misereorAachen. - Angesichts der wachsenden  Zahl von Menschen, die vor der Krise in der Elfenbeinküste ins Nachbarland Liberia fliehen, hat das katholische Hilfswerk Misereor eine Soforthilfe von 25.000 Euro bewilligt. Nach Angaben von Misereor-Länderreferent Vincent Neussl suchen mittlerweile etwa 30.000 Flüchtlinge in der liberianischen Grenzregion Nimba County Schutz - überwiegend Frauen, Kinder und alte Menschen.

Da der bisherige Staatspräsident der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, sich nach wie vor weigert, sein Amt an den von der Afrikanischen Union als rechtmäßiger Nachfolger anerkannten Politiker Alassane Ouattara abzugeben, droht in dem westafrikanischen Land der erneute Ausbruch eines Bürgerkrieges.

Seit Ende November nehme die Gewalt vor allem in der Wirtschaftsmetropole Abidjan immer weiter zu, berichtet Misereor. Mehr als 260 Menschen seien bereits ums Leben gekommen. Immer wieder komme es auch zu Übergriffen auf die Zivilbevölkerung. Dies treffe auch die Bevölkerung in ländlichen Regionen, etwa entlang der Grenze mit Liberia. "Offenbar evakuieren hier derzeit viele Männer ihre Familien nach Liberia, während sie gleichzeitig versuchen, in der Elfenbeinküste ihr Land und ihren Besitz zu verteidigen. Oft handelt es sich um die Bevölkerung beiderseits der Grenze, die der gleichen ethnischen Gruppe der Gio angehört", analysierte Misereor-Experte Neussl die Situation.

Eine Ursache der Krise in der Elfenbeinküste ist nach Erkenntnissen von Misereor-Agrarexperte Wilhelm Thees der Machtkampf um die Verteilung knapper werdender Ressourcen. Seit dem Verfall der Kakaopreise Ende der 70er Jahre und dadurch bedingt gewachsener Arbeitslosigkeit gab es zunehmend Konflikte zwischen Einheimischen und Zuwanderern. Auch Ouattara wird von Gbagbo vorgeworfen, kein "echter" Ivorer zu sein, weil seine Eltern aus Burkina Faso stammen sollen.

In Liberia bereiten die Vereinten Nationen zurzeit die Einrichtung erster Auffanglager für die ivorischen Flüchtlinge vor. Ein Großteil von ihnen befindet sich gegenwärtig in sehr entlegenen Dörfern. In manchen Ortschaften hat sich die Bevölkerungszahl durch den Zustrom von Menschen mehr als verdoppelt. Die örtliche katholische Diözese befürchtet, dass es schon bald zu Engpässen bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln kommen könnte. Schon jetzt leiden dort Menschen unter Mangelernährung sowie unzureichenden hygienischen Bedingungen.

Zudem ist die medizinische Versorgung schlecht, so Misereor. Gesundheitseinrichtungen, aber auch Schulen gibt es in der Region nur wenige. Das diözesane Zentrum für Lepra und Tuberkulose in Ganta registriert eine wachsende Zahl von Flüchtlingen, die akut an Lepra leiden. Durch ungewöhnlich heftige Regenfälle hat sich die Lage in den vergangenen Tagen weiter zugespitzt. Die Flüchtlingsregion ist nur schwer zugänglich. Auf kaum befahrbaren Pisten benötigt man selbst mit Geländefahrzeugen oft mehrere Stunden, um wenige Kilometer zurückzulegen. Die örtliche Diözese möchte als Partner Misereors nun Lebensmittel, Schlafmatten, Kleidung und Medikamente für Kinder unter zehn Jahren, Schwangere und Alte zur Verfügung stellen.

www.misereor.de

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