gfbv 200Göttingen. - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat am Donnerstag eine konsequentere Ahndung von Übergriffen auf Kopten in Ägypten gefordert. "Es darf nicht der fatale Eindruck entstehen, dass Kopten dort als "vogelfrei" gelten und Angriffe auf die christliche Minderheit nicht nachdrücklich strafrechtlich verfolgt werden", erklärte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius in Göttingen.

Ägyptens Christen sind tief verunsichert, weil im Januar 2017 innerhalb von nur zwei Wochen fünf Kopten unter ungeklärten Umständen ermordet wurden, berichtet die GfbV. Das fünfte Opfer, der Familienvater Ishak Ibrahim Fayez Younan, war vor wenigen Tagen in seiner Wohnung in Kairo ermordet aufgefunden worden. Ihm wurde - wie den anderen Opfern der mysteriösen Mordserie - die Kehle durchgeschnitten.

Am 6. Januar 2017 war ein Doppelmord an einem koptischen Ehepaar in dem im westlichen Nildelta gelegenen Dorf Tukh El-Dalkah entdeckt worden. Drei Tage zuvor war in der Stadt Alexandria der Kopte Youssef Lamei ermordet worden. Am 13. Januar war der Arzt Bassam Safwat Atta von bislang unbekannten Tätern in seiner Wohnung in Mittelägypten getötet worden, so die GfbV.

"Ägyptens Christen haben wenig Vertrauen in die Justiz", berichtete Delius. "Ihre Vorbehalte sind durchaus berechtigt, da viele Straftaten an Kopten ungesühnt bleiben. Ägyptens Richter geben oft dem Druck islamistischer Gruppen nach, die mit öffentlichen Protesten die Freilassung von angeklagten Muslimen fordern." Erst im Januar 2017 hatte die Einstellung eines Ermittlungsverfahrens gegen drei Muslime durch die Staatsanwaltschaft in Mittelägypten Unverständnis ausgelöst. Die Muslime waren beschuldigt worden, einer 70-jährigen Koptin die Kleider vom Leib gerissen und sie nackt durch die Straßen ihres Dorfes getrieben zu haben. Trotz zahlreicher Augenzeugenberichte wurden die Ermittlungen eingestellt. In einer an den Generalstaatsanwalt gerichteten Petition haben 50 ägyptische Rechtsanwälte am 22. Januar 2017 die Wiederaufnahme des Verfahrens gefordert.  

"Sechs Jahre nach Beginn der massiven Proteste gegen den damals regierenden Diktator Hosni Mubarak ist die Lage der Kopten unsicherer denn je. Die massive Repression des amtierenden Präsidenten Abdel Fattah Al Sisi gegen alle Andersdenkenden hat dazu geführt, dass die Kopten noch mehr unter Gewalt radikaler Islamisten zu leiden haben", kritisierte Delius.

Quelle: gfbv.de


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