Welttag der humanitären Hilfe. Foto: UNBerlin (epo.de). - Anlässlich des ersten Welttages der humanitären Hilfe am 19. August hat Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier die Verdienste humanitärer Helfer hervorgehoben. Opfer von Naturkatastrophen oder Vertriebene weltweit, ob in Afghanistan oder Darfur, könnten nur dank des Einsatzes von Helfern Zufluchtsorte finden, in denen die schlimmste Not gelindert werden kann.

"Wir alle kennen die Bilder von Flüchtlingslagern – sei es Afghanistan oder Darfur", erklärte Außenminister Steinmeier am Mittwoch in Berlin. "Sie sind letzte Zufluchtsorte für Menschen, die vor Naturkatastrophen und bewaffneten Konflikten geflohen sind. Dass es diese Zufluchtsorte gibt, ist Verdienst der vielen humanitären Helfer, die trotz widriger Bedingungen schnell die schlimmste Not lindern. Ihnen gilt mein großer Dank und meine Anerkennung. Sie geben den Flüchtlingen ein Stück Lebensgrundlage und Hoffnung zurück."

Steinmeier wies darauf hin, das Auswärtige Amt habe mit Unterstützung des Bundestages die Mittel für die humanitäre Hilfe seit 2006 fast verdoppelt.

Der von den Vereinten Nationen im Dezember 2008 ins Leben gerufene Welttag soll die Arbeit humanitärer Hilfsorganisationen würdigen. Am Welttag für humanitäre Hilfe wird auch der im Einsatz ums Leben gekommenen Helferinnen und Helfer gedacht. Der Gedenktag wurde auf den 19. August gelegt, weil an diesem Tag im Jahr 2003 das UN-Büro im Irak Ziel eines Bombenanschlages wurde. Bei dem Attentag starben 22 Menschen, darunter der UN-Sondergesandte Viera de Mello. Allein 2009 kamen bislang 69 humanitäre Helfer zu Tode. 2008 wurden 122 Nothelfer getötet, 62 wurden entführt.

UNICEF rief anlässlich des ersten Welttags der Humanitären Hilfe dazu auf, den Schutz von humanitären Helfern in Krisengebieten zu verbessern. "Humanitäre Helfer in den Kriegs- und Krisengebieten sichern unter schwierigsten Bedingungen das Überleben von Millionen Menschen. Es muss alles getan werden, damit sie ihre Arbeit so sicher wie möglich durchführen können. Dazu gehört, dass sie neutral sind und allen Hilfebedürftigen beistehen können. Jede Vermischung von politischen oder militärischen Maßnahmen mit humanitärer Hilfe gefährdet deren Akzeptanz in der Bevölkerung und bringt die Helfer in zusätzliche Gefahr", sagte Jürgen Heraeus, Vorsitzender von UNICEF Deutschland.

Getötete humanitäre Helfer. Quelle: UNO

Getötete humanitäre Helfer. Quelle: UNO

Das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) hat in diesem Jahr bereits drei Todesfälle zu beklagen, zuletzt den von Mitarbeiter Zill-e Usman, der am 16. Juli im Katcha Gari Camp in einer Grenzprovinz im Nordwesten Pakistans von nicht identifizierten Bewaffneten erschossen wurde. "Wir sind immer noch geschockt über den brutalen Mord an Zill-e Usman", erklärte UN-Flüchtlingskommissar António Guterres. Die zunehmenden Todesfälle von humanitären Helfern werfe die grundlegende Frage der Sicherheit von Mitarbeitern in risikoreichen Umgebungen auf.

UNHCR zeigt sich zudem besorgt über die drastisch verschlechterte Sicherheitslage im Krisenland Somalia. Die wiederholten Einschüchterungen, Entführungen und Ermordungen von Helfern sowie die Plünderungen von humanitären Einrichtungen und Vorratslagern mache es zunehmend schwieriger, die Not leidenden Vertriebenen mit Hilfsgütern zu erreichen. In Folge der anhaltenden Kämpfe in Mogadischu ist mittlerweile die Zahl der Binnenvertriebenen in Somalia auf 1,3 Millionen angestiegen. UNHCR schützt und versorgt mehr als 510.000 Flüchtlinge in den Nachbarländern Kenia, Jemen, Äthiopien, Uganda und Dschibuti.

Margaret Chan, Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), erinnerte daran, bei ihrem Einsatz für in Not geratene Menschen riskierten Helfer häufig das eigene Leben. Die Weltgemeinschaft habe jedoch die Pflicht, diejenigen zu unterstützen, die vertrieben wurden, verletzt sind oder Nahrung, Wasser, Unterkunft oder medizinische Versorgung benötigen.

Aktion Deutschland Hilft, ein Bündnis humanitärer Hilfsorganisationen in Deutschland, erhielt 2008 rund 4,8 Millionen Euro Spenden, insbesondere nach dem verheerenden Zyklon Nargis in Myanmar (Birma). "Die Krisen sind komplexer geworden und erfordern koordinierte Lösungen", sagte Geschäftsführerin Manuela Roßbach. So hätten die Hilfslieferungen nach dem verheerenden Zyklon Nargis sofort aufgenommen werden können, weil erfahrene und ortskundige Helfer von ADRA, CARE, Malteser und World Vision bereits vor Ort waren.

KATASTROPHEN MEIST VON MENSCHEN GEMACHT

"Die allermeisten Katastrophen sind keine 'natürlichen', sie sind von Menschen gemacht und damit vermeidbar", betont Oliver Müller, Leiter von Caritas international. "Ein Welttag der humanitären Hilfe macht nur Sinn, wenn damit nicht nur Lippenbekenntnisse verbunden sind, sondern die Ursachen für und die Folgen von Krisen und Katastrophen an ihren Wurzeln bekämpft werden."

Ursachen für die zunehmende Zahl humanitärer Krisen sind aus der Sicht der Caritas die Verknappung und Verteuerung von Grundnahrungsmitteln, der Kampf um knapper werdende Wasserressourcen, eine besorgniserregende Zunahme von Naturkatastrophen als Folge des Klimawandels, Kriege und Bürgerkriege sowie die internationale Finanzmarktkrise.

Für die Bundesregierung fördert das Auswärtige Amt jährlich mehr als 300 Einzelmaßnahmen in Krisengebieten weltweit. Schwerpunkte sind die Krisen in Sudan, Somalia, Kongo, Afghanistan und den Palästinensischen Gebieten. Hinzu kommt die Hilfe nach Naturkatastrophen wie dem Erdbeben in China oder dem Zyklon in Myanmar. 2009 stehen dafür insgesamt Mittel in Höhe von 123 Millionen Euro zur Verfügung.

www.un.org/en/events/humanitarianday/2009/
ochaonline.un.org/whd
www.auswaertiges-amt.de

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