oxfamBerlin. - Vor steigenden Kosten künftiger Klimaschäden in armen Ländern hat die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam im Vorfeld der UN-Weltklimakonferenz in Paris gewarnt. Einer von Oxfam in Auftrag gegebenen Studie zufolge drohen die jährlichen wirtschaftlichen Folgekosten des Klimawandels in den armen Ländern bis 2050 um 600 Milliarden Dollar anzusteigen. Auch die Anpassung an den Klimawandel werde um dreistellige Milliardenbeträge teurer. Oxfam kritisiert die Klimaschutzziele, zu denen sich die Länder im neuen Abkommen verpflichten wollen, als völlig unzureichend.

Oxfam fordert die Staats- und Regierungschefs auf, die Klimaschutzzusagen deutlich zu verstärken und die Unterstützung für die armen Länder bei der Anpassung an den Klimawandel aufzustocken.

Jan Kowalzig, Klima-Experte bei Oxfam, fordert mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz: "Weil Europa, die USA und viele weitere Länder nicht bereit sind, ihren fairen Anteil zum weltweiten Klimaschutz zu leisten, bürden sie den armen Ländern astronomisch hohe Kosten für Klimaschäden auf. Schon in einer um zwei Grad wärmeren Welt werden viele der ärmsten Länder kaum noch ihre Ernten sichern und die Menschen vor den kommenden Katastrophen schützen können. Bei drei Grad droht der Klimawandel weltweit außer Kontrolle zu geraten. Die Pariser Konferenz muss dringend beschließen, dass die Länder ihre Klimaschutzziele in den kommenden Jahren nachbessern, noch bevor das eigentliche Abkommen in Kraft tritt."

Für das neue Abkommen legen die Länder ihre Klimaschutzbeiträge selbst fest (Intended Nationally Determined Contributions, INDCs). Die bisher von knapp 170 Ländern vorgelegten Angebote reichen Wissenschaftlern zufolge aber nicht aus, um das internationale Ziel zu halten, die Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur auf unter zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, sondern machen eine Erwärmung um drei Grad wahrscheinlich, warnte Oxfam.

Nach einer Untersuchung im Auftrag von Oxfam werden sich die wirtschaftlichen Verluste für die armen Länder in einem solchen Drei-Grad-Szenario bis 2050 auf knapp 1,7 Billionen US-Dollar pro Jahr erhöhen. Gegenüber einem Zwei-Grad-Szenario entspriche dies einem Anstieg der jährlichen Verluste um 600 Milliarden US-Dollar.

AUCH ANPASSUNG AN DEN KLIMAWANDEL WIRD TEURER

Ein Teil der zu erwartenden Klimaschäden lasse sich durch Maßnahmen zur Anpassung an die klimatischen Veränderungen vermeiden. Aber auch hierfür fallen in den Entwicklungsländern zusätzliche Kosten an - der Untersuchung zufolge 790 Milliarden US-Dollar pro Jahr im Jahr 2050, was gegenüber dem Zwei-Grad-Szenario einem Anstieg um 270 Milliarden US-Dollar entspricht.

UNTERSTÜTZUNG VÖLLIG UNZUREICHEND

Trotz der hohen Schäden, die mit denen die armen Länder infolge des Klimawandels zunehmend konfrontiert sind, stellen die reichen Länder nur sehr wenig Unterstützung zur Anpassung an die klimatischen Veränderungen bereit,kritisiert Oxfam. Nach einer Analyse der Hilfsorganisation liegt diese Unterstützung derzeit bei lediglich drei bis fünf Milliarden US-Dollar pro Jahr.

Jan Kowalzig sagte dazu: "Das ist beschämend wenig. Verteilte man diese Gelder auf die 1,5 Milliarden Kleinbauern in den Entwicklungsländern, die heute schon mit dem Klimawandel zu kämpfen haben, würde jeder von ihnen mit gerade drei Dollar pro Jahr unterstützt. In Paris müssen die reichen Länder zusagen, diese Unterstützung bis 2020 zu vervielfachen und die armen und vom Klimawandel bedrohten Länder nicht im Stich zu lassen."

=> Hintergrundpapier mit Oxfams Positionen und Forderungen zur UN-Klimakonferenz (English)

=> Technisches Hintergrundpapier zu der Untersuchung. Die Untersuchung zu den wirtschaftlichen Verlusten und Anpassungskosten hat Climate Analytics im Auftrag von Oxfam unter Verwendung des AD-RICE-Modells durchgeführt. Die resultierenden Projektionen hängen stark von den Eingangsvariablen und Annahmen ab und sind damit Näherungen und keine exakten Voraussagen. Wegen der Beschaffenheit des AD-RICE-Modells sind die Kosten dennoch eher konservativ geschätzt.


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