gfbvGöttingen. - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat den Bürgerkriegsparteien in den Minderheiten-Regionen Kameruns mangelnden Respekt und Schutz der Zivilbevölkerung vorgeworfen. Mindestens 276.000 Menschen seien vor der Gewalt bereits geflohen. Nachdrücklich forderte die Menschenrechtsorganisation die Behörden Kameruns auf, Zivilisten nicht mit Rücksicht auf die Präsidentschaftswahlen am 7. Oktober an der Flucht zu hindern.

"Ein Jahr nach der Erklärung der Unabhängigkeit der englischsprachigen Provinzen erleben wir einen Massenexodus der anglophonen Minderheit, die vor dem eskalierenden Bürgerkrieg flüchtet. Dringend muss die internationale Staatengemeinschaft mehr für eine politische Lösung des Konflikts tun und einen wirksameren Schutz der Zivilbevölkerung einfordern", erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius am Montag in Göttingen.

Befürworter der Unabhängigkeit der seit Jahrzehnten unter Marginalisierung leidenden Regionen hatten am 1. Oktober 2017 symbolisch den neuen Staat "Ambazonien" ausgerufen. Aus Angst vor Protesten von Befürwortern der Unabhängigkeit haben die Behörden am Sonntag einen zweitägigen Ausnahmezustand in den englischsprachigen Gebieten verhängt.

Die Massenflucht ist problematisch für den 85jährigen Staatspräsidenten Paul Biya, der am 7. Oktober von den Wählerinnen und Wählern erneut in seinem Amt bestätigt werden möchte, um seine siebte Amtsperiode anzutreten. Biya spiele seit Monaten den eskalierenden Bürgerkrieg herunter und erwecke den Anschein von Normalität in den anglophonen Regionen, so die GfbV. Die für einen unabhängigen Staat kämpfenden Aufständischen wollten hingegen zeigen, dass glaubwürdige freie und unabhängige demokratische Wahlen in den umkämpften Gebieten nicht möglich sind.

"Der Massenexodus ist ein klares Signal, dass die Zivilbevölkerung keine Perspektive für ein Ende der Menschenrechtsverletzungen sieht", sagte Delius. So flohen bereits 246.000 Menschen aus den zwei anglophonen Regionen im Nord- und Südwesten Kameruns in andere Landesteile, weitere 30.000 Menschen suchten im Nachbarland Nigeria Zuflucht.

"Der Schutz der Zivilisten muss im Vordergrund stehen. Sie dürfen nicht willkürlich mit immer neuen Auflagen und Restriktionen an der Flucht gehindert werden", forderte Delius. So hätten im Südwesten des Landes seit Mitte September oft Soldaten unter Einsatz von Waffengewalt Zivilisten an der Flucht gehindert. Auch würden Straßensperren genutzt, um den Massenexodus einzudämmen. In den anglophonen Regionen im Nordwesten Kameruns ordneten die Behörden an, die Flüchtenden dürften die Kontrollpunkte nur passieren, wenn sie eine Adresse von Personen angeben könnten, zu denen sie fliehen.

Quelle: www.gfbv.de 


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