aerzte_ohne_grenzenBerlin. - Ein vielversprechendes neues Diagnoseverfahren ermöglicht es, mehr Menschen auf medikamentenresistente Tuberkulose zu testen. Umso dringender müssten nun Probleme beseitigt werden, die die Versorgung der Patienten mit bezahlbaren Medikamenten verhindern, erklärte die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Eine Studie der Organisation zeigt, dass hier große Probleme drohen. Die medikamentenresistente Tuberkulose ist auf dem Vormarsch, aber weniger als sieben Prozent der neu erkrankten Patienten werden behandelt. An der resistenten Tuberkulose sterben laut Weltgesundheitsorganisation jährlich 150.000 Menschen.

Ärzte ohne Grenzen will das neue Diagnoseverfahren zum Test medikamentenresistenter Tuberkulose in diesem Jahr in 15 Ländern einführen. Das Testergebnis sei dadurch künftig nach zwei Stunden bekannt - statt wie bisher nach drei Monaten. "Der neue Test ist ein großer Fortschritt im Kampf gegen die medikamentenresistente Tuberkulose", erklärte Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. "Aber die Lage der Patienten ist dennoch ernst: Schon jetzt stehen nicht genügend bezahlbare Medikamente zur Verfügung. Dabei rechnen wir durch den neuen Test mit noch deutlich mehr Patienten."

Die Behandlung resistenter Tuberkulose basiert auf alten Antibiotika, von denen viele starke Nebenwirkungen haben, die von Übelkeit bis zu Taubheit reichen. Die Behandlung ist kompliziert: Die Patienten müssen bis zu zwei Jahre lang jeden Tag bis zu 17 Tabletten schlucken. Die Heilungsaussichten sind unsicher. Trotz dieser gravierenden Nachteile gibt es bisher keine besseren Medikamente gegen resistente Formen der Tuberkulose. Eine Studie von Ärzte ohne Grenzen zeigt darüber hinaus, dass bei diesen Medikamenten dauerhafte Versorgungsprobleme drohen und zu hohe Preise notwendige Behandlungen behindern.

In der Studie von Ärzte ohne Grenzen werden alle Medikamente, die zur Behandlung resistenter Tuberkulose eingesetzt werden, auf die Anzahl der Hersteller, die Qualitätskontrolle und den Preis hin untersucht. Das ernüchternde Ergebnis: Für insgesamt vier der empfohlenen Medikamente steht nur jeweils ein qualitativ guter Hersteller zur Verfügung.

Die Abhängigkeit von nur einem Hersteller berge die Gefahr, dass bei Produktionsproblemen und Lieferschwierigkeiten die Behandlung der Patienten unterbrochen werden muss, so Ärzte ohne Grenzen. Beispielsweise sei im Jahr 2010 das Medikament Kanamycin zeitweise nicht mehr erhältlich gewesen.

Außerdem stellt der Bericht fest, dass viele Medikamente sehr teuer sind. Der Preis stieg in den vergangenen Jahren um bis zu 800 Prozent. Die zweijährige Behandlung der resistenten Tuberkulose kann dadurch mit etwa 6.300 Euro fast 470 mal so viel kosten wie die 13,40 Euro zur Behandlung einer normalen, nicht-resistenten Tuberkulose.

Ärzte ohne Grenzen fordert, endlich mehr Forschungsmittel in Behandlung, Diagnose und Impfung gegen Tuberkulose zu stecken. "Jedes Leben, das wir heute retten können, zählt. Für den wirklichen Durchbruch in der Zukunft brauchen wir aber neue Werkzeuge zur Bekämpfung dieser tödlichen Krankheit", so Moldenhauer.

www.aerzte-ohne-grenzen.de

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