nossojogo 150Wien. - Die Initiative Nosso Jogo, die sich für verbindliche Menschenrechtsstandards bei Sportgroßereignissen einsetzt, hat die Nachhaltigkeit der EURO 2016 und der in zwei Monaten startenden Olympischen Spiele in Brasilien analysiert.

UEFA und die mit der Durchführung des Turniers beauftragte Organisation, EURO 2016 SAS, legen großen Wert auf Nachhaltigkeit im sozialen und wirtschaftlichen Bereich sowie im Bereich Umwelt. Das reicht von Abfall-Management über den öffentlichen Nahverkehr bis zu behindertengerechter Zugang zu den Stadien und nachhaltigen Lieferketten von Produkten und Dienstleistungen.

NACHHALTIGES EM-ERBE

Die Maßnahmen sind Teil einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie. Anhand von strengen Vorgaben wollen sich die Organisatoren in Punkto soziale Verantwortung und nachhaltiger Entwicklung öffentlich messen lassen. So wird die UEFA die führenden Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI) für den Nachhaltigkeitsbericht der EURO verwenden und eine Analyse ihrer Tätigkeiten und Erfolge in Bezug auf Soziale Verantwortung veröffentlichen, berichtete Nosso Jogo.

Nicole Selmer, stellvertretende Chefredakteurin des Fußballmagazins ballesterer, wird ab nächster Woche in Frankreich vor Ort sein und meinte: "In Bezug auf Nachhaltigkeit zeichnet Frankreich ein positives Bild. Verglichen mit der FIFA WM 2014 und den Olympischen Spielen 2016 in Brasilien ist hier weniger neue Infrastruktur nötig, weshalb beispielsweise auch Umsiedelungen oder überbordende öffentliche Ausgaben kein großes Thema sind. Neubauten oder Modernisierungen von Stadien berücksichtigten ökologische Kriterien wie die Nutzung von Regenwasser. Zudem werden die Stadien nach der EURO weiter genutzt."

Die Situation sei allerdings nur schwer mit Brasilien vergleichbar, weil Frankreich ja erst 1998 Austragungsort der Weltmeisterschaft war, während die letzte Fußball-WM in Brasilien 1950 stattgefunden hat. Kritisch zu betrachten seien jedoch die massiven Polizeieinsätze als Reaktion auf die aktuellen sozialen Proteste in Frankreich.

RIO 2016 - ZUM SCHADEN DER LOKALEN BEVÖLKERUNG?

Anders die Situation in Rio de Janeiro, dem Austragungsort der Olympischen Spiele. Familien und Kinder sind konfrontiert mit hoher und weiter steigender Polizei- und Militär-­gewalt, Zwangsumsiedelungen sowie enormen öffentlichen Ausgaben in Zeiten von dramatischen finanziellen Engpässen in Bildungs- und Gesundheitsbudgets.

Erst am 2. Juni 2016 warnte Nosso Jogo Netzwerkpartner Amnesty International Brasilien in einem neu veröffentlichten Bericht „Violence Has No Place In These Games! Risk of human rights violations at the Rio 2016 Olympic Games“, dass sich das Land auf einem beschleunigten Kurs befände, jene tödlichen Fehler im Sicherheitssektor zu wiederholen, die seit Jahrzehnten eine lange Spur des Leidens hinterließen. Der Bericht zeige, wie die brasilianischen Behörden und Sportverbände in Rio de Janeiro nun dieselben unausgereiften Sicherheitsrichtlinien in Kraft gesetzt hätten, die seit der WM 2014 zu einem starken Anstieg von Morden und Menschenrechtsverletzungen durch Sicherheitskräfte geführt haben.

Aus der Sicht der Initiative Nosso Jogo dürfen Sportevents wie die Olympischen Spiele der lokalen Bevölkerung zu keinem Zeitpunkt schaden. Das IOC als Auftraggeber und Vertragspartner der Austragungsorte für die Olympischen Spiele hat in seiner vor mehr als einem Jahr vorgestellten "Agenda 2020" ein Reformprogramm installiert, das erstmals Menschenrechtsschutz beinhaltet, jedoch erst in den Verträgen der Austragungsstädte 2024 zur Geltung kommen soll - für die Bewohner von Rio de Janeiro zu spät.

Nosso Jogo – Petition an IOC

Die österreichische Initiative Nosso Jogo ("Unser Spiel") setzt sich für verbindliche Menschenrechtsstandards bei Sportgroßereignissen ein. Die aktuelle Petition "Keine Menschenrechtsverletzungen im Rahmen von Olympischen Spielen" der Initiative richtet sich an IOC Präsidenten Thomas Bach 

"Stopp der Zwangsumsiedelungen, Stopp der Polizeigewalt und Stopp der Verschwendung von Steuergeld in Rio. Das IOC muss halten, was es mit seiner Agenda 2020 verspricht, und bindende Menschenrechtsstandards festschreiben", fasst Stefan Grasgruber-Kerl von der Nosso Jogo-Organisation Südwind die Kernforderungen der Petition zusammen.

Quelle: nossojogo.at


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