misereorAachen. - Die Belagerung syrischer Städte hat katastrophale Folgen für die Zivilbevölkerung. In Aleppo wie anderenorts herrschen in den umkämpften Gebieten Tod, Zerstörung und Hunger. "Die Ergebnisse der Münchner Syrien-Gespräche vom Wochenende sind nicht mehr als ein Strohhalm, nach dem man mit verzweifelter Hoffnung jetzt dennoch greifen muss. Aber jeder weitere Tag mit Bombenangriffen ist zu viel. Die Waffen müssen sofort schweigen, Straßen von Minen geräumt und ungehindert humanitäre Hilfe ermöglicht werden". Das hat MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon am Montag gefordert.

Bei den Syrien-Gesprächen in München wurden am Wochenende konkrete Schritte zur Verbesserung des humanitären Zugangs und der Schaffung einer landesweiten Feuerpause vereinbart.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind derzeit rund 12 Millionen Syrer auf der Flucht, etwa zwei Drittel davon im eigenen Land. Viele Menschen sind in den umkämpften Städten eingekesselt. Besonders betroffen ist Aleppo: Hier waren zuletzt rund 500.000 Menschen zehn Tage ohne Wasserzufuhr. "Ein 1,5 Liter fassender Kanister Wasser kostet derzeit rund 30 Cent  – und damit zu viel für eine mehrköpfige syrische Familie. Die Menschen müssen sich oftmals entscheiden: Essen oder Wasser", berichtete Firas Lutfi von den von MISEREOR unterstützten Franziskanern in  Aleppo. Wie andere Organisationen richtet auch MISEREOR seine Hilfe für die Versorgung von Menschen in den Städten, die zur Zeit bombadiert werden.

EINE NICHT ENDEN WOLLENDE TORTUR

Viele Einwohner hätten begonnen, selbst nach Wasser zu graben, obwohl das nicht zum Verzehr geeignet ist. Neben den schweren Verletzungen durch Bombenangriffe häuften sich daher laut MISEREOR auch Nierenerkrankungen. Seit fast zwei Wochen versorgen die Franziskanerbrüder die Bevölkerung von Aleppo über drei Brunnenanlagen mit Trinkwasser. Doch nicht nur der Mangel an Wasser, Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung mache das Leid der Menschen unerträglich: "Es gibt keinen Ort mehr, an dem die Menschen sicher sind. Tag und Nacht wird bombardiert. Von 577 Todesopfern waren laut syrischer Beobachtungsstelle für Menschenrechte bis September letzten Jahres 559 Zivilisten", berichtete Lufti. "Während sich die Großen mit Waffen bekämpfen, durchlebt die syrische Bevölkerung eine nicht enden wollende Tortur."

Aufgrund der Notlage der Menschen stellt MISEREOR rund 200.000 Euro unmittelbare Hilfe bereit. Die Hälfte davon fließt in den Ausbau der Notfallzentren der Franziskaner in Aleppo, Damaskus, der Hafenstadt Latakia und Knaye im Nordwesten des Landes. Dabei erreicht das Nothilfezentrum in Aleppo rund 60.000 Menschen mit Grundnahrungsmitteln und Medikamenten, mit Schlafplätzen, Kleidung, Hygieneprodukten und Schulmaterial. Der andere Teil der Soforthilfe fließt in die weitere Sicherung der Trinkwasserversorgung. Allein in Aleppo unterstützt Misereor derzeit sieben Projekte kirchlicher Partner mit einem Fördervolumen von ca. 1,47 Millionen Euro zur notdürftigen Aufrechterhaltung der Bildung und Gesundheitsversorgung, insbesondere aber auch zur Versorgung von Kriegsverletzten. Weitere Projekte im Sozial-und Gesundheitsbereich sind in Vorbereitung.

"Das Engagement der Franziskaner kommt den notleidenden Menschen, seien sie  Christen oder Muslime zu Gute und setzt damit solidarische Hoffnungsimpulse in Umfeld von Terror und Gewalt. Unsere Partnerorganisationen haben die Menschen in Syrien seit Ausbruch des Krieges nicht allein gelassen, wir müssen sie auch weiterhin darin unterstützen", so Martin Bröckelmann-Simon.

Quelle: misereor.de


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