gfbvGöttingen. - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) befürchtet, dass die internationale Friedenstruppe die Straflosigkeit in Darfur fördern könnte, und hat am Freitag in Göttingen deshalb neue Regeln für die UNAMID im Westen des Sudan bei der Untersuchung von mutmaßlichen Menschenrechtsverletzungen gefordert. "Das Fehlverhalten der UNAMID-Rechercheure bei der Untersuchung einer mutmaßlichen Massenvergewaltigung in dem Ort Tabit in Nord-Darfur in den vergangenen Tagen muss Folgen für die zukünftige Arbeit haben, sonst wird das Vertrauen in Friedenstruppen weiter schwinden", erklärte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius. Nachdrücklich forderte er nochmals eine unabhängige Untersuchung der Vergewaltigungsvorwürfe.

Die UNAMID-Friedenstruppe hatte am Montag öffentlich erklärt, in dem Dorf Tabit keine Anzeichen oder Beweise für die Vergewaltigung von mehr als 200 Frauen und Mädchen durch sudanesische Soldaten am 31.10./1.11 2014 gefunden zu haben. Ausdrücklich wurde dabei auf die Befragung der örtlichen Bevölkerung verwiesen. Die Nachforschungsgruppe wurde jedoch von sudanesischen Soldaten begleitet.

"UN-Blauhelme dürfen sich nicht zum Komplizen einer Armee machen, die systematisch schwerste Menschenrechtsverletzungen vertuscht und Zeugen dieser Verbrechen verfolgt", kritisierte Delius. Laut GfbV wehrten sich die UNAMID-Rechercheure nicht dagegen, dass ihre Untersuchungsteams von jeweils fünf bewaffneten sudanesischen Soldaten begleitet wurden, die alle Aussagen der Dorfbewohner schriftlich festhielten. Ein Soldat filmte sogar die Erklärungen der eingeschüchterten Bewohner Tabits. "Dies ist ein flagranter Verstoß gegen alle Regeln des Zeugenschutzes und angemessener Recherche", sagte Delius. Dorfbewohner berichteten später, dass der zuständige Major der Garnison am Abend vor dem Besuch der UNAMID-Rechercheure alle Bewohner Tabits in einer Versammlung nachdrücklich gewarnt habe, Informationen über das Geschehen preiszugeben.  

"Systematisch hat die sudanesische Armee mutmaßliche Zeugen des Verbrechens eingeschüchtert und Spuren des Geschehens verwischt", kritisierte Delius. So wurden zwischen Dienstagabend und Donnerstagmorgen dieser Woche 26 Dorfbewohner festgenommen, die von der Armee verdächtigt werden, Informationen über das Geschehen an den Radiosender Radio Dabanga und den Fernsehsender Al Arabiya TV weitergegeben zu haben. Die Festgenommenen wurden nach Zeugenaussagen massiv eingeschüchtert und erhielten sogar Peitschenhiebe. Einige der Festgenommenen wurden inzwischen freigelassen und berichteten, ein sudanesischer Offizier habe ihnen vorgeworfen, sich nicht mit der Entschuldigung des Garnisonskommandeurs am 2. November abgefunden, sondern Medien kontaktiert zu haben. Rund 150 Soldaten aus der Garnison, die für das Verbrechen verantwortlich sein sollen, wurden inzwischen in die Provinzhauptstadt El Fasher verlegt.

Quelle: gfbv.de 


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