iloGenf/Berlin (epo). - Die Internationale Arbeitsorganisation (International Labour Organization, ILO) hat im Vorfeld des UN-Gipfels zu einer auf die Schaffung von Beschäftigung ausgerichteten Neuorientierung der Politik aufgerufen. Beschäftigung und die Förderung von Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen, ist nach Auffassung der ILO die effektivste Methode zur Armutsbekämpfung. Millionen von Menschen könnten sich selbst aus der Armut befreien, wenn sie die Gelegenheit zu produktiver und menschenwürdiger Arbeit erhielten.

Die wirtschafts- und sozialpolitischen Strategien zur Erreichung der im Jahr 2000 formulierten UN-Entwicklungsziele (Millennium Development Goals) müssten entsprechend überdacht werden, fordert die ILO. Fünf Jahre nach dem Millenniums-Gipfel der Vereinten Nationen sei die Weltgemeinschaft vom Ziel der Halbierung der Armutsrate bis zum Jahr 2015 noch weit entfernt. "Die Wahrheit ist, dass der Fortschritt quälend langsam ist", sagte ILO-Generaldirektor Juan Somavia. "Wir können jedoch helfen, den Frieden zu sichern, wenn es uns gelingt, die Armut zu reduzieren, neue Wege zur Schaffung von menschenwürdiger Arbeit zu finden und zukunftsfähige, Arbeitsplätze schaffende Unternehmen zu fördern."

Die ILO fordert, die Beschäftigungsfrage in den Mittelpunkt der Wirtschafts-, Sozial- und Entwicklungspolitik zu stellen. "Wenn die Welt an einem Strang zieht und ihre Politik kohärent so gestaltet, dass alle Menschen die Gelegenheit erhalten, sich durch Arbeit aus der Armut zu befreien, können die Millennium Development Goals erreicht werden", sagte Somavia.

Eine beschäftigungspolitische Neuorientierung sei nötig, weil sich die Hoffnung, dass die Reduzierung der Arbeitslosigkeit ein quasi automatisches Nebenprodukt wirtschaftlicher Entwicklung und hoher Wachstumsraten sei, nicht erfüllt habe. Trotz eines globalen Wirtschaftswachstums von 5,1 Prozent im vergangenen Jahr nahm die Zahl der Beschäftigten ILO-Berechnungen zufolge nur um enttäuschende 1,8 Prozent zu - viel zu wenig angesichts des erwarteten Zuwachses der Erwerbsbevölkerung um 400 Millionen Menschen bis zum Jahr 2015.

Weltweit ist die offizielle Arbeitslosenquote in den vergangenen zehn Jahren laut ILO um 26 Prozent gestiegen. Nicht berücksichtigt seien dabei diejenigen, die es sich auf Grund mangelhafter Sozialsysteme gar nicht leisten könnten, arbeitslos zu sein, und die daher im informellen Sektor oder auf marginalem Land ein Auskommen finden müssten. Dies betreffe Frauen noch mehr als Männer. Milliarden von Menschen könnten ihr vorhandenes produktives Potenzial somit nicht entfalten.

Die ILO propagiere jedoch nicht die Schaffung von mehr Arbeitsplätzen um jeden Preis, teilte die Oraganisation mit. Um zur Armutsbekämpfung beizutragen, müsse die Arbeit nicht nur produktiv sein, sondern auch Rechte und Schutz der Arbeitnehmer gewährleisten. Die ILO trage zur Schaffung solcher menschenwürdiger Arbeitsplätze bei, indem sie die Zusammenarbeit von internationalen Organisationen, Regierungen, Gewerkschaften und Arbeitgebern sowie zivilgesellschaftlichen Organisationen fördere, entsprechende Politikberatung anbiete, internationale Arbeitsnormen formuliere und deren Einhaltung überwache.

 ILO


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