suedwind_100Siegburg. - Zum internationalen Tag der Armutsbekämpfung am 17. Oktober hat das SÜDWIND-Institut in Siegburg das sinkende Engagement der reichen Industrieländer bei der Verringerung der Armut kritisiert. Es sei abzusehen, dass die von den Vereinten Nationen als Strategie zur Armutsbekämpfung formulierten Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) nicht erreicht werden könnten. So lebten in Subsahara-Afrika und in vielen Ländern Lateinamerikas nach wie vor mehr als 50 Prozent der Menschen in Armut.

"Fast jeder siebte Mensch weltweit muss tagtäglich Hunger leiden", mahnte SÜDWIND. Das Institut fordert, in Entwicklungsländern mit großen Armutsproblemen endlich die versprochenen Mittel für die Armutsbekämpfung einzusetzen.

Im Zuge der im Jahr 2000 vereinbarten Entwicklungsziele soll bis zum Jahr 2015 der Anteil von Menschen, die weniger als einen US-Dollar pro Tag zur Verfügung haben, weltweit halbiert werden (bezogen auf 1990). Tatsächlich sind SÜDWIND zufolge die meisten afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Länder trotz einzelner Fortschritte weit von diesem Ziel entfernt. In Subsahara-Afrika sei der Anteil bis zum Jahr 2005 lediglich von 58 % auf 51 % gesunken, in der Karibik von 29 % auf 26 %.

Ein weiteres Ziel ist es, den Anteil von an Hunger leidenden Menschen in den Entwicklungsländern zu halbieren. Die Zahlen seien hier zunächst um 4 % gesunken, stagnierten aber seit 2000 bei 16 %, so SÜDWIND. Nach aktuellen Angaben gebe es weltweit 925 Millionen Menschen, die hungern müssen. Besonders dramatische Folgen hat Armut für die Entwicklung von Kindern. "Auswirkungen des Klimawandels und der Finanzmarktkrise sowie Preisschwankungen und hohe Nahrungsmittelpreise aufgrund von Spekulationen verschärfen diese Armutssituation zusätzlich", so Pedro Morazán, zuständig für die Themen Entwicklungszusammenarbeit und Armutsbekämpfung am SÜDWIND-Institut.

Wesentlich größer noch ist laut SÜDWIND weltweit die Anzahl von Menschen, die zwar ausreichend Nahrung haben, aber in ärmlichen Unterkünften wohnen und keinen Zugang zu Bildung oder zum regulären Arbeitsmarkt haben. Bei dem Millenniumsziel der Vollbeschäftigung unter annehmbaren Arbeitsbedingungen für Männer und Frauen seien kaum Fortschritte erzielt worden. 2008 und 2009 habe der Anteil von Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen am Gesamtarbeitsmarkt der Entwicklungsländer bei 60 % gelegen. "Entgegen der neoliberalen Maxime des beständigen Wachstums müssen Mechanismen einer gerechten Weltwirtschaft und des fairen Handels etabliert werden", so Morazán, "dazu gehören gerechte Löhne für alle, Vereinigungsfreiheit, Sozialstandards und die Abschaffung von Zwangs- und Kinderarbeit."

Extreme Armut auf der einen – extremer Reichtum auf der anderen Seite: Nach Daten von Boston Consulting ist allein im Jahr 2010 die Zahl der Dollar-Millionäre weltweit um 12 % auf 12,5 Millionen gestiegen. Damit verfüge 1% der Weltbevölkerung über 40 % des globalen Reichtums, kritisierte SÜDWIND. Die Schere zwischen arm und reich sei durch die Krise weiter auseinander gegangen und drohe, die Mittelklasse aufzulösen und zwei soziale Pole zu schaffen, die ein großes Konfliktpotential darstellen.

Die Industrieländer – auch die Bunderegierung – schafften es nicht, ihrer Selbstverpflichtung nachzukommen, 0,7 % des BNE für Leistungen der Entwicklungszusammenarbeit (ODA) aufzuwenden, erklärte SÜDWIND. Die Einführung der Finanztransaktionssteuer solle daher mit rechtsverbindlichen Mechanismen zur beschleunigten Erreichung dieses Zieles eingesetzt und mit einer zusätzlichen Klimafinanzierung gekoppelt werden. Schweden zeige, dass die 0,7 % Marke realisiert werden kann: Hier sei die Höhe von ODA-Zahlungen mit 1 % des BNE im Haushaltsgesetz verankert.

Als Maßnahmen zur Armutsbekämpfung fordert das SÜDWIND-Institut konkret: 1. die Einhaltung und gesetzliche Verankerung des 0,7 % Ziels, 2. Investitionen in soziale Sicherungssysteme, 3. Förderung menschenwürdiger Arbeit und beschäftigungswirksamer Maßnahmen, z.B. durch Investitionen in klein- und mittelständische Betriebe, 4. eine neue Entwicklungsausrichtung mit Verstärkung von Investitionen in Binnenwachstum und -nachfrage sowie in den Aufbau lokaler Produktions- und Weiterverarbeitungskapazitäten und 5. die zusätzliche Finanzierung von Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel.

www.suedwind-institut.de

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