erlassjahr.deDüsseldorf (epo). - Trotz Schuldenstreichung keine zusätzlichen Mittel: Den Entwicklungsländern soll an Geld gestrichen werden, was ihnen zuvor erlassen wurde. Die zukünftigen Zahlungen an die Entwicklungsländer sollen nach Recherchen von erlassjahr.de in Höhe der beschlossenen Schuldendienstverminderung reduziert werden.  Damit sei die Übereinkunft der G8-Finanzminister für die Entwicklungsländer ein Nullsummenspiel, erklärte erlassjahr.de in Düsseldorf.

"Nach genauer Prüfung des Communique der G7-Finanzminister stellt sich heraus: Die 18 Länder werden in der Tat einen 100%igen Erlass ihrer Schulden bei drei multilateralen Institutionen erhalten. Diese sind der IWF, die Afrikanische Entwicklungsbank und die Weltbanktochter International Development Association (IDA). Jedoch wird dieser Erlass von der jetzigen Höhe der Entwicklungshilfegelder dieser Institutionen wieder abgezogen. Diese Interpretation wurde vom Bundesfinanzministerium heute bestätigt", berichtete erlassjahr.de am Mittwoch abend.

Jonas Bunte, politischer Koordinator von erlassjahr.de, erklärte dazu: "Es ist ein Skandal, dass den verschuldeten Ländern der Schuldenerlass sofort wieder von der Entwicklungshilfe abgezogen wird. Darüber hinaus hat die von den G8 geplante Entschuldung noch weitere Haken: So sollen überhaupt nur 18 von über 50 hoch verschuldeten Ländern einen Schuldenerlass bekommen, der auch nur drei der insgesamt 19 multilateralen Institutionen betrifft."

Zahle ein Land beispielsweise eine Million Dollar pro Jahr an die IDA, so werde dies durch die aktuelle Übereinkunft gestrichen, so erlassjahr.de. Gleichzeitig würden jedoch die Finanzhilfen der IDA an dieses Land um 1 Mio. $ gekürzt. Somit gewinne das Land durch den Schuldenerlass selbst nichts.

Die G7-Staaten zahlen nach den Recherchen von erlassjahr.de nun 1 Mio. $ in den Gesamttopf der IDA. Dieses Geld werden auf alle 81 Länder verteilt, denen die IDA Finanzhilfen nach von ihr bestimmten "Benimmregeln" (Konditionalitäten) vergibt. Werden diese in den Augen der IDA nicht oder nur unzureichend erfüllt, dann wird dem Land das ihm zustehende Einundachzigstel der von den G7 eingezahlten 1 Mio.$ nicht weitergegeben. Das Land erhält somit entweder keine oder im besten Fall nur sehr geringe zusätzliche Mittel, um die Milleniums-Entwicklungsziele zu erreichen.

Da den Entwicklungsländern damit keine nennenswerten zusätzlichen Mittel zur Verfügung gestellt würden, so verlautete selbst aus informierten Kreisen der Weltbank, werde man mit diesem Beschluss absehbar in fünf Jahren wieder an der gleichen Stelle sein.

Jonas Bunte sagte dazu: "Die drei Institutionen sind die einzigen Gewinner des 'historischen Schrittes': Sie können schwer einbringbare Forderungen aus ihren Büchern streichen und erhalten für ihr operatives Geschäft in voller Höhe Ausgleichszahlungen von den reichsten Ländern der Erde. Den eigentlichen Preis dafür zahlen jedoch die überschuldeten Länder."

Entwicklung braucht Entschuldung - erlassjahr.de


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