gfbvGöttingen. - Die Ankündigung des Shell-Konzerns, 15.600 indigene Fischer in Nigeria wegen der Öl-Verseuchung ihrer Gewässer Entschädigung zahlen zu wollen, hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) als "Pyrrhus-Sieg" bezeichnet. "Shells Einlenken stoppt keineswegs die Umweltzerstörung durch die Ölförderung, unter der die indigenen Gemeinschaften im Nigerdelta seit mehr als 50 Jahren leiden", kritisierte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Mittwoch in Göttingen.

Denn um zukünftig nicht mehr mit Schadensersatzforderungen der Anlieger konfrontiert zu werden, habe Shell längst seinen Rückzug aus dem Nigerdelta eingeleitet und seit 2010 bereits zwölf Bohrlöcher an lokale Investoren verkauft.

"Die Strategie des Konzerns ist klar: Um weitere Imageschäden zu vermeiden, sollen zukünftig lokale Firmen die Öl-Förderung übernehmen, die Shell weiterhin international vermarktet. Diese lokalen Firmen werden sich noch weniger an internationale Umweltstandards gebunden fühlen – und die nigerianische Regierung sieht untätig zu", sagte Delius. "Shell stiehlt sich damit aus seiner Verantwortung für gigantische Umweltschäden, die in Jahrzehnten entstanden sind und nur mit großem Aufwand langfristig behoben werden können. Für die 31 Millionen Bewohner des Nigerdeltas bedeutet dieser Strategiewechsel nichts Gutes."

In einem außergerichtlichen Vergleich hat der Shell-Konzern, laut GfbV am Dienstag den Fischern aus dem Dorf Bodo im Ogoniland rund 70 Millionen Euro Schadensersatz zugesichert. Die 15.600 Fischer erhalten jeweils 2.700 Euro für Verdienstausfall. Weitere 26 Millionen Euro werden für die ökologische Sanierung der ölverseuchten Gewässer und Böden um zwei im Jahr 2008 leckgeschlagene Pipelines zur Verfügung gestellt. Der Vergleich beendet einen dreijährigen Rechtsstreit.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) hatte im August 2011 einen kompromittierenden Report über das dramatische Ausmaß der ökologischen, medizinischen und sozialen Folgen der Ölförderung veröffentlicht. "Mehr als drei Jahre nach der Publikation des UNEP-Reports werden die Empfehlungen der UN-Experten von der nigerianischen Regierung und den Öl-Konzernen noch immer nicht umgesetzt", erklärte Delius. So überschreite die Verseuchung des Trinkwassers der Ogoni und anderer Ureinwohner im Delta die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) um das 900-Fache. Krebs- und Atemwegserkrankungen sind weit verbreitet. Eine umfassende ökologische Sanierung des Deltas würde nach Schätzungen von Experten mindestens 25 Jahre dauern und Milliarden Euro kosten.

Nigerias Regierung hat durch ihre Beteiligung an Öl-Unternehmen allein in den Jahren 2008 bis 2012 rund 67 Milliarden US-Dollars an der Ölförderung im Delta verdient. Fast 80 Prozent aller Staatseinnahmen Nigerias stammen aus Erträgen der Öl- und Erdgas-Industrie.

Quelle: gfbv.de


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