wb_wdr2012_80Washington. - Die Weltbank hat am Montag in Washington ihren diesjährigen Weltentwicklungsbericht veröffentlicht. Der "World Development Report 2012: Gender Equality and Development" konzentriert sich auf die Herstellung von Geschlechter-Gerechtigkeit als "smarte Ökonomie": Länder, die bessere Bedingungen für Mädchen und Frauen schaffen, steigern dadurch ihre Produktivität, schaffen bessere Startbedingungen für Kinder und können letztlich eine Entwicklung voranbringen, die allen Menschen nützt.

Dem Bericht zufolge gibt es in Sachen Gerechtigkeit der Geschlechter trotz aller Fortschritte noch viel zu tun. In Entwicklungsländern "fehlen" demnach geschätzte 3,9 Millionen Frauen in jedem Jahr, weil Mädchen eine höhere Sterblichkeitsrate aufweisen, wegen einer Präferenz für Söhne nie geboren werden oder später als Mütter im Kindbett sterben. In Subsahara-Afrika, besonders in Ländern mit hoher HIV/Aids-Rate, steigt die weibliche Sterblichkeitsrate sogar noch an.

"Wir müssen Geschlechter-Gerechtigkeit erreichen", sagte Weltbank-Präsident Robert B. Zoellick. "In den letzten fünf Jahren hat die Weltbank-Gruppe 65 Milliarden US-Dollar bereitgestellt, um die Bildung von Mädchen, die Gesundheit von Frauen, den Zugang von Frauen zu Krediten, Land, landwirtschaftlichen Diensten, Arbeitsplätzen und Infrastruktur zu fördern. Das war eine wichtige Arbeit, aber es war nicht genug." Die Weltbank werde noch viel mehr investieren und andere Wege der Förderung finden müssen, bis das volle Potenzial der Frauen entfaltet werden könne.

Die Weltbank nennt Beispiele:

Wenn Bäuerinnen dieselben Voraussetzungen und Möglichkeiten wie Bauern hätten, könnte die Maisernte in Malawi um 11 Prozent und in Ghana um 17 Prozent gesteigert werden.

In Burkina Faso würde Gleichberechtigung der Geschlechter bedeuten, dass die landwirtschaftliche Produktion um sechs Prozent wachsen würde, wenn Frauen denselben Zugang zu Düngemitteln und Arbeitskräften hätten wie Männer.

Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft schätzt, dass die landwirtschaftlichen Erträge in Entwicklungsländern um 2,5 bis vier Prozent wachsen würden, wenn Bäuerinnen denselben Zugangen zu Ressourcen hätten wie Bauern.

Der Chef-Ökonom der Weltbank, Justin Yifu Lin, betonte, es sei nicht nur moralisch falsch, Frauen und Mädchen in ihren Chancen und Fähigkeiten zu benachteiligen, sondern auch "wirtschaftlich schädlich".

Der Bericht verhehlt nicht, dass wichtige Fortschritte gemacht wurden. Bei der Grundschulbildung habe sich die Kluft zwischen Jungen und Mädchen in fast allen Ländern geschlossen. Auch bei der Sekundarausbildung hätten Mädchen rapide aufgeholt, und in Lateinamerika und Ostasien seien es jetzt die Jungen, die benachteiligt sind. In 45 Entwicklungsländern gebe es mehr Mädchen als Jungen in Sekundarschulen, und in 60 Entwicklungsländern mehr junge Frauen als junge Männer in den Universitäten.

Ähnliche Fortschritte attestiert der Weltentwicklungsbericht 2012 bei der Lebenserwartung: Auch in Ländern mit niedrigem Einkommen lebten Frauen länger als Männer; die Lebenserwartung sei zudem 20 Jahre höher als noch 1960. Immer mehr Frauen seien auch Arbeit: in den letzten 30 Jahren seien Arbeitsplätze für mehr als eine halbe Milliarde Frauen entstanden.

Eine Geschlechter-Kluft sieht die Weltbank vor allem noch bei der Bildung für benachteiligte Mädchen und beim ungenügenden Zugang für Frauen zum Berufsleben. Frauen werden nach wie vor schlechter bezahlt und sie haben weniger Einfluss, sowohl in Privathaushalten als auch in Wirtschaft und Gesellschaft.

Der Weltentwicklungsbericht 2012 fordert ein Handeln in vier Bereichen: Die Förderung des "Humankapitals" von Frauen durch die Senkung der Sterblichkeitsrate und eine bessere Ausbildung; das Schließen der Kluft zwischen Frauen und Männern bei den Einkommen und bei der Produktivität; die Steigerung des Einflusses von Frauen in Privathaushalten und in der Gesellschaft; und schließlich die Verbesserung der Geschlechter-Gerechtigkeit auch Generationen-übergreifend.

Mehr Geschlechter-Gerechtigkeit zu erreichen, sei vor allem eine Aufgabe der Innenpolitik des jeweiligen Landes, betont die Weltbank. Die Entwicklungspolitik könne diese Politik jedoch in vielfältiger Weise unterstützen - durch mehr Geldmittel, durch Innovation und durch bessere Kooperation. So könnten zusätzliche Finanzmittel für sauberes Wasser, sanitäre Anlagen und eine bessere Geburtshilfe vor allem armen Ländern helfen. Mehr Aufklärung und Information könnten Frauen den Weg in die Wirtschaft ebnen. Und Entwicklungspartnerschaften könnten gewinnbringend erweitert werden, wenn die Privatwirtschaft, die Zivilgesellschaft und akademische Institutionen mit einbezogen würden.

www.worldbank.org/wdr2012

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