misereorBerlin. - Anlässlich der MISEREOR-Konferenz "Auf dem Weg nach Lima - Mit neuer Energie für eine nachhaltige Entwicklung" haben Klima- und Entwicklungsexperten vier Tage vor Beginn der Klimaverhandlungen in Lima die Notwendigkeit der massiven Anhebungen der EU-Klimaschutzziele betont. Andernfalls seien die bisherigen Erfolge der Armutsbekämpfung in Gefahr, da in vielen Armutsregionen der Erde, die besonders vom Klimawandel bedroht sind, durch häufigere Wetterextreme immer mehr Menschen in die Armut gedrängt würden und ihre Lebensgrundlagen verlören.

"Der Klimawandel verstärkt die Ungerechtigkeit zwischen armen und reichen Ländern. Klimaschutz ist die beste Katastrophenvorsorge und ein wichtiger Schutz vor weiterer Armut", erklärte MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel. "Deutschlands Verantwortung für den Klimaschutz wird nicht geringer, nur weil andere Länder immer mehr zum Klimawandel beitragen. Die Industrieländer haben die Atmosphäre bereits so stark mit Treibhausgasen überladen, dass sogenannte Entwicklungsländer denselben Klima- und Entwicklungspfad gar nicht wiederholen könnten. Deshalb müssen wir in Vorleistung für einen klimafreundlichen Entwicklungspfad gehen", so Spiegel.

Ottmar Edenhofer, Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und Mitglied des Weltklimarates (IPCC), betonte ebenfalls die dringende Notwendigkeit einer Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft: "Der globale Ausstoß von Treibhausgasen ist trotz einer wachsenden Anzahl von Klimaschutz-Maßnahmen auf einen Höchststand angestiegen. Zwischen 2000 und 2010 stiegen die Emissionen schneller an als in jedem der drei vorangegangenen Jahrzehnte", so Edenhofer. Ein Wandel sei nicht in Sicht. Aktuell komme es weltweit zu einer Renaissance der besonders schmutzigen Kohlekraft. CO2-Emissionen müssten daher einen höheren Preis bekommen, damit klimafreundliche Energieträger eingesetzt würden. "Solange der CO2-Preis so niedrig bleibt, investieren die Unternehmen weiter in Kohlekraftwerke und die vergleichsweise sauberen Gaskraftwerke haben keine Chance", so Edenhofer. Die Einnahmen dieser Steuer könnten wiederum in die nachhaltige Entwicklung ärmerer Länder fließen.

Auch Tatiana Roa, Umwelt- und Energieexpertin aus Kolumbien, forderte eine raschen Ausstieg aus der Kohlekraft. "Nicht nur aus Klimaschutzgründen muss das Zeitalter der Kohlekraftwerke beendet werden, denn der Abbau von Kohle geht in Kolumbien und anderen Ländern häufig mit schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen, gewaltsamen Konflikten, Vertreibungen und ausbeuterischen Arbeitsbedingungen einher. Deutschland ist Hauptkonsument der kolumbianischen Kohle. Wenn die deutsche Regierung wieder verstärkt auf Energie durch Kohlekraft setzt, wird es keine Entspannung der sozialen Konflikte geben. Von den Einnahmen des Kohleexports profitiert der Großteil der Bevölkerung nicht. Im Gegenteil: Die Kindersterblichkeit in den Abbauregionen ist gestiegen, Umweltbelastungen haben in einer dramatischen Weise zugenommen", so Roa.

Medienmitteilung
Quelle: www.misereor.de 


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