So suchten indonesische Gewerkschafter seit Jahren nach einer neuen Anstellung, nachdem sie aus den Adidas-Zulieferbetrieben PT Spotec und PT Panarub entlassen worden seien. "Sie werden nicht eingestellt, weil Fabrikbesitzer befürchten, dass sie die Arbeiter gewerkschaftlich organisieren", sagte Thimm. Da die Arbeiter über jahrelange Erfahrung in der Textilindustrie verfügten, gehe die Kampagne für Saubere Kleidung davon aus, dass sie diskriminiert würden.

Zur Leichtathletik-WM fordert die Kampagne für Saubere Kleidung Adidas mit Nachdruck auf, internationale Arbeitsrechte sowie den eigenen Verhaltenskodex einzuhalten. "Zu Werbezwecken unterstützten die Sportmarken große Sportereignisse mit hohen Summen – so wie jetzt Adidas die Leichtathletik-WM, aber sie sind nicht bereit, in die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern zu investieren. Der Verhaltenskodex und die Abteilung für Unternehmensverantwortung dienen allein der Imagepflege; an den Arbeitsbedingungen vor Ort hat sich bisher nichts geändert", sagt Thimm.

Die Kampagne für Saubere Kleidung stellt mit Projekten wie der Joint Initiative on Corporate Accountability and Workers Rights (Jo-In) konkrete Lösungen der Probleme vor. "Adidas setzt für alle anderen Unternehmensbereiche überprüfbare Leistungsziele fest. Das muss auch für Sozial- und Arbeitsstandards gelten", forderte Thimm.

www.inkota.de
www.saubere-kleidung.de
www.cleanclothes.org

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